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Frust am Fels: Mein Wiedereinstieg nach einer stressigen Zeit

Frust am Fels

Keiner hat Bock drauf, aber es passiert: der Frust am Fels nach einer Kletterpause. Vor allem, wenn du eine stressige Zeit hinter dir hast. Hier erzähle ich dir, wie mich das heruntergezogen hat und wie ich den Wiedereinstieg am Fels geschafft habe.

Dass das Klettern nicht nur körperliche, sondern auch mentale Stärke erfordert, das ist klar, stimmt's?

Wie sehr es allerdings tatsächlich an meinen mentalen Kräften zehren kann, das habe ich neulich erfahren, als ich mich in einer emotional stark belastenden Situation befunden habe.

Diese hatte gar nichts mit dem Klettern zu tun, sondern mit einem Straßenhund, dem wir in Griechenland nach einer Vergiftung das Leben gerettet haben. Damit war für mich nicht nur ein großer organisatorischer Aufwand verbunden, sondern auch ein emotionales Auf und Ab.

Als wir zwei Wochen später zum ersten Mal wieder Zeit finden, um klettern zu gehen, hält sich meine Vorfreude in Grenzen. Ich fühle mich noch ausgelaugt und erschöpft. Aber vielleicht kommt die Lust ja zurück, wenn ich am Fels bin, sage ich mir.

Ich will zurück zu diesem Gefühl von Freude und Energie, nachdem ein Zug geklappt hat. Vielleicht kommt so die Lust aufs Klettern zurück und lenkt mich ab?

Frust am Fels: Der Kopf macht dicht.

Zum Warmmachen entscheiden wir uns für eine 5er Route, die für mich eigentlich kein Problem darstellen sollte.

Das Gegenteil ist der Fall. Ich erlebe einen Frust am Fels, der für mich völlig unerwartet kommt.

Nicht, weil die Route zu schwer ist.

Sondern weil mein Kopf komplett dicht macht.

Schon die ersten zwei Züge bereiten mir so große Probleme, dass ich vor lauter Frust schreien könnte. Keine Bewegung will mir gelingen, ich bin wie versteinert.

Habe ich in den Wochen vorher eigentlich gute Fortschritte erzielt, geht jetzt plötzlich gar nichts mehr. Jeder Zug kommt mir doppelt so schwer vor, die Höhe noch bedrohlicher als sonst.

Anstatt beim Klettern meine leeren Akkus aufzutanken, stehen mir die Tränen in den Augen.

Mein Freund geht anders damit um.

Für meinen Freund Steve hingegen ist das Klettern gerade genau das Richtige, um die Erlebnisse der letzten Zeit zu verarbeiten. Sich am Fels auszupowern, tut ihm gut.

Er schafft es, von den Strapazen abzuschalten und Gas zu geben. Bei mir ist es genau anders herum.

Obwohl ich noch mehrere Routen versuche, wird es jedes Mal schlimmer, bis ich irgendwann das Handtuch werfe. Das Klettern soll mich schließlich nicht an den Rand der Verzweiflung treiben.

Abstand gewinnen und zu Kräften kommen

In den folgenden Wochen fungiere ich daher nur noch als Sicherungspartnerin und lege keinen Finger mehr an den Fels.

Ich möchte warten, bis sich die Lust wieder von ganz alleine einstellt und es nicht erzwingen.

Also verlege ich meine sportlichen Aktivitäten auf andere Gebiete und gehe wieder häufiger joggen. Dabei brauche ich nichts weiter zu machen als laufen. An meinen Kopf tellt das keine weiteren Anforderungen – super!

Außerdem fange ich wieder mit dem Meditieren an, das ich eine Zeitlang habe schleifen lassen. Ganz bewusst auf meinen Körper und meine Gedanken zu achten, ist in dieser Phase besonders wichtig für mich.

Sind wir unseren Gedanken und Emotionen hilflos ausgeliefert? Nein! Klar, sie lassen sich nich von jetzt auf gleich wegschieben. Oder gar ignorieren. Aber wir können sie verändern. Das Meditieren hilft mir, das Gedankenchaos zu ordnen und mir selbst zuzuhören.

Ein Neuanfang beim Klettern

Ganze sechs Wochen hat diese Auszeit gedauert, bis ich vor drei Wochen wieder mit dem Klettern beginne.

Wie wird es laufen?

Werde ich wieder so eine Angst haben?

Wird mir das Klettern wieder Freude machen?

In der Negativspirale ...

Die ersten Routen wählen wir bewusst einfach und trotzdem bin ich total verkrampft. Zu hoch ist meine Erwartungshaltung, dass es jetzt endlich wieder klappen muss.

Irgendwann merke ich, in was für einer Negativspirale sich meine Gedanken gerade befinden.

An jeder Route habe ich etwas auszusetzen:

Ich rette mich in das Finden von Ausreden, um mich vor dem Klettern zu drücken.

Stopp! Was waren meine Erfolgserlebnisse?

So geht das nicht weiter! Wenn ich diesem Sport weiterhin nachgehen möchte, dann ist es notwendig, dass ich meine aktuelle Einstellung hinterfrage, sage ich mir.

Anstatt alles schlechtzumachen, sollte ich mir lieber die Erfolge ins Gedächtnis rufen.

Der Gedanke an dieses Gefühl "Geschafft! Es hat geklappt, obwohl es nicht danach aussah ..." verändert meinen Fokus. Welche Erfolgserlebnisse hast du für dich abgespeichert?

Ich gehe gedanklich zu meinen Erfolgserlebnissen zurück. Dass ich beim Klettern trotz Angst etwas erreichen kann, wenn ich es will, das haben mir die letzten Jahre gezeigt.

Ist es nicht interessant, wie sich der Fokus verändert, wenn wir an unsere Erfolgserlebnisse denken anstatt an das, was gerade schlecht läuft?

Auch die Erwartungshaltung, dass es gleich wieder super laufen muss, bringt mich nicht weiter. Also setze ich sie herunter und fange damit an, mich für kleine Erfolge zu loben.

In winzigen Schritten geht dadurch es voran, bis ich eine Woche später tatsächlich eine 6b+ nachsteigen kann.

Die Balance zu finden zwischen „jetzt pushe ich mich“ und „für heute ist es genug“ fällt mir dabei nicht leicht.

Letztendlich entscheide ich mich nach einem Erfolg lieber fürs Aufhören, um mit einem guten Gefühl zurück zu unserem Camper zu gehen.

Fazit

Die Ereignisse der letzten Wochen haben mich deutlich daran erinnert, wie unterschiedlich wir alle ticken.

Nicht nur im Alltag, sondern auch beim Klettern geht jeder von uns anders mit Herausforderungen und Problemen um. Und damit, wenn sich der Frust am Fels einstellt. Der eine Kletterer reagiert auf den Frust relativ locker, der andere steckt das nicht so locker weg und flucht oder kommt sogar noch mehr in die Negativspirale. Vor allem nach einer stressigen Zeit.

Was dem einen guttut, muss nicht auch für den anderen das Richtige sein.

Hier meinen Weg zu finden, war aktuell nicht einfach.

Klettern erfordert mentale Stärke und diese wird durch unseren Gesamtzustand beeinflusst. Deshalb ist es umso wichtiger, dass du gut für dich sorgst, und das nicht nur am Fels.

Welche stressige Situation hattest du und wie bist du mit dem Frust am Fels umgegangen?

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