Meditieren und klettern – vom Kissen an den Fels
Nima Ashoff | 21. Februar 2016
15 Kommentare
Seit Anfang des Jahres stell ich mich vermehrt meiner Angst beim Klettern, da mein Freund mir eine Vorstiegsdiät verordnet hat. Damit ich am Fels einen kühlen Kopf behalte, habe ich mit dem regelmäßigen Meditieren begonnen. Welche Unterschiede ich zum Yoga feststelle und wie mir das Meditieren hilft.
Einatmen – eins – Ausatmen – eins.
Einatmen – zwei – ich muss nachher noch einkaufen. Haben wir eigentlich noch genug Wasser im Bus? Ach, und Wäsche sollten wir mal wieder waschen. Ausatmen – dreizehn.
Mist, dreizehn?
Meine Gedanken sind schon wieder abgeschweift. Also nochmal von vorne.
Meine Form des Meditierens ist es, beim Ein- und Ausatmen mitzuzählen, bis ich bei zehn angekommen bin, dann beginnt das Ganze von vorne. Das Ziel ist es, immer länger mit der Aufmerksamkeit beim Atmen und Zählen zu bleiben.
Was sich so leicht anhört, hat es in sich.
Atmen und Zählen, das kann nicht so schwer sein, oder?
Tatsächlich spielen mir meine Gedanken bei dieser vermeintlich leichten Übung aber einen Streich nach dem anderen und lenken mich von der eigentlichen Aufgabe ab: Stillsitzen, atmen und zählen.
Was bringt das Meditieren?
Es gibt unzählige Methoden, um zu meditieren, im Sitzen oder im Gehen.
Möchte man selber die Wirkung von Meditation erfahren, kommt man jedoch um eines nicht herum: Sich für eine Methode zu entscheiden und diese dann über einen langen Zeitraum regelmäßig zu praktizieren. Meditation ist nichts für Eilige und Ungeduldige.
Als Entspannungstrainerin weiß ich theoretisch natürlich um die positiven Auswirkungen, die Meditation mit sich bringt. Was anderes ist es aber, diese praktisch selber zu erleben.
- Meditieren baut Stress ab und entspannt.
- Es schult die Wahrnehmung.
- Es fördert die Konzentration.
- Ich spüre die Auswirkungen, die meine Gedanken auf den Körper haben.
All das sind Faktoren, die mir helfen, mit meiner Angst beim Klettern umzugehen, besonders der letzte Punkt. Ich nehme negative Gedanken deutlicher wahr und kann sie gleichzeitig besser wieder loslassen.
„Ich bin nicht das, was ich denke“

Beim Meditieren stellt man fest, welches Chaos in unserem Kopf tobt. Sich auf mehrere Atemzüge zu konzentrieren, ist fast unmöglich. Ständig drängt sich ein neuer Gedanke dazwischen und versucht, unsere Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
Das können schöne, aber auch unangenehme Gedanken sein. Bei beiden ist jedoch eines gleich: Sie erzeugen eine körperliche Reaktion.
Vor allem bei negativen Gedanken ist diese deutlich zu spüren: Die Atmung wird flacher, die Muskeln spannen sich an – Stress!
Dabei sitzen wir in genau diesem Moment lediglich ruhig auf einer Matte oder einem Kissen. Für Stress gibt es also gar keinen Grund.
Ein Ziel von Meditation ist es, sich von seinen Gedanken zu distanzieren und sie vorbeiziehen zu lassen. Mit etwas Übung gelingt dies immer besser. Nicht bloß während des Meditierens, sondern auch in alltäglichen Situationen.
„Ohje, ob der Tritt wohl hält?“
Beim Klettern bin ich froh, wenn ich meine kritischen, ängstlichen Stimmen erkenne, mich aber nicht von ihnen um den Finger wickeln lasse.
Ich möchte konzentriert bei der Sache bleiben: Tritt für Tritt, Griff für Griff.
Deshalb nehme ich mir vorm Klettern 10 – 15 Minuten Zeit, in denen ich meditiere.
Was ist der Unterschied zwischen Meditation und Yoga?
Eigentlich sind beide ähnlich und doch sehr unterschiedlich. Auch Yoga ist eine Form der Meditation, weil man seine Aufmerksamkeit auf das Atmen und die Bewegung richtet.Wenn man nicht bei der Sache ist, merkt man das schnell.
