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Angstfrei klettern: Gemeinsam geht es leichter!

Angstfrei klettern

Seit sich Nima im November beim Bouldern den Fuß stark verstaucht hat, war sie ausschließlich klettern. Jetzt hat sie sich zum ersten Mal wieder an die Blöcke gewagt und sich ihrer Angst gestellt. Heute berichtet sie euch, welcher Auslöser den Durchbruch gebracht hat.
„Das ist doch völlig egal, dass der vier Meter hoch ist. Du hast da doch fette Henkel?“!

So egal ist mir das mit der Höhe nicht, weshalb ich meinem Freund heftig widerspreche. Natürlich macht es einen Unterschied, ob mich oben winzige Leisten, Sloper oder fette Henkel erwarten. Aber mein Kopf sagt bei dieser Höhe Nein, unabhängig von der Griffqualität.

Und so vergeht ein Tag nach dem anderen, an dem ich in Spaniens größtem Bouldergebiet durch die Sektoren laufe und nach dem passenden Boulder suche. Nicht zu hoch, nicht zu schwer und mit möglichst gutem Absprunggelände.

Meine Ansprüche senken die Anzahl an potenziellen Routen auf ein immer kleiner werdendes Maß, parallel dazu steigt mein Frust.

Seit ich mir im November in Albarracín beim Abrutschen an einer Platte den Fuß verstaucht habe, ist meine Angst beim Bouldern um ein Vielfaches gestiegen. Fallen ist für mich der Horror und Abspringen sowieso, aber beides gehört nunmal beim Bouldern dazu.

Und obwohl mein Freund sehr viel Verständnis für mich aufbringt, kommt er manchmal an seine Grenzen. Draußen zu bouldern ist eben kein Ponyhof. Man kann sich seine Wunsch-Boulder nicht zaubern.

Angstfrei klettern: Wird leichter, wenn wir uns der Angst gemeinsam stellen

Ich finde mich innerlich damit ab, dass das Bouldern wohl nichts für mich ist, versuche es aber dennoch immer wieder. Die Freunde, mit denen wir hier sind, sind alle wesentlich besser als ich. Und auch wenn mir niemand das Gefühl gibt schlecht zu sein, fühle ich mich wie das fünfte Rad am Boulderwagen. Mit ihnen an einer 6c oder 7a herumzuknobeln, überfordert mich einfach.

Wenn die Gruppe passt, geht vieles leichter. Sich gegenseitig anspornen und gemeinsam feiern, ist das nicht etwas, was zum Klettern und Boulden total dazugehört?

Aber dann kommt ganz unerwartet die Wende und zwar in Form von Sara und Philip.
Wir lernen die beiden Freunde zufällig auf dem Parkplatz kennen und sind uns direkt sympathisch.

Am nächsten Tagen ziehen wir gemeinsam los und stellen fest, dass Sara und ich exakt das gleiche Problem haben.Wir könnten durchaus besser bouldern, wenn diese Angst nicht wäre.

Mal hängt Sara in einer Route und kämpft, mal bin ich es.
Wir spornen uns gegenseitig an und haben vollstes Verständnis, wenn der Kopf nicht mehr mitspielt. Aber anstatt zu resignieren, passiert etwas anderes: Wir versuchen es weiter! Schaffe ich eine Route, spornt dies Sara an und umgekehrt.

Ehe wir uns versehen, stehen wir auf einem 3,50 Meter hohen Block und gratulieren uns gegenseitig: Zu unserem ersten 6a Boulder in Albarracín!

Wir sind beide sprachlos und glücklich, denn davon haben wir vor ein paar Tagen nicht zu träumen gewagt.

Das war die 6a. Was für ein Gefühl!

Was hat dazu geführt, dass wir auf einmal Erfolge feiern statt Trübsal blasen?

Für mich waren es zwei Faktoren:

  1. Ich habe mich von Sara und Philip verstanden gefühlt.
    Beide kennen das Problem mit der Höhenangst in- und auswendig und wissen, wie sich Panik anfühlt. Nicht erst in horrender Höhe, sondern manchmal schon in Bodennähe.
  2. Sara und ich waren auf dem gleichen Niveau.
    Wir konnten uns gegenseitig Tipps geben. Saras Erfolge haben mich ermutigt, es auch zu versuchen nach dem Motto: Wenn sie das geschafft hat, dann ist das für mich auch möglich.
Nach diesem Erlebnis hat sich bei mir ein Knoten gelöst. Auch wenn ich Albarracín vorher schon unglaublich schön fand, jetzt kann ich es erst richtig genießen.

Dabei war es zwischen uns nie ein Konkurrenzkampf, sondern eine positive und wertschätzende Unterstützung. Wir konnten jederzeit sagen, wenn unser Limit erreicht ist und es war für alle in Ordnung.

Jeder, der dabei war, hat dazu beigetragen, dass ich mich der Angst stellen konnte.

Steve hat uns außerdem so gut gespottet, dass wir uns jederzeit absolut sicher gefühlt haben.

Zur Not hätte er uns beide vom Boulder getragen, wenn es nötig gewesen wäre. Und so lustig es auch klingen mag: Das hat zu meiner Entspannung beigetragen!

Drei Wochen war ich nun in Albarracín und habe den Spaß am Bouldern wieder entdeckt. Bestimmt gibt es auch zukünftig einige Routen, die mich abschrecken, aber das ist in Ordnung. Was für mich zählt, ist, dass sich der Knoten endlich wieder gelöst und mir einige Erfolgserlebnisse beschert hat.

Mein Fazit

#1: Umgib dich mit anderen, die auf einem ähnlichen Niveau klettern oder bouldern.Wenn der Unterschied zu groß ist, kann das zu mehr Frust als zu Erfolgserlebnissen führen.

#2: Nimm deine Angst ernst und stehe dazu. Wage dich trotzdem in Minischritten aus deiner Komfortzone heraus.

#3: Freue dich über Erfolgserlebnisse und zwar auch über die kleinen. Es muss nicht erst ein kompletter Boulder gefeiert werden, manchmal ist es bloß ein einzelner Zug.

"Über welches Erfolgserlebnis hast du dich in letzter Zeit beim Klettern gefreut"

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