4 Wochen mit dem Jeep am Pazifik entlang fahren, abgelegene Klettergebiete kennen lernen, die Farbvielfalt der Wüste auf sich wirken lassen … hat was! Hast du schon ähnliche Trips erlebt? Dann kennst du sicher auch die unangenehmen Seiten, die so ein Trip mit sich bringt. Was ich diesem Trip schwierig fand und warum genau das ihn so besonders macht.
Sonne, chillige Musik und ein entspannter Platz auf der Terrasse. So kann ich es eine ganze Weile aushalten. Ich sitze gerade in Casa Campestre, einem echt coolen Hostal und Camping in der sehenswerten “Touristen-Hochburg” San Pedro de Atacama, und haue in die Tasten.
Wir haben gerade Halbzeit von unserem Trip in den Norden von Chile. 2 Wochen sind wir jetzt unterwegs, über 3.000 km haben wir mit dem Jeep zurück gelegt. Einmal vom Zentrum aus komplett hoch, bis an die Grenze zu Peru und Bolivien, und langsam wieder runter.
Dieser Trip ist anders als meine bisherigen Reisen.
Ich glaube, was diesen Trip am meisten von den anderen unterscheidet, ist die Mischung aus langen Distanzen, die Planlosigkeit, besonderen Begegnungen … und die Herausforderungen, die dieser Trip mit sich bringt.
Nicht alles ist wie im Bilderbuch ...
Ich habe Bekannte, die würden sich wahrscheinlich fast die ganze Zeit beschweren, wenn sie mit dabei wären:
- über den Staub und den Dreck, die der Wind heranwirbelt
- über den fehlenden Komfort einer Dusche
- über das einfache und monotone Essen
- über den harten Boden und das aufblasbare Kopfkissen, das immer wieder unterwartet den Geist aufgibt über die Lastwägen, die in einer Kurve und mit Steigung überholen
- über die Kopfschmerzen und Müdigkeit auf 4.500 m …
Ich bin auch nicht auf alles scharf.
Nudeln mit Tomatensoße habe ich satt.
Oder die Suche nach einem Schlafplatz, wenn die Sonne schon untergegangen ist und wir nach 3 Stunden Suche in einem schwierigen Gebiet schließlich doch im überfüllten Jeep schlafen.
Oder die Suche nach einer stabilen Internet-Verbindung, wenn Carlos gerade mit einem Kunden ein paar Websiten-Änderungen besprechen muss.
Was mir diesmal körperlich sehr zu schaffen gemacht hat, war die Höhe. Als wir beim Lago Chungará auf 4.600 m geschlafen haben, hatte ich ziemliche Kopfschmerzen und Schwierigkeiten mit der Atmung. Das war mir echt unheimlich. Ich glaube, ich war noch nie so konzentriert bei dem simplen Mantra dran:
Einatmen. Ausatmen.
Da hat Yoga echt geholfen! Trotzdem war es ziemlich hart. Die Nacht hat sich gezogen wie zäher Kaugummi. So etwas brauche ich nicht unbedingt.
"Das Unangenehme gehört zum Abenteuer dazu."
Das hat Carlos gesagt, als wir uns mit Nicolás, einem chilenischen Geologen, unterhalten haben, den wir beim Lago Chungará kennen gelernt haben.
“Absolut. Genial hier. Saukalt, unglaublich windig und voll hoch. Kopfschmerzen hatte ich auch. Aber ich würde 1000 Mal eher so etwas machen als einen Pauschalurlaub im Hotel”, sagte Nicolás.
Da gehe ich voll mit. Es ist nicht “angenehm” oder “ganz nett”. Es ist manchmal hart und fast zum Verrückt-werden. Und es ist fantastisch.
Es bringt dich zu gigantischen Landschaften, die uns zeigen, wie wundervoll die Natur sein kann.
Es bringt dich dazu, den Moment zu leben. Anstatt die Energie mit den Banalitäten zu verschwenden, an die wir zu oft im Alltags-Trott denken.
Und: Es bringt dich dazu, die einfachen Dinge im Leben wieder zu schätzen. Wie die heiße Dusche. Eine einfache Küche. Ein Bett. Saubere Klamotten.
Ein Perspektivenwechsel, der in unserer reizüberfluteten Zeit so irre gut tut.
Mein Fazit
Wenn alles immer klappen würde und angenehm, wäre es langweilig. Monoton.
Ich weiß nicht, wie du das siehst, aber ich finde, dass solche Trips das Leben besonders machen. Sie bleiben in Erinnerung. Und die einzigartigen Seiten. Wie der Sternenhimmel. Die besonderen Begegnungen mit Menschen, von denen man glaubt, dass man sie schon ewig kennen würde. Der Sonnenaufgang, der die Landschaft in warmes Licht taucht. All das übertrifft bei weitem alles Unangenehme. Es gehört dazu.
Morgen fahren wir in eine Schlucht, wo wir mehrere Tage klettern und Yoga-Flows aufnehmen werden. Ich bin gespannt, wie es in fast 4.000 Metern Höhe mit dem Klettern klappen wird.
Welche Trips hast du in Erinnerung, die echt besonders für dich waren? Ich freue mich auf deine Kommentare und Stories!