Beim Meditieren fällt das mit der Bewegung weg, zumindest, wenn man Sitzmeditation praktiziert. Stillzusitzen, obwohl es hier zwickt und da mal juckt, das alleine ist schon eine Herausforderung. Aber dann noch Atmen und Zählen? Nicht spannend, aber sehr effektiv!
Meditieren lässt sich übrigens super mit Yoga verbinden, zum Beispiel als Einstieg oder Abschluss einer Übungseinheit.
Mein Tipp:
Viele schreckt die Dauer beim Meditieren ab. Zehn Minuten oder noch länger? Nee, das schaffe ich nicht.
Deshalb rate ich dazu, überhaupt erst einmal eine Gewohnheit aufzubauen und jeden zweiten Tag nur zwei Minuten zu meditieren. Diese Zeit lässt die sich gut in den Alltag integrieren und wirkt nicht abschreckend.
Wenn man dann mal angefangen hat, wird meistens von ganz alleine etwas mehr daraus.
Mein Fazit:
Meditieren ist für mich eine große Hilfe, um mir meiner angstverursachenden Gedanken bewusst zu werden. Ich kann mich besser von ihnen distanzieren, bin ruhiger und fokussierter.
Die einzige Investition sind täglich fünf bis zehn Minuten meiner Zeit, die ich mir für das Meditieren freihalte. Ein kleiner Preis für eine große Wirkung, finde ich.
Welche Erfahrungen hast du schon mit dem Meditieren gesammelt?
Klettern ist für mich Meditation, Bewegungsmeditation…da ist der kopf nur fürs eine da…klettern…ansonsten kann ich nciht meditieren, still sitzen, wurde auch von einer Therapeutin für mich nicht empfohlen 😉
Hi Melanie, genau wie du schreibst, gibt ja unterschiedliche Formen. Ist Definitionssache, finden wir. Für uns ist Meditation vor allem präsent sein. Den Moment voll erleben. Nicht ans morgen oder gestern denken und sich in meist wenig hilfreichen Gedanken zu verlieren. Und wie das aussieht, findet am besten jeder für sich selbst heraus, denn das Ziel ist ja gleich.
Cindy 🙂 wie klingt das für dich?
Ich habe mit reiner Meditation im Sitzen keine Erfahrung. Was Melanie schreibt, merke ich auch. Beim Klettern in einem schwierigen Zug bin ich ganz stark konzentriert auf diesen Zug und denke an nichts anderes mehr. Das kommt vielleicht auch an Mediation hin?
Hola 🙂 Klettern ist auf jeden Fall auch eine Form der Meditation, nur eben in Verbindung mit Bewegung. Es gibt ja auch Geh-Meditation, bei der man Atmen und Gehen miteinander verbindet.
Die Herausforderung im Sitzen ist nochmal eine ganz andere. Man wird sich seiner Impulse bewusster, die einen zum Handeln bewegen, aber auch seiner Gedanken, die stark das Verhalten beeinflussen.
Letztendlich kann jeder im Sitzen meditieren, die Frage ist nur, ob man es möchte 🙂
Aber natürlich ist es kein Muss, sondern lediglich eine Möglichkeit, um etwas Gutes für sich zu tun.
Hola Nima, sehe ich auch so. In der Yogalehrer-Ausbildung war das teilweise eine ECHT große Herausforderung, v.a. um 6 Uhr morgens 30 Minuten! Einmal hatten wir sogar einen Meditationstag. War auch eine ungewöhnliche Erfahrung. Ich habe aber gemerkt, dass ich es so extrem nicht brauche. Was mir viel mehr bringt, ist sich tatsächlich morgens und/oder abends, dann aber eher kurz. So max. 15 Minuten reichen mir meistens, um mich fokussiert, gelassen und entspannt zu fühlen. Am liebsten mache ich bei geführten Audios mit oder bei Naturgeräuschen.
Stefanie Passend zum Thema habe ich gerade zufällig dieses Bild entdeckt 🙂
https://www.facebook.com/photo.php?fbid=1239522619395834&set=a.271850226163083.85575.100000143238216&type=3&theater
Hehe stimmt schon!
Würde ich gern mal machen
Wo ist das aber? 🙂
Wie mein?
„Ich würde gerne“ klang so als ob da noch ein „aber“ mitschwingt 🙂
ne leider nicht
Ist doch gut wenn kein aber dabei ist 🙂