Entschleunigen. Durchatmen. Auftanken. Auch wenn du dich nicht gestresst fühlst, hilft es ungemein, zu hinterfragen, mit welcher Geschwindigkeit du dein Leben lebst und wie du bewusster werden kannst. Hier stelle ich dir deshalb drei Tipps vor, wie du einfach entschleunigen kannst.
Wir alle kennen das.
Der Alltag ist vollgestopft mit Aufgaben, Erledigungen und Arbeit. Manchmal fällt es sogar schwer, noch Zeit für seine Hobbys zu finden. Wir hetzen unserem Leben hinterher, als wären wir auf der Flucht.
Und selbst beim Klettern erwische ich mich manchmal, dass ich unbemerkt in eine Stressfalle tappe. Ich setze mich unter Druck, anstatt geduldig mit mir umzugehen. Ich vergleiche mich mit anderen und vergesse, was ich selber schon alles erreicht habe.
Warum entschleunigen?
Dabei ist es wichtig, zwischendurch bewusst runter vom Gas zu gehen, körperlich und mental.
Nur so erhalten wir unsere Leistungsfähigkeit und unsere Gesundheit aufrecht. Zu entschleunigen, bringt aber noch andere Vorteile mit sich. Einer davon ist, dass die Wahrnehmung geschärft wird.
Ein Beispiel: Wenn ich in einem ICE mit 200 km/h durch die Landschaft heize, bekomme ich von ihr weniger mit, als wenn ich zu Fuß gehe. Wenn ich langsam esse, schmecke ich die Aromen deutlicher, als wenn ich das Essen runterschlinge.
Entschleunigung trägt dazu bei, Dinge bewusster zu tun, sie aber auch bewusster wahrzunehmen.
Was hat Entschleunigen mit dem Klettern zu tun?
Genau das sind Eigenschaften, die beim Klettern helfen können, Fehler zu vermeiden.
- du setzt deine Füße bewusster
- du nimmst den Fels deutlicher wahr
- du kannst die einzelnen Bewegungen gezielter ausführen
- du genießt die Landschaft
So schön es sein sein kann, Vollgas zu geben und sich von seiner Energie mitreißen zu lassen, so wohltuend und wichtig ist auch das Gegenteil.
Mach mal langsam
Viele denken bei Entschleunigung daran, zu meditieren, in die Sauna zu gehen oder irgendwas anderes Entspannendes zu machen. Das sind grundsätzlich tolle Ideen, denen ich sofort zustimmen würde.
Der einzige Knackpunkt: Sie erfordern in der Umsetzung Zeit.
Zeit, die vielleicht im Alltag eh schon fehlt. Somit ist es schwer, den Wunsch in die Tat umzusetzen.
Daher mein Tipp Nr. 1 zum Entschleunigen:
Nutze alltägliche Momente, um vom Gas zu gehen und durchzuatmen.
Wie oft geraten wir unter Stress, weil etwas nicht schnell genug geht?
Sei es, dass wir im Stau stehen oder mal wieder an der längsten Kasse im Supermarkt warten müssen. Sich dagegen aufzulehnen und aus der Haut zu fahren, bringt rein gar nichts. Du wirst dadurch nicht schneller und bringst auch die Omi vor dir nicht dazu, statt mit zahlreichen Münzen mit einem Schein zu bezahlen.
Also was tun?
- Freu dich über diese geschenkte Gelegenheit, dich in Ruhe zu üben.