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Verflixte Sturzangst – wie krieg ich sie los?

Sturzangst

Die Sturzangst, die einem das Klettern von leicht bis so richtig vermiesen kann – wer kennt sie nicht? Sturzangst gibt es, wie alles andere auch, in verschiedenen Ausprägungen. Deswegen gibt’s kein Pauschalrezept. Aber für dich hier ein paar Ideen zum besseren Umgang mit ihr.

Ein Überhang mit großen Henkeln, insgesamt allerdings recht pumpig. Ich bin schon müde und gleichzeitig nervös, weil ich merke, wie mir immer mehr die Kraft ausgeht.

Der letzte Haken ist noch unter dem Überhang, ich bin schon drüber und hänge mit etwas Mühe die Expressschlinge in den Haken.

Die Finger zittern. Die Atmung geht schneller, ich bin jetzt nicht mehr nur nervös, sondern habe Angst und greife in die Schlinge … und ich merke, dass ich keine Kraft mehr habe, nicht mal mehr, um mich hier festzuhalten und das Seil einzuhängen.

Mir wird fast schwindelig, als ich begreife, was für einen langen Sturz ich gleich hinlegen werde.

Die Sturzangst lässt sich nicht einfach wegzaubern

Ich warne noch schnell Luis vor, der mich sichert und dann geht alles gleichzeitig schnell und doch in Zeitlupe. Puuh! Der Sturz an sich war in Ordnung, Luis hat gut gesichert. Aber die Angst davor hatte mich gelähmt, wie ein Kaninchen vor der Schlange.

Das ist inzwischen sieben Jahre her.

Im Vergleich zu damals, als ich zu Yoga noch nicht so den Zugang hatte, merke ich heute auf jeden Fall einen Unterschied. Yoga hat positive Spuren hinterlassen und hinterlässt sie weiterhin: Ich bin mental stärker und auf der körperlichen Ebene beweglicher und klettere mit mehr Körperspannung, was sich wiederum positiv auf den Kopf auswirkt.

Dennoch: Einfach wegschnipsen kann man die Sturzangst nicht, auch nicht mit Yoga.

Ganz deutlich zeigt sich das, wenn ich eine Kletterpause habe und dann wieder anfange. Die Bewegungen erst einmal wieder aufnehmen und sich wieder an die Höhe gewöhnen fallen dem Einen leichter, dem Anderen schwerer.

"Uaaah!!" Unser Freund Walo fliegt aus der Route "La furia del ermitaño", Sektor Las Chilcas, Chile.

Zu welcher Sorte gehörst du? Ich gehöre eindeutig zur zweiten. Unter uns: Das stört mich manchmal. Ändern kann ich es nicht – aber ich habe gelernt, damit umzugehen und nehme mir viel Zeit, wieder reinzukommen, wenn sich eine Pause nicht vermeiden lässt.

Wichtig ist zu verstehen, dass Angst tiefer sitzt als jegliche Erklärungsversuche des Verstandes. Die Emotion Angst ist tief in uns verwurzelt, schließlich sollte sie uns früher (und heute) vor Gefahren retten. Auch wenn es Statistiken geben soll, dass die Fahrt zum Fels oder zur Halle gefährlicher ist als das Klettern selbst – unserem Instinkt ist das wurscht.

Was hilft gegen Sturzangst?

Lasst uns mal überlegen und sammeln, was gegen Sturzangst hilft.

Das beste Mittel, um das Klettern mit Leib und Seele zu verinnerlichen und zur “Normalität” werden lassen. Damit vermitteln wir uns auch die Überzeugung, in Form zu sein und gehen mental entspannter an die Route als mit der Überzeugung “Ich war schon ewig nicht mehr klettern! Wahrscheinlich wird’s mir schwer fallen …”.

Sturztraining zu vermeiden gehört zu den Fehlern, die Dave Macleod in seinem Buch 9 von 10 Kletterern machen die gleichen Fehler aufführt. Ich gebe zu, dass ich selbst auch zu wenig Sturztraining mache, nämlich meistens dann, wenn ich merke, dass ich nervös bin und etwas tun möchte, um dem Kopf wieder das Signal zu geben “alles in Ordnung, es passiert nichts!”.

... und der Flug geht weiter! Unser Freund Pato schaut zu und erfreut sich an dem Anblick.

Ich denke hier an Wolfgang Güllich mit seinem Zitat “Der Kopf ist der wichtigste Muskel beim Klettern”.

Und an Carlos, der sagte “Das Klettern ist der Spiegel deiner Persönlichkeit – so wie du bist, so kletterst du”.

Für mich bedeutet Kopftraining zu erst einmal, den inneren Dialog zu erfassen und negativen Kommentaren á la “Tom hat es nicht geschafft – dann schaffe ich es erst recht nicht” keine Beachtung mehr zu schenken.

Ein weiterer Punkt ist das Gedankenkarussell zu verlangsamen, also nicht gleich hektisch zu werden und sich das Schlimmste vorzustellen – das klappt meistens besser, wenn wir wie gesagt häufig klettern. Hier können Konzentrationsübungen und Yoga sehr viel bewirken, denn hier trainieren wir den “Fokus-Muskel” im Alltag und können diese Gewohnheit leichter aufs Klettern übertragen.

Endlich angekommen! Jetzt erst mal gedanklich erholen und dann wieder rauf.

Hast du schon mein Buch Das Yoga-3×3 für Kletterer gelesen? Falls nicht, lege ich es dir sehr ans Herz, denn es basiert auf einem Grundsatz, dem ich immer wieder begegne:
Jeder Gedanke wirkt auf den Körper – und umgekehrt wirkt jede Haltung auf die Gedanken. Stärkende Yoga-Haltungen helfen uns, auch mentale Stärke in den grauen Zellen abzuspeichern. Und je häufiger wir das machen, desto mehr bauen wir eine starke Verbindung auf, genauso wie wenn wir eine Pflanze immer wieder gießen und zum Blühen bringen.

Wenn wir gestresst sind, verspannen sich die Muskeln und wir halten die Spannung unbewusst – manchmal auch dauernd. Techniken wie die Progressive Muskelentspannung oder manche Yoga-Haltungen helfen, wieder gezielt entspannen zu lernen und unnötige Anspannungen loszulassen.

Viele Spitzensportler machen mentales Training und Visualisierungsübungen – auch für’s Klettern hilft es sicher, wenn man eine passende Methodik für sich gefunden hat. Ich selbst habe dies allerdings noch nicht über einen längeren Zeitraum ausprobiert.

Ganz klar, ein verlässlicher Sicherungspartner ist die Basis für ein gutes Gefühl beim Klettern. Wenn du dich nicht sicher fühlst, sprich es an – oder klettere mit jemand anders.

Mein Fazit zur Sturzangst

Die Sturzangst loszuwerden ist nicht leicht. Yoga spielt für mich eine wichtige Rolle dabei, weil es mir hilft, persönlich stärker zu werden – es ist aber nicht der einzige Faktor. Ich glaube, das beste Mittel ist, sich genügend Zeit zu geben und vor allem häufig zu klettern. Mit Sturztraining kann man mit Mini-Stürzen anfangen und diese dann immer mehr ausweiten. So etwas macht vielleicht auch in einem richtigen Kurs Sinn, wenn deine Sturzangst etwas tiefer sitzt.

Wie schaut’s bei dir aus? Was hast du gemacht, um deine Sturzangst zu senken?

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