Vor sechs Wochen habe ich mit dem Yoga begonnen. Ob es wirklich mit dem Klettern zusammenpasst und wie es mir gefällt? Hier einen persönlichen Einblick für dich.
Seit sechs Wochen sind meine sportlichen Aktivitäten um eine reicher: Yoga!
Gehe ich sonst ca. zweimal in der Woche laufen und zum Bouldern, mache ich nun zusätzlich drei- bis viermal pro Woche Yoga.
In der ersten Zeit war ich noch etwas unsicher:
- Halte ich das Bein richtig?
- Wieso wird mir beim Sonnengruß schwindelig?
- Sind meine Arme zu stark durchgedrückt?
Die Bedenken haben sich aber schnell gelegt oder durch eine kurze Rückfrage klären lassen.
Entspannt aktiv sein
Die anfängliche Euphorie, mit der ich gar nicht gerechnet habe, ist noch immer vorhanden.
Das Yoga entpuppt sich für mich als ideale Möglichkeit, mich einerseits geistig zu entspannen und gleichzeitig körperlich aktiv zu sein.
Als Entspannungstrainerin meditiere ich zwar oder nutze andere Entspannungstechniken, aber Yoga ist für mich eine neue, positive Erfahrung.
Die Dauer der Übungen variiere ich, da dies vom jeweiligen Tagesplan abhängt.
Habe ich viel zu tun, fällt das Yoga kürzer aus – aber es fällt nicht aus!
Auf die Matte, fertig, los!
Am Anfang habe ich die Matte auf den Boden geworfen und losgelegt. Dabei war ich kopfmäßig oft noch bei der Arbeit und habe mir keine Zeit fürs Ankommen genommen.
Erstmal runterkommen
Inzwischen mache ich erst einmal eine Pause von der Arbeit – und wenn es nur fünf Minuten sind – bevor ich mit dem Yoga beginne.
Ich merke immer deutlicher, dass mir diese Auszeit wichtig ist und ich sie vom Anfang bis zum Ende genießen möchte.
Alle Störquellen wie das Telefon, die Klingel oder die Hunde schalte ich aus.
O.K., ausschalten lassen sich Luna und Jule nicht, aber zumindest für eine Weile mit einem Kauknochen beschäftigen.
Bei den Übungen läuft es so, wie im restlichen Leben auch: Es gibt gute und schlechte Tage.
An manchen bin ich voll konzentriert bei der Sache und habe Energie, an anderen schweifen meine Gedanken ständig ab und ich fühle mich schlapp.
Eines ist aber immer gleich: Nach einer Yoga-Einheit fühle ich mich erholter!
Klettern und Yoga - passt das?
Im Vorfeld hatte ich bereits oft davon gelesen, dass Yoga eine tolle Ergänzung zum Klettern sei.
Trotzdem konnte ich mir nicht vorstellen, inwieweit sich das tatsächlich bemerkbar macht.
- Gibt es da auf einmal einen Aha-Moment?
- Oder ist das ein schleichender Prozess, bei dem man es nur wage mitbekommt?
- Oder wird das Thema einfach aufgebauscht und letztendlich bringt es kaum etwas?
Da ich grundsätzlich dazu neige, Dinge zu hinterfragen, bin ich auf alles gefasst und entsprechend sensibilisiert.
Alles wie immer
Zuerst bleibt bei unseren Boulderabenden alles beim Alten. Eine Verbesserung oder Veränderung stelle ich in der Anfangszeit nicht fest.
In der vierten Woche soll sich das plötzlich ändern. An diesem Abend habe ich beim Bouldern ein anderes Gefühl für meinen Körper als sonst.
- Ich führe die Bewegungen langsamer und bewusster aus.
- Ich nehme deutlicher wahr, wie ich meinen Körperschwerpunkt verändern muss.
- Ich spiele mehr mit meinem Körper und probiere andere Bewegungen aus.
Auch mein Freund merkt, dass ich an diesem Abend anders ans Bouldern rangehe: freier, kreativer, konzentrierter.
Obwohl mir das Bouldern sonst auch Spaß macht, fühlt es sich an diesem Abend besser an, irgendwie runder.
Die Luft ist raus
Auch beim folgenden Mal verstärkt sich dieser Eindruck.
Ich bin an diesem Tag kraftlos und habe wenig Energie für schwierige Boulder. Daher mache ich ein Training im leichten Bereich.
Und wieder fällt mir auf, dass ich gelöster mit meinem Körper umgehe. Ihn besser eindrehe, meine Hüften enger an die Wand bringe, die Arme lang lasse.
All das mache ich dieses Mal nicht, weil mich mein Freund darauf hinweist, sondern weil ich es intuitiv merke. Danke auch an Robert Kampczyk, der die Boulderbilder geschossen hat!
Mein Fazit
Bis man neue Bewegungsabläufe verinnerlicht hat, braucht es seine Zeit, das gilt fürs Klettern wie fürs Yoga.
Yoga ist kein Allheilmittel, das dir zu einer kometenhaften Kletterkarriere verhilft.
Aber Yoga ist tatsächlich eine hervorragende Ergänzung, um bestimmte Bereiche gezielt zu trainieren.
Sei es die Beweglichkeit, der Gleichgewichtssinn oder die Konzentration – bisher stelle ich in allen drei Bereichen deutliche Verbesserungen fest.
Von nichts kommt natürlich nichts, daher heißt es auch beim Yoga: Dranbleiben!
In welchem Bereich hast du durch das Yoga die größte Veränderung erfahren?
