Vor ein paar Tagen habe ich an einer Yogastunde teilgenommen. Über welchen Vorfall ich mich dabei ziemlich geärgert hat und was ich daraus für mich gezogen habe, erzähle ich dir heute.
Neulich habe ich bei einer Yoga-Stunde mitgemacht. Die Gelegenheit hat sich spontan ergeben und ich hatte Lust, mich der Gruppe anzuschließen.
Die Arten, auf die man Yoga praktizieren kann, sind recht unterschiedlich. Viele davon sind inzwischen an unsere westliche Welt angepasst und haben nur noch wenige oder gar keine spirituellen Bestandteile. Bei anderen dagegen gehört Spiritualität fest dazu.
Für mich ist beides in Ordnung, wobei ich es beim Yoga eher pragmatisch mag.
Ein Mantra zu rezitieren, kann als Einstimmung auf das Yoga hilfreich sein. Ich nutze für mich aber andere Rituale, um vom Alltag ins Yoga überzugehen.
Diese Stunde beginnt jedenfalls mit dem Rezitieren eines Mantras und ich höre einfach zu.
Dann folgt der Sonnengruß in einer leicht abgewandelten Form.
Mitzumachen ist für mich kein Problem. Durch das Yoga mit climbingflex bin ich mit dem Sonnengruß inzwischen vertraut.
Es folgen weitere Asanas, von denen für mich manche neu sind. Ich mache alle mit so gut ich es kann und soweit ich mich damit wohlfühle.
Als nächstes sollen wir einen Kopfstand machen. Als Alternative bietet die Yoga-Lehrerin eine Übung an, die mir aber zu schwer ist – genau wie der Kopfstand.
Die Welt steht Kopf
Und dann nimmt das Geschehen seinen Lauf.
Sie hakt nach, wieso ich keinen Kopfstand machen möchte.
Ich antworte, dass ich es schon mehrmals ausprobiert habe, mich dabei körperlich aber total unwohl fühle.
Sobald ich auf dem Kopf stehe, wird es mir schlecht – Punkt.
Das lässt ihr keine Ruhe.
Sie sagt, so etwas reizt sie. An diesem Thema müsse man doch arbeiten?
Und damit drückt sie meinen Knopf:
Wie kommt sie dazu mir zu sagen, was ich tun muss?
Bevor ich erneut antworte, frage ich mich selber:
- Habe ich in meinem bisherigen Leben jemals einen Kopfstand benötigt?
Nein. - Gibt es irgendeinen Lebensbereich, in dem ich mich eingeschränkt fühle, weil ich keinen Kopfstand machen kann?
Nein. - Spüre ich auch nur im entferntesten das Verlangen, einen Kopfstand zu lernen?
Nein. - Besteht gesundheitlich eine Notwendigkeit, auf dem Kopf stehen zu müssen?
Auch nein.
Wieso um alles in der Welt sollte ich dann also einen Kopfstand lernen müssen?
Der Schlüssel zum Erfolg ist Freiwilligkeit
Dieses vermeintliche Problem, das ich nicht als eines empfinde, steht im kompletten Gegensatz zu meiner Höhenangst, durch die ich mich tatsächlich eingeschränkt fühle. Oder zu meinem Ekel vor Spinnen, was mich ebenfalls in meiner Lebensqualität begrenzt.
Nachdem ich der Yoga-Lehrerin deutlich vermittelt habe, dass mein Interesse an einem Kopfstand gleich Null ist, haben wir mit anderen Übungen weitergemacht.
Ruhe hat mir das Thema dennoch nicht gelassen.
Wie oft bekommen wir von anderen erzählt, was wir tun oder lassen sollen. Was wir verbessern oder ändern sollen.
Das können durchaus gutgemeinte Ratschläge sein. Ist aber der eigene Wille für eine Veränderung nicht da, fallen all diese Worte auf unfruchtbaren Boden.
Eine Veränderung oder ein Ziel brauchen den eigenen Antrieb!
Müssen wir wirklich?
Dieses Wort „müssen“ erzeugt teilweise einen enormen Druck, auch wenn wir es uns selber gegenüber verwenden.
Wenn ich mich dabei ertappe, dass ich in einen Stressmodus verfalle, ersetze ich das Wort spielerisch durch wollen oder können.
- „Ich möchte diese Route unbedingt schaffen, weil ich dann ein persönliches Erfolgserlebnis habe.“ hört sich für mich viel motivierender an als „Ich muss diese Route unbedingt schaffen“
- „Ich will aufräumen, weil ich mich in einem aufgeräumten Bus wohler fühle“ ist entspannter als „Ich muss noch aufräumen, weil ich mich in einem dreckigen Bus unwohl fühle“.
Bei den ersten Varianten führe ich mir die positiven Auswirkungen vor Augen. Das machen wir bei Muss-Sätzen in der Regel nicht und dadurch wirken sie so schroff. Es geht darum, ein Gleichgewicht zu finden. Zwischen „ich sporne mich an“ und „ich blockiere mich, weil ich auf mich zu hohen Druck ausübe“.
Es ist nicht immer einfach, sich von der Erwartungshaltung zu lösen. Egal, ob es die eigene oder die äußere ist. Mir ist es auch schwergefallen, vor der gesamten Yogagruppe zu sagen, dass ich für das Lernen des Kopfstands keine Notwendigkeit sehe.
Mein Fazit
Mit weniger Druck lebt es sich direkt viel entspannter, deshalb hinterfrage ich jedes Müssen sehr genau.
Und so kommt es, dass ich mich auch vom weihnachtlichen Konsumstress fernhalte, mir stattdessen lieber die spanische Sonne auf den Bauch scheinen lasse und frische Orangen vom Baum esse – weil ich es so möchte.
Was denkst du dazu? Wie gehst du damit um, etwas tun zu müssen?
