Sonne, Weite, Felsen der Extraklasse, freundliches Volk, oder kurz: Kalifornien. Wenn du einen Bouldertrip planst, werden dir diese 10 Tipps und die Ressourcenliste helfen, deinen Trip besser vorzubereiten. Vor allem Gold wert, wenn es dein allererster Trip in die USA ist!
Es gibt ein paar Dinge, die einem die Reise echt erleichtern können, stimmt's?
Ich habe vor unserem Trip viele Freunde befragt: nach den Bouldersektoren, zum Auto-Mieten, zu allgemeinen Dingen.
Nach fast 3 Wochen LA - San Diego - Joshua Tree - Bishop - Yosemite - LA ist unser Trip jetzt zu Ende. Mein Fazit: unglaublich lohnenswert! Vor allem, wenn du neben dem Bouldern noch etwas vom Land sehen willst.
Was hat den Bouldertrip nach Kalifornien für mich besonders gemacht?
Zwei Punkte.
#1: Mal wieder eine ganz andere Dimension von Weite in hinreißenden Landschaften zu erfahren. Die findet man in Europa höchstens in abgelegenen Gegenden. Natürlich ist das sehr praktisch, wenn alles nahe liegt. Aber die Weite hat (zum Verreisen) einen eigenen Reiz.
Und #2: Mit den Leuten in Kontakt treten. Das macht für mich eine Reise erst richtig besonders. Zu erfahren, wie die Leute ticken. Sich mit ihnen austauschen. Den eigenen Horizont erweitern.
Die US-Amerikaner, die wir getroffen haben, waren unglaublich offen, freundlich und hilfsbereit.
Dein erster Bouldertrip in Kalifornien - Tipps für die Vorbereitung
Okay, genug der Vorrede ... lass uns zuerst anschauen, was du im Voraus planen und erledigen kannst, was deinen Trip leichter machen wird.
#1 Kauf nicht alles dort - vieles ist bei uns günstiger
Vor allem die Klassiker, wie Sonnenmilch und Drogerieartikel. Es lohnt sich auch nicht, alle kleinen Notwendigkeiten extra zu kaufen und dann den Rest hier zu entsorgen (z.B. Spülmittel).
Überraschenderweise ist auch manche Outdoor-Ausrüstung bei uns günstiger. Ich habe z.B. nach einem MSR-Kochset geschaut, das hätte umgerechnet hier 8€ mehr gekostet. Der Wechselkurs kann dabei einen Unterschied machen.
Das gilt natürlich nicht für alles. Deshalb mach vorher einen kurzen Check, welche Ausrüstung du dir gerne sowieso neu anschaffen möchtest und ob sie in den USA günstiger (und leicht zu besorgen!) ist.
Diese Ressourcenliste fasst die wichtigsten Dinge zusammen, die bei deinem Trip nicht fehlen sollten:
Hier kannst du dir auch das pdf herunterladen: Ressourcenliste-Bouldertrip-Kalifornien
#2 Buch deinen Mietwagen von Deutschland aus
Das ist definitiv günstiger, sagen Reiseführer. Das haben mir viele Freunde geraten. In den USA wollen die dir zusätzliche Versicherungen aufschwatzen.
Ich habe keinen Vergleich gemacht, sondern einfach "Mietwagen USA" gegoogelt. Bei den Preisen gibt es große Unterschiede.
Im Trend sind Vans und richtige Cruiser. Überleg dir, ob du wirklich einen Van möchtest. Damit hast du zwar einen höheren Komfort als mit Auto + Zelt, allerdings zu einem viel höheren Preis. Auf anderen (nicht-Kletterer-)Camping-Plätzen zahlt man mit Van oft auch höhere Platzgebühren.
#3 Besorg dir eine Kreditkarte und check das Limit
Falls du noch keine Kreditkarte haben solltest: Für die USA brauchst du eine, z.B. als Garantie fürs Auto-Mieten oder für die eine oder andere Nacht im Motel.
