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Kann Yoga gefährlich werden?

Jede Medaille hat zwei Seiten – so auch Yoga. Wenn du mal nach “Yoga gefährlich” googelst, erscheint eine Liste von Artikeln, die von allem berichten, was so beim Yoga passieren kann. Was da dran ist und worauf du achten solltest, ist Thema heute.

Verschleißerscheinungen bis hin zu Problemen mit der Lenden- oder Halswirbelsäule oder sogar Schlaganfälle sind im Zusammenhang mit negativen Begleiterscheinungen von Yoga bekannt. Wenn du weiterliest, werden dabei auch fast immer auch Erklärungen von Yogalehrern oder medizinischen Experten herangezogen, die zeigen, wie es dazu kommt. Auf zwei dieser Ursachen möchte ich eingehen, die mir als die bedenklichsten Aspekte erscheinen, und auf die du unbedingt sensibilisiert sein solltest.

Fehlendes Körpergefühl beim Yoga

Mit Yoga verbessert sich das Körpergefühl. Davon bin ich fest überzeugt. Bei manch einem mag das Körpergefühl anfangs weniger ausgeprägt sein, bei einem anderen wieder mehr. Der Schlüssel bei den Übungen ist, sich selber zuzuhören und die Übungen bei Bedarf anzupassen.

Jeder Körper ist anders, und nicht jedem Körper tun alle Übungen gut. Das kann anatomisch bedingt sein oder durch individuelle Prägungen, so hat zum Beispiel ein Kletterer ganz andere Bedürfnisse als ein Tänzer. Wichtig dafür ist, sich die Zeit zu nehmen, zuzuhören und nicht durch die Übungen “zu rasen”.

Zugegeben: Es sieht nicht so elegant aus, wie wenn die Nase fast die Schienbeine berührt - aber der Körper dankt es uns mit dieser starken Vereinfachung vielleicht mehr.

Das schließt fordernde Übungen nicht aus. Und wir dürfen auch an unsere Grenzen kommen. Wenn wir jedoch merken, dass zum Beispiel unsere Handgelenke durch intensives Bouldern zu stark beansprucht wurden, sollten wir Abstand von Übungen wie Bretthaltungen und eventuell sogar dem Hund nehmen.

Ein Indikator, der uns zeigt, ob die Übung uns gut tut, ist die Art von Schmerz, die mehr als eine leicht unangenehme Empfindung ist. Ein “Warnsignal” davor ist, wenn der Atem nicht mehr frei fließen kann.

Falscher Ehrgeiz und übertriebene Dehnungen

Problematisch wird es, wenn wir eine Übung, von der wir auch noch merken, dass sie uns nicht gut tut, trotzdem machen – weil wir entweder uns selbst stark fühlen wollen oder weil wir uns vor anderen keine Blöße geben wollen.

Das ist Ehrgeiz, der hier vollkommen fehl am Platz ist! Zum letzten Artikel Wann ist man ein “echter” Kletterer? haben ein paar Kletterer kommentiert, dass es darum geht Spaß zu haben und regelmäßig zu klettern, egal was andere sagen oder wie andere einen sehen.

Diese Einstellung wünsche ich mir auch mehr im Yoga: “Ich bin einzigartig. Ich fordere mich und gehe nur soweit, wie es mir noch gut tut – und nicht weiter.”

Eng mit dem falschen Ehrgeiz verbunden sind übertriebene Dehnungen. Beim Yoga gibt es Übungen, die meiner Ansicht nach wirklich gut tun, wenn wir sie angemessen praktizieren. Und es gibt Übungen, bei denen für mich bis auf einen ästhetischen Aspekt kein klarer Nutzen mehr erkennbar ist – oder deren Nutzen wir auch durch weniger risikobehaftete Übungen erfahren können.

Egal wie schwer oder leicht - Hauptsache, es macht Spaß. Was für viele Kletterer und Boulderer eine wichtige Einstellung ist, sollte auch im Yoga mehr Bedeutung erfahren.

Dieser Punkt ist für die meisten Kletterer zum Glück weniger relevant, weil das Interesse mehr in die Richtung geht, einen Ausgleich zu finden und beweglicher zu werden – und nicht dahin, sich übermorgen beim Zirkus bewerben zu können.

Fehlende Selbstverantwortung

Allerdings kann sich das in einer Yogastunde von einer anderen Seite zeigen.

Dort ist in offenen Stunden die Herausforderung, Übungen für Teilnehmer mit unterschiedlichen Levels anzubieten, die trotzdem noch zu jedem passen. Dem einen Teilnehmer macht eine extremere Übung nicht viel aus, er freut sich vielleicht darüber; ein anderer Teilnehmer, für den die Übung nichts ist, probiert sie vielleicht ebenfalls, weil ihm eine Alternative fehlt.

Wichtig ist, auch bei Anweisungen eines Lehrers immer noch das Verständnis zu haben, selbst für den eigenen Körper verantwortlich zu sein.

Der Lehrer kann etwas vorgeben, aber er wird nie wissen können, wie sich die Übung tatsächlich für uns anfühlt. Lediglich wenn er uns schon lange kennt, kann er eine Idee haben, ob diese Übung für uns ist oder nicht. Selbstverantwortung schließt die Frage mit ein, ob die Übung in diesem Moment Sinn macht, oder ob eine leichte Anpassung vielleicht nicht die bessere Wahl ist – und diese dann auch bei Bedarf zu machen.

Mein Fazit

Yoga kann gefährlich werden, wenn wir uns nicht die Zeit nehmen, auf unser Körpergefühl hören, oder wenn wir mit falschem Ehrgeiz Übungen durchführen wollen, die uns nicht gut tun. Von übertriebenen Dehnungen sollten wir immer Abstand nehmen, wenn der Körper dafür nicht bereit ist.

Achte bei deinen Übungen immer auf einen frei fließenden Atem und nimm dir Zeit, dem Körper zuzuhören. Denk daran, dass du einzigartig bist und passe bei Bedarf die Übungen für dich an, gerade auch Übungen, die für stark biegsame Yogis erfunden wurden. Auch wenn ein Yogalehrer vielleicht etwas anderes vorgibt – wir sind immer für uns selbst verantwortlich.

Verletzungen sind sicher nicht das schönste Thema im Yoga. Aber es ist wichtig zu wissen, dass es sie geben kann und dass es deshalb umso mehr auf eine angemessene Praxis mit einer entspannten Haltung ankommt.

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