Auf meinen Roadtrip durch Europa lerne ich immer wieder Kletterer kennen, mit denen sich persönliche Gespräche ergeben. Dabei stelle ich fest, dass das Thema Angst im Grunde bei jedem dazugehört, bei dem einem mehr, bei dem anderen weniger. Und auch ich selber werde immer wieder mit meinen Ängsten konfrontiert. Sie begleiten mich an jedem Klettertag.
Die folgenden Fragen helfen mir dabei Klarheit und Sicherheit zu gewinnen, wenn der Kopf mal wieder streikt.
Sie dienen aber auch meiner Motivation, wenn diese mal wieder in den untersten Bereich des Kellers gerutscht ist.
Nach einer Herausforderung: die erste der 3 W-Fragen
Das kennst du bestimmt: Du hängst mitten in einer Route und bekommst es mit der Angst zu tun. Die Beine zittern wie Espenlaub, die Atmung ist flach und alle Muskeln sind total angespannt.
Spätestens da frage ich mich:
„Wozu mache ich das hier eigentlich?“
Wenn ich dann wieder auf festem Boden stehe und sich die Nerven beruhigt haben, stelle ich mir diese Frage noch einmal.
Warum mache ich das?
Wozu tue ich mir den Stress an, immer wieder an meine mentalen Grenzen zu stoßen?
Ich könnte ja auch Synchronschwimmen machen, Tischtennis spielen oder irgendeiner anderen Sportart nachgehen, die weniger herausfordernd für mich ist.
Nein, ich habe mich fürs Klettern entschieden, aber warum? Die Antwort auf diese Frage ruft mir deutlich in Erinnerung, was ich an diesem Sport so faszinierend finde. Und siehe da, die mentale Herausforderung gehört – neben weiteren Apsekten – dazu!
Je konkreter ich die Frage nach dem „Warum“ beantworte, umso besser kann ich mich motivieren, weiterzumachen.
Tipp:
Wenn du beim Klettern Angst bekommst, dann versuch es doch mal mit dieser Übung:
Denke nicht: „Ich habe Angst“, sondern „Ich bin aufgeregt“ oder „Ich bin hoch aufmerksam“.
Indem du dein Gefühl als etwas Gutes wahrnimmst, schaffst du einen anderen Kontext und senkst deinen Widerstand dagegen. Aus einer möglichen Gefahr wird somit eine Herausforderung!
Das Ziel der zweiten W-Frage: einen Weg finden
Nachdem ich mir also meine Motivation in Erinnerung gerufen habe, folgt nun der nächste Schritt und zwar mit der Frage nach dem Wie.
- Wie kann ich meine Technik, Kraft oder mentale Stärke verbessern?
- Wie kann ich dafür sorgen, dass es mir besser geht?
Wenn es an einigen Stellen beim Klettern hapert, ist das kein Weltuntergang. Ich habe immer die Möglichkeit, mich zu entwickeln.
Mit der Frage nach dem Wie geht es nun also tiefer ins Detail.
Wie kannst du das, was dir beim Klettern wichtig ist, erreichen? Wie kannst du deine Angst in Aktion umwandeln?
Tipp:
Setze dir möglichst Ziele, die zwar herausfordernd, aber nicht abschreckend sind.
Je größer nämlich ein Ziel ist, umso mehr inneren Widerstand kann es erzeugen. Indem du kleinschrittig vorgehst, sammelst du Erfolgserlebnisse und stärkst dein Selbstvertrauen. Und auch viele kleine Ziele führen zu einem großen!
An die Umsetzung mit der dritten W-Frage
Nachdem ich das Warum und das Wie geklärt habe, bleibt noch eine Frage offen, die nach dem Was.
- Was brauche ich, um meine Ziele zu erreichen?
- Was benötige ich, um mich beim Klettern gut zu fühlen?
- Was hilft mir, um mich bei Stress wieder entspannen zu können?
Eine gute Vorbereitung eines Klettertags ist für mich sehr wichtig.
Beim Klettern brauche ich etwas Vernünftiges zu essen, damit ich nicht unterzuckere und/oder schlechte Laune bekomme. Ich lege Wert auf eine entspannte Atmosphäre und halte mich von Personen fern, die mich stressen. Ich brauche einen Sicherungspartner, der mit mir Geduld hat.
Und manchmal benötige ich einfach auch eine Pause vom Klettern, damit die Lust darauf wieder entstehen kann.
Fazit
Du siehst, dass diese drei kleinen Fragen eine Menge Potenzial mit sich bringen. Sie können dir helfen, den inneren Knoten wieder zu lösen.
Vielleicht hast du gar keine richtige Lust mehr zum Klettern und mache es nur noch deinem Freund zuliebe? Vielleicht willst du unbedingt stärker werden, setzt dich aber viel zu sehr unter Druck? Oder vielleicht achtest du zu wenig darauf, dir beim Klettern Gutes zu tun?
Bei den Antworten auf die drei Fragen gibt es kein Richtig oder Falsch. Es geht nur um dich und darum herauszufinden, was dir guttut – am Fels und auch sonst!
