Wie ist deine Einstellung beim Klettern? Gehst du mit voller Motivation ran? Oder gibt's auch Tage, an denen du weniger Lust hast und trotzdem klettern gehst? Hier teile ich mit dir meine frühere Einstellung und wie sich meine Einstellung zum Klettern jetzt geändert hat.
Als mein Freund Steve mir nach einem Jahr Kletterpause gesagt hat, dass er dem Sport jetzt doch nochmal eine Chance geben möchte, war meine Freude groß. Ab sofort steht das Klettern bei uns jedoch unter einem Motto, damit wir mit Spaß vorwärts kommen.
Während Steve beim Bouldern ziemlich angstfrei unterwegs ist, steht ihm beim Klettern sein Kopf im Weg. Der Grund dafür sind direkt mehrere sehr schlechte Erfahrungen mit ehemaligen Sicherungspartnern.
Seit er mich Kletter-Angsthasen an seiner Seite hat, kommt zu seinem eigenen unguten Gefühl auch noch meines dazu. Wie oft stehe ich am Fels und suche nach Ausreden, um mich vorm Klettern zu drücken.
Verständlich, dass der Spaß dabei auf der Strecke bleibt.
Seit vier Wochen sind wir nun mit unserem Oldtimerbus auf Peloponnes und vor uns liegen zahlreiche wunderschöne Klettergebiete, viele davon direkt am Meer.
Mit Bouldern, dem Lieblingssport von Steve, sieht es dagegen schlecht aus.
Da er aber im nächsten Jahr nicht bloß am Strand liegen und Muscheln suchen möchte, gibt er dem Klettern nun nochmal eine Chance. Allerdings ist daran eine Art Bedingung geknüpft:
„Do it with passion or not at all“.
Tu es mit Leidenschaft oder gar nicht. Das ist das neues Motto, mit dem wir uns nun selber motivieren und Ausreden ein Ende setzen wollen.
Schluss mit „ich bin zu müde“ oder „es ist zu frisch“ oder „ich weiß nicht, ob ich mich das traue“.
Wenn wir an den Fels gehen, dann geben ab sofort unser Bestes und zwar jeder auf seinem Niveau.
Ich weiß genau, dass ich mit meinen Ängsten und Zweifeln, ob ich einer Route gewachsen bin, für mein Umfeld ziemlich anstrengend sein kann. Meine Versuche, mich zu drücken, aber auch meine Ausreden können die Stimmung ganz schön runterziehen. Und es ist ja auch nicht Steves Job mir ständig Mut zuzusprechen. Ob ich klettern will oder nicht, ist ganz alleine meine Entscheidung. Ja, ich will klettern und ich will es genießen können!
Meckern, nein – motivieren, ja
Es gibt viele Dinge, über die man sich beim Klettern beschweren kann: die Wand hat die falsche Ausrichtung, die Sonne ist zu stark, es sieht nach Regen aus und von schlechten Griffen oder Tritten brauchen wir gar nicht erst zu reden.
Meckern erzeugt jedoch eine Stimmung, in der sich niemand wohlfühlt. Wir wollen am Fels aber eine gute Zeit und Spaß haben - trotz unserer Ängste.
Sich diesen zu stellen, kostet schließlich schon genug Kraft, da müssen wir die Atmosphäre nicht noch selber verpesten.
Deshalb achten wir beide, seit wir wieder gemeinsam klettern, viel bewusster darauf, uns gegenseitig zu motivieren und zu bestärken.
Es ist aber genauso in Ordnung, wenn einer von uns Nein zu einer Route sagt. Heute entsteht daraus keine 10 minütige Diskussion mehr, sondern wir akzeptieren es so und machen mit einer anderen weiter.
Mit Leidenschaft klettern oder gar nicht
Dieses neue Motto wirkt sich auf unser Denken und somit auch auf unser Verhalten aus.
Wenn ich mich erwische, in die Jammer- oder Ausredenfalle zu tappen, rufe ich mir den Satz in Erinnerung.
Wir beide wollen aus unserer Komfortzone rauskommen, dazu spornen wir uns an, ohne verbissen zu sein.
Gleichzeitig akzeptieren wir, wenn einer von uns sagt, dass heute wirklich nicht sein Tag zum Klettern ist. So habe ich Steve letztens einfach bei vier Routen gesichert, ohne selber klettern zu wollen.
Die entscheidende Frage ist also: Willst du wirklich klettern? Wenn ja, dann sei mit ganzem Herzen dabei.
Trau dich, fordere dich heraus und habe Spaß an dem, was du machst – nicht nur beim Klettern, sondern möglichst immer!
