DE ClimbingFlex

Wann ist man ein „echter“ Kletterer?

Klettern wird immer beliebter. Vor allem in der Halle sieht man auch Kletterer, die bei manch einem den Eindruck erwecken, kein “echter” Kletterer zu sein. Wann ist man ein echter Kletterer? Mit dieser Frage beschäftigt sich ein Artikel auf Climbing.com, der einerseits amüsant ist, andererseits von manchen Kletterern sicher so als wahr befunden wird. Ein kurzer Abriss über meine Ansichten, wann man ein echter Kletterer ist.

Als ich mit dem Klettern angefangen habe, habe ich gedacht, das sei eine andere Welt.

Ich habe draußen klettern gelernt, in der Zentralzone von Chile und mit Kletterern, bei denen ich förmlich gespürt habe, wie sehr sie das Klettern, draußen schlafen und die Einfachheit lieben. Ich liebte es auch, fühlte mich jedoch trotzdem nicht als Kletterer.

Das änderte sich langsam, als ich regelmäßig bouldern ging und merkte, dass ich mehr Kraft und Körperspannung aufbaute und dass mir die Züge allmählich leichter fielen. Als echter Kletterer fühlte ich mich glaube ich erst, als ich einige Monate in Madrid verbrachte und dort viel mit den lokalen Kletterern an den Bouldern der Stadt war, mit ihnen die Wochenenden am Fels verbrachte und in ähnlichen Schwierigkeitsgraden kletterte.

"Hallenkletterer sind keine richtigen Kletterer."

Kevin Corrigan schreibt auf Climbing, dass Hallenklettern, im Toprope klettern, Sportklettern kein richtiges Klettern ist. Selbst Chris Sharma sei zu attraktiv, hätte zu viel Geld und sei mehr ein Model am Fels, als ein echter Kletterer zu sein. Das kann man so sehen.

Ich teile die Aussagen überhaupt nicht. Klar macht es einen Unterschied, in der Halle zu klettern oder draußen. Und klar ist es anders, im Toprope zu klettern oder im Vorstieg. Aber ist man deswegen kein echter Kletterer?

Für mich gibt es auch draußen genügend Kletterer, die im Vorstieg und vielleicht in höheren Schwierigkeitsgraden klettern und die in meinen Augen nicht viel mit einem echten Kletterer zu tun haben. Zum Beispiel Kletterer, die mit einem hohen Risiko für sich und andere klettern, oder Kletterer, die sich einen Dreck um die Umwelt scheren und eine Müllkippe hinterlassen.

Ein frischer Tag in Arco: Auch im Nachstieg wurde bei uns das Klettererlebnis nicht geschmälert.

"Echte Kletterer sind dreckig. Und ohne (festes) Zuhause."

Es stimmt, das Gefühl ist vollkommen anders, wenn man in einer atemberaubender Umgebung klettert, danach einfache Nudeln mit Soße zusammen kocht und unter freiem Sternenhimmel schläft. Auf Dauer solch einen Lebensstil führen, also tatsächlich so zu leben, wäre allerdings nicht mein Ding. Für mich ist das aber keine entweder-oder-Entscheidung, man kann beides haben.

Das sieht man auch am Beispiel junge Familien: Vor längerer Zeit wäre es wahrscheinlich undenkbar, auch mit Baby oder Kleinkind zu klettern oder zu bouldern. Heute ist es das nicht mehr.

Was für eine Sicht! Beim Aufwachen zeigt sich das Bergpanorama von Cochamó, Chile, von seiner schönsten Seite.

Insgesamt ist in meinen Augen auch der Lebensstil von Kletterern immer flexibler geworden. Ein echter Kletterer zu sein, heißt nicht auf alles andere zu verzichten. Ich denke, dass es bei dieser Frage mehr darum geht:

Mein Fazit

Für mich bedeutet ein echter Kletterer zu sein, regelmäßig zu klettern – in welcher Form auch immer. Ich hatte mal eine längere Kletterpause und habe gemerkt, dass ich mich in dieser Zeit nicht als Kletterer gefühlt habe. Die Verbindung zum Klettern ist zwar da, das Gefühl als solches nicht. Ein weiterer für mich sehr wichtiger Punkt als echter Kletterer lautet, für sich und andere sicher zu klettern, ebenfalls auf die Natur, wenn man draußen ist.

Und was denkst du darüber? Wann ist man deiner Meinung nach ein “echter” Kletterer?

Die mobile Version verlassen