Sturzangst, Höhenangst, weite Hakenabstände, unglaublich anstrengende Züge … jemand, der nicht klettert, schüttelt den Kopf, warum wir uns all das antun. Was macht das Klettern für uns Kletterer so besonders? Was mich dazu gebracht hat, mit dem Klettern anzufangen und was das Klettern für mich heute ausmacht.
Kennst du das? Du kletterst eine psychische Route, die viel Kraft und Ausdauer erfordert und noch Kopfsache ist. In dem Moment, in dem du nicht zu 100 Prozent präsent bist, schießt dir ein Gedanke durch den Kopf.
Warum zum Teufel tue ich mir das an? Warum gehe ich nicht einfach runter und gehe lieber ein Eis essen?
Genau das würden Leute denken, die sich mit dem Klettern nicht identifizieren. Das fragen dich Leute, die sehen, welche körperlichen und mentalen Anstrengungen zu sehen sind. Gute Frage, nicht wahr? Warum machen wir das Ganze eigentlich?
Wenn wir das wissen, können wir aus dem Klettern eine starke Motivation herausnehmen, die an der Wand einen Unterschied macht. Es ist der Unterschied, ob wir mit Entschlossenheit klettern oder nur halbherzig.
Was hat dich bewegt, zum ersten Mal klettern zu gehen?
Mich hat in Chile eine deutsche Freundin mal zum Bouldern mitgenommen. Ich habe dann ernsthaft angefangen, weil ich dadurch an Plätze kam, an die ich sonst nicht gekommen wäre. Sehr schöne Landschaften, einsam und abgelegen.
Ich bin vorher auch mit dem Rucksack gereist. Aber mit dem Klettern war es anders. Intensiver. Direkter Kontakt zur Natur.
Beim Klettern gibt es einen Punkt, der mir Angst macht. Wenn die Hakenabstände weit auseinander sind und ich mich verklettere, weil in der geraden Linie kaum Griffe sind. Das ist mir noch nicht so häufig passiert, aber es kommt vor. Dann den Kopf im Griff zu haben, ist eine Herausforderung.
Was hält dich beim Klettern?
Trotzdem gibt es beim Klettern zwei Aspekte, die ich in keinem anderen Sport sehe, der mir gefällt.
- Dieses Gefühl an nichts anderes zu denken, als an die Bewegungen am Fels.
- Voll da zu sein in diesem Moment. Pure Konzentration.
Und: Ich finde es faszinierend, wie man sich als Person beim Klettern verändert. Es ist faszinierend, welches Potenzial im Klettern für einen steckt:
- Körperlich: Ausdauer, Kraft, Bewegungssinn
- Mental: Konzentration, Entschlossenheit, Selbstvertrauen
Unabhängig vom Schwierigkeitsgrad finde ich, dass jede Route etwas zum Lernen bereithält:
- eine andere Bewegung, die ungewohnt ist
- ein anderer Fels mit einer anderen Struktur
- Tritte, die eine andere Fußtechnik erfordern
- eine Anpassung des sonst üblichen Kletterstils
- eine unterschiedliche Atmung
- etwas über unsere Gedankenkontrolle
Und schließlich noch eine der schönsten Seiten am Klettern
Ich habe früher Leistungssport in der Leichtathletik gemacht und an vielen Wettkämpfen teilgenommen. Das hat mich gefordert und Spaß gemacht. Aber was es mir im Gegensatz zum Klettern nicht gegeben hat: Ein anderes Gefühl von Verbundenheit.
Ich glaube, dass Klettern und Bouldern gerade deswegen so verbinden, weil es keine Aktivitäten mit “Spaziergang-Charakter” sind. Weil es ein Teamsport ist. Man sichert oder wird gesichert. Man spottet oder wird gespottet. Man geht zusammen da durch.
Letztes Jahr waren wir in Rumänien beim Petzl RocTrip dabei. Diese Erfahrung war sehr besonders. Es waren so unterschiedliche Nationalitäten dabei, aus der ganzen Welt. Und trotzdem hat es sich so angefühlt, als ob sich alle schon lange kennen würden.
Das ist es, was das Klettern für mich so besonders macht. Zusammen. Nicht als Einzelkämpfer.
Mein Fazit zu meinem Warum
Klettern hat für jeden von uns eine eigene Motivation. Für manche Kletterer sind einfach nur dabei sein und der Spaßaspekt am wichtigsten, für andere der Schwierigkeitsgrad und Kraftaspekt, und für andere wieder andere Motive. Das ist auch gut so.
Ich glaube, das Wichtigste ist es, die eigene Motivation zu kennen. Sie treibt uns an und hilft uns, immer wieder zur Route zurückzukehren, auch wenn es gerade schwer ist.
Welche sind deine wichtigsten Gründe, warum du kletterst? Ich freue mich, von dir zu hören.