Der kleine Nachteil von Kreditkarten sind die Auslandsgebühren. Allerdings verlangen auch viele Geldautomaten eine Gebühr, wenn du Geld mit der Kreditkarte abheben möchtest (obwohl viele unserer Banken mit "kostenfrei Geld abheben" werben).
Die Kreditkarte hat den Vorteil, dass du nicht ständig Bargeld abheben musst. Bargeld brauchst du hauptsächlich für die Camping-Plätze. Alles andere kannst du theoretisch mit Kreditkarte zahlen.
Falls du längere Zeit im Ausland bleiben solltest, prüf vor der Reise dein Kreditkartenlimit.
Mir ist es mal bei einem anderen Trip passiert, dass das Limit für die Garantie nicht ausgereicht hatte. Dank Internet-Telefonie bei der Bank konnte ich das Limit kurzfristig anheben. Kann man sich aber sparen, wenn man vorher schon Bescheid weiß.
#4 Check die Bouldergebiete und stell ggf. "deinen" Guide zusammen
Falls du zuhause keine Boulder-Guides von all deinen Reisen sammeln möchtest, kannst du mit etwas Vorbereitung auch ohne Guide eine gute Boulder-Erfahrung sammeln.
Es kommt darauf an, ob du selektiv zu einigen Spots und genuss-bouldern oder ob du auf deinem Trip so viel wie möglich "ab-bouldern" möchtest.
Wenn selektives Bouldern für dich okay ist, kommst du sehr wahrscheinlich mit folgenden Infos zurecht:
- Anfahrt zum Boulder-Gebiet
- Gebietsübersicht mit den einzelnen Sektoren im Gebiet
- Details zu den Boulderproblemen, die du angehen möchtest
- Wo du unterkommen kannst (Campgrounds)
- Infrastruktur: Wo du Lebensmittel besorgen kannst, wo du ggf. duschen kannst, wo es Internet gibt
Für die Gebiete Joshua Tree und Bishop hat mir definitiv der Bericht auf alpboulder.com zu Kalifornien geholfen. Dort findest du detaillierte Infos zu den Gebieten, Campings und Infrastruktur.
#5 Schau vorher, ob du Crash Pads vor Ort ausleihen kannst
In Joshua Tree und Bishop kannst du dir Crash Pads in den Joshua Tree Outfitters und im Eastside Sports für wenig Geld ausleihen. Achtung, die Joshua Tree Outfitters haben am Mittwoch geschlossen.
Soweit ich weiß, kannst du dir auch in den Red Rocks bei Las Vegas Crash Pads vor Ort ausleihen.
Das ist sehr viel praktischer, weil du damit leichter reist und die Gebühren echt niedrig sind ($10-15 pro Tag). Schreib im Zweifel eine Mail und frag, ob du dir ein Pad ausleihen kannst.
Tipps vor Ort
#6 Unterschätz die Distanzen und die Zeitverschiebung nicht
Die Westküste hat 9 Stunden Zeitunterschied. Dann kommt noch die lange Reise dazu. Plus die Einreise-Formalitäten inklusive Warteschlangen.
Kurz: Je nachdem, um wie viel Uhr du ankommst, wirst du sicher ganz schön fertig sein.
Überleg deshalb, ob du wirklich am selben Tag los willst, oder ob es nicht vielleicht Sinn macht, in LA (oder kurz außerhalb) einen Zwischenstopp einzulegen und am nächsten Tag ausgeruht loszufahren.
Wir kamen um 14:40 Uhr in Los Angeles an und haben den Flughafen etwa 2,5 Stunden später mit Mietwagen verlassen, mitten in die Rush hour. Uns sind fast die Augen zugefallen!
#7 Deck dich rechtzeitig mit Lebensmitteln und Wasser ein
Bei Joshua Tree gibt's einen Walmart, in dem du sehr günstig einkaufen kannst. Dort gibt's auch gratis Wi Fi, falls du deine Mails checken willst, eine Gebiets-Info oder eine Zimmerbestätigung brauchst.
Da es im Park kaum Wasserstellen gibt, denk daran, genügend Wasser-Kanister einzukaufen!
In Bishop ist das Einkaufen deutlich teurer. Besorg die Grundnahrungsmittel besser vorab und in Bishop höchstens frische Sachen. Wenn du mal wieder Lust auf "richtiges" Brot hast: In Bishop gibt es eine Bäckerei, die Erick Schat's Bakery, die eine große Auswahl an frisch gebackenem Brot hat.
Auf dem PV Pit Campground in Bishop gibt's übrigens auch kein Wasser. Du kannst im Visitor Center in Bishop aber kostenlos deine Wasservorräte auffüllen.
#8 Besorg vor Ort "kleine Scheine" fürs Campen
Das System der Camping-Plätze funktioniert nach dem "Selbstbedienungs-Prinzip". Du ziehst bei der Info-Tafel einen Umschlag, in dem du den Betrag passend hineingibst. Gerade beim PV Pit Campground in Bishop (unschlagbare $2 pro Nacht!), aber auch auf anderen Campingplätzen, macht es Sinn, kleine Scheine parat zu haben ($1- und $5-Noten).
Wenn du Geld vom Automaten ziehst, wirst du vor allem $20-Noten, vielleicht auch $10-Noten bekommen. Frag am besten vorher in einer Tankstelle nach, ob sie dir Scheine wechseln können.
#9 Denk an das "First-Come-First-Served"-Prinzip auf den Camping-Plätzen
Den Campingplatz bekommt der, der zuerst da ist.
Wenn du außerhalb der Saison (vor November, nach März) reist, dürfte es kein Problem sein, einen Platz zu finden. Trotzdem kann es selbst unter der Woche schnell voll werden.
Wir kamen Ende September im Joshua Tree NP sehr spät an und hatten im Dunkeln etwas Probleme, einen freien Platz zu finden. Freundliche Camper haben uns im Hidden Valley dann gezeigt, wo noch freie Plätze sind.
Komm also am besten gegen Nachmittag an und sicher dir den Platz. Generell funktioniert das so, dass du den Umschlag mit dem Betrag an der Info-Tafel in einen Briefkasten wirfst und den Beleg am Stellplatz mit einer dort vorhandenen Klammer anbringst.
So sieht jeder, dass der Platz besetzt ist und du kannst in Ruhe zu anderen Boulder-Problemen oder zum Einkaufen fahren.
#10 Sei offen für Begegnungen, auch beim Bouldern
Die Mentalität ist deutlich offener als bei uns, was ich persönlich sehr erfrischend fand. Viele Leute werden dich fragen, woher du kommst, wie lang du schon da bist, wohin du noch verreist, etc.
Beim Bouldern tut man sich schnell auch zusammen und bouldert "gemeinsam". Unser Freund Dani meinte, dass da ruck-zuck einer kommt, sein Pad hinschmeißt und an "deinem" Problem mitbouldert. Damit habe ich selbst überhaupt kein Problem, im Gegenteil, meinte ich. Ich finde es unterhaltsamer und sozialer. Aber es ist sicher nicht verkehrt, sich darauf mental vorzubereiten.
Ganz so krass habe ich es dann nicht erlebt. Aber schon so, dass man sich eben zusammentut und auch vieles miteinander teilt.
Wenn du Hilfe brauchst (und sei es nur, mal doch in den Boulder-Guide zu schauen), scheu dich nicht zu fragen. Die Leute sich hilfsbereit und freuen sich, wenn sie dir helfen können.
Fazit
Ein Bouldertrip nach Kalifornien lohnt sich auf jeden Fall! 3 Wochen sind aus meiner Sicht eine ausreichende Zeit, um viel zu sehen, ohne sich zu stressen. Komplett ohne Planung zu reisen, kostet Zeit und Geld, während ein ungefährer Plan dir noch ausreichend Flexibilität lässt.
Auch wenn die Hauptsaison fürs Bouldern erst ab November losgeht, hatten wir Ende September / Anfang Oktober sehr gute Erfahrungen gemacht. In Joshua Tree und Bishop war es teilweise heißt, im Schatten bouldern ging aber immer.
Falls du schon mal in Kalifornien bouldern warst: Wie war deine Erfahrung? Welche weiteren Tipps kannst du teilen?
