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Annapurna: „Luxus“-Trekking in Nepal

Eine “German Bakery” mit Kiosk mitten im geschützten Trekkinggebiet? Ich dachte, ich traue meinen Augen nicht. Sicher, vielfach wird behauptet, der Annapurna-Circuit sei nichts Besonderes mehr, überlaufen und voll für Touristen ausgelegt, die alle Annehmlichkeiten schätzen – wie eben eine “German Bakery” mit Zimtschnecken und Apfeltaschen. Im Vergleich zum Manaslu-Circuit, und auch zu anderen Trekkings wie in Peru und Patagonien, gelangen wir hier tatsächlich auf einen Circuit der anderen Art.

“Ist der da euer Porter?”, fragt der Wirt Chris und mich und deutet auf Carlos. Ich bin kurz am Überlegen, ihn als stummen Nepalesen auszugeben, verwerfe die Idee jedoch gleich wieder. Auf den zweiten Blick sieht man ja, dass wir drei große Rucksäcke haben, die unmöglich eine Person alleine tragen könnte. Wir drei haben alle gleiche Outdoor-Kleidung an, und wir verstehen nur ein paar Brocken Nepali. Trotzdem, die Vorstellung des Wirts belustigt mich. Warum er gefragt hat, erfahren wir gleich beim Blick auf die Speisekarte.

"Ihr seid ja jetzt auf dem Annapurna-Circuit."

“Ihr habt dieselbe Speisekarte wie die Hütte auf dem Basecamp vom Manaslu-Circuit, ihr bietet das gleiche Essen an und habt hier eine bessere Infrastruktur – und trotzdem ist das Essen doppelt so teuer?” fragen wir.

“Jaa … ja. Ihr seid jetzt auf dem Annapurna-Circuit”, lautet die hilfreiche Antwort. “Die Porter müssen ja auch etwas zu essen bekommen. Ihr bezahlt für die Porter mit, auch wenn ihr keinen habt. Aber je weiter ihr geht, desto teurer wird das Essen. Bei mir esst ihr noch günstig.”

Pause vor der German Bakery, während Chris eine Reihe von Zimtschnecken kauft.

Aha. Für deutsche Verhältnisse ist das Essen natürlich nicht teuer. Dennoch – der Punkt, dass der Preis doppelt so hoch und die Portionen immer kleiner werden, stört mich. Als wir herausfinden, dass Dal Bhat, das nepalesische Nationalgericht, das einzige Gericht ist, bei dem es ordentliche Portionen und sogar noch Nachschlag gibt, stürzen wir uns jedes Mal darauf, als hätten wir wochenlang nichts mehr zu essen gesehen.

Und die Erfahrung?

Chris und Carlos sagen, dass der Annapurna-Circuit nicht vergleichbar sei mit dem vielfältigen Manaslu-Circuit. Nach den anstrengenden Tagen auf dem Manaslu-Circuit genieße ich jedoch die anfangs sehr entspannten Etappen auf dem Annapurna-Circuit, bei dem ein Großteil ohne allzugroßen Anstieg erst einmal geradeaus geht.

Auch wenn ich im Gegensatz zu Chris keine Zimtschnecken esse, muss ich zugeben, dass ich nichts dagegen habe, auf einem touristisch mehr erschlossenen Gebiet zu wandern. Abends gibt’s etwas, das wir seit Tagen nicht mehr hatten – eine Dusche. Das letzte Mal hatten wir uns am eiskalten Dorfbrunnen gewaschen.

Verlassene Pfade, als wir vom Manaslu- auf den Annapurna-Circuit wechseln: Auf dem Weg nach Chame.

Unerwarteterweise bleiben die Touristenmassen jedoch fern. War das alles nur ein Gerücht? frage ich mich. Wie auch immer, es geht jetzt immer weiter bergauf und es wird immer windiger und kälter. Als wir das Tagesziel erreichen und eine Unterkunft suchen, finden wir heraus, dass diese fast alle ausgebucht sind. Das überrascht mich, wir hatten doch fast niemanden gesehen?

Schließlich finden wir einen Platz bei einem älteren, gemütlichen Mann, der uns so leckere Teigtaschen zubereitet, wie ich sie noch nie gegessen habe. In unserem Schlafraum ist es richtig kalt, 3,6°C! Wir putzen in Handschuhen die Zähne und gehen um 18:40 Uhr ins Bett.

Als wir die Küche sahen, waren wir erst etwas skeptisch - das Essen hat dann all unsere Erwartungen übertroffen.

Auf dem Weg zum “High Camp”, dem letzten Camp vor dem Pass Thorong-La mit dem höchsten Punkt von 5416m, sehen wir sie endlich.

“Unglaublich, der tote Pfad von gestern hat sich in einen Pilgerpfad verwandelt”, sagt Chris und deutet auf die lange Schlange, die uns vorausläuft. Er überholt alle, Carlos und ich ebenfalls, aber mit einem langsameren Gehtempo.

“Schau mal, der hat seinen Rucksack auf und überholt auch noch”, höre ich jemanden auf Englisch rufen und grinse. Ja, Chris ist ein echtes Tier, denke ich mir. Wie kann man so eine Ausdauer haben?

Der Schluss von 4500 auf 4900 Metern bis zum High Camp ist noch einmal richtig anstrengend. Ich merke, wie es einfacher wird, alles aufeinander abzugleichen: Die Schritt-Arm-Koordination, die Atmung, und vor allem die Konzentration auf den nächsten Schritt – fast wie beim Klettern. Im High Camp angekommen sitzen wir gemütlich zusammen mit Schweizern und einer Gruppe von Chinesen, die ein gefrorenes Huhn mit hochgeschleppt haben und genüsslich zerlegen. Brrr!

Spaziergang ohne Rucksack im High Camp - der Wind ist unglaublich eisig.

03:45 Uhr – Zeit für’s Frühstück und den letzten Abschnitt bis zum Pass. Es ist eine klare Nacht, man sieht die Bergspitzen und den sternenübersäten Himmel. Es ist schwerer als gedacht, auch die Porter bleiben mit den vermutlich irre schweren Rucksäcken stehen und verschnaufen. Die Temperatur zeigt -13°C an, wir sind jetzt auf 5300m.

100m fehlen noch. Chris ist schon lange nicht mehr in Sichtweite. Meine Finger und Zehen sind fast taub. Wie lange dauert’s noch?? Ein kurzer ebener Teil. Wieder bergauf. Schnee. Da! Fähnchen! Es ist der Pass – mir fällt ein Stein vom Herzen.

Sogar ein provisorisches Kiosk gibt’s auf dem Pass. Etwas absurd, und dennoch bin ich froh und schlürfe den heißen Ingwertee. Geschafft.

Irre kalt und bezaubernd schön: Der Sonnenaufgang auf dem Pass Thorong La, der auf einem Bild fast nicht eingefangen werden kann.

Die letzten Tage ...

… lassen wir es uns in Pokhara gut gehen. Sonne, Spaziergänge, und vor allem viel essen. Ich besuche ein Yoga-Resort und genieße die Übungen, die wir in einer Bambushütte machen. Es war ein sehr besonderes Erlebnis, jetzt freue ich mich aber unglaublich wieder auf eine richtige Pizza und ein deutsches Frühstück. Das Schönste bei solchen Reisen ist für mich, wieder einen anderen Bezug zum Alltag zu bekommen – wir leben hier in einem richtigen Luxus, den wir erst wieder schätzen, wenn wir etwas anderes gesehen haben.

Warst du schon mal in Nepal trekken? Wie waren deine Erfahrungen?

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