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„Egal ob Vorstieg oder im Top. Die Route ändert sich nicht.“

“Klettere ich die Route im Vorstieg oder doch im Toprope?” Für viele Kletterer ein Thema, für andere Kletterer stellt sich die Frage überhaupt nicht. Im Gegenteil: Als Toprope-Kletterer klettert man ja gar nicht richtig. Das Leistungsdenken, die eigene Motivation und wie du für dich die Frage beantworten kannst. Was meinst du zur Frage Vorstieg oder Toprope?

“Ich schaffe die Route nicht im Vorstieg! Ich habe die Kraft nicht und bin echt alle! Lass mich ab und ich kletter die Route später im Toprope!”

Wir waren mit ein paar Freunden in einem recht pumpigen und schönen Sektor von Relicura, Südchile, klettern. Amber, die noch nicht so lang kletterte, war gerade über den ersten Haken geklettert und kämpfte sich mehrmals zum zweiten Haken, kletterte wieder runter und setzte sich ins Seil am ersten Haken. Echt knackige Züge, vor allem für eine Route zum Warmwerden.

Ihr Freund Fernando meinte gelassen: “Hör zu. Es ist vollkommen gleich, ob du vorsteigst oder im Top kletterst. Die Route ändert sich dadurch überhaupt nicht. Also kannst du auch gleich vorsteigen.”

Anspornend oder vollkommen fehl am Platz, seine Bemerkung?

Einerseits stimmt’s, dachte ich mir. Die Route ändert sich nicht. Manchmal hilft es auch, einen Partner zu haben, der einen weiter fordert.

Andererseits: Er sieht doch, dass Amber schon 15 Minuten an der selben Stelle hängt und nicht weiterkommt. Sie schafft es gerade körperlich nicht. Was soll das also?

"Wer nicht im Vorstieg klettert, ist kein richtiger Kletterer."

In Nido de Pájaro (auf Deutsch "Vogelnest") an der Roca Oceánica, Chile, gibt es nur am Umlenker Haken. Wenn man hier vorsteigen will, sind Friends und Keile eine Option. Oder einfach im Toprope klettern.

Das wird manchmal direkt gesagt, manchmal vielleicht auch nur gedacht. Ja, es macht einen Unterschied. Auch für mich. Aber ist das nicht etwas, was jeder für sich selbst entscheiden und bei anderen respektieren sollte?

Was bringt Kletterer dazu, andere Kletterer zu degradieren, weil sie im Toprope klettern?

Wenn du mal in einige Facebook-Gruppen oder auf die Seiten von Kletterer-Magazinen schaust, siehst du fast immer Beiträge dazu, wer welche Route geknackt hat.

Keine Frage, Anerkennung und Erfolge teilen gehört zum Klettern voll dazu, finde ich. Für mich hat diese Art der Kommunikation aber einen faden Beigeschmack, nämlich dass der Fokus so stark auf dem Leistungsbereich liegt.

Vielleicht empfinde ich das so, weil Klettern für mich so viel mehr ist, als nur eine 12b-Route zu knacken. Auch wenn ich in der Boulderhalle an der nächsten Schwierigkeitsstufe arbeite und dann auch leistungsorientiert bin.

Aber ich vermisse einfach Kletterartikel über andere Themen. Über Emotionen. Darüber, was Kletterer wirklich beim Klettern bewegt.

Klettere ich die Route im Vorstieg oder im Top?

Zurück zur eigentlichen Frage. Vorstieg oder Toprope? Es muss nicht kein entweder oder sein. Ich glaube, die Entscheidung hängt stark ab von Faktoren wie

Ich sehe wenig Sinn darin, sich im Vorstieg abzukämpfen, sich selber Druck zu machen und das Klettern überhaupt nicht zu genießen. Du liest es vielleicht heraus, ich bin hier ein bisschen gebrandmarkt.

Ich finde es viel wichtiger, sich zu fragen, was heute beim Klettern wichtig ist. Und es von dieser inneren Motivation abhängig machen anstatt von externen Faktoren.

Fazit: Meine Sicht zu Vorstieg oder Toprope

Ich finde es wichtig, die Entscheidung jedem selbst zu überlassen. Für mich persönlich gehört Vorsteigen zum Klettern dazu. Weil es mental eine echte Herausforderung sein kann. Weil es mich in vielen Routen dazu bringt, meine bisherige Grenze zu verschieben.

Aber es gibt auch viele Routen, bei denen ich im Toprope ebenfalls aus meiner Komfortzone herausgezogen werde und etwas lerne. Das ist für mich vollkommen okay.

Für mich geht es beim Klettern darum, mich voll auf die Route zu konzentrieren. Ein Stückchen weiterzukommen, etwas zu lernen, gefordert zu werden. Körperlich mit Kraft, Beweglichkeit, feinen Zügen oder mental, indem ich mich überwinde, weiterzugehen und dem Geschnatter im Kopf die Aufmerksamkeit entziehe. Das finde ich in den meisten Routen in meinem Schwierigkeitsgrad nur, wenn ich im Vorstieg klettere. In anderen Routen, vor allem in unbekannten Klettergebieten, wenn ich im Top klettere.

Was denkst du zu Vorstieg oder Toprope? Ist beides für dich gleich?

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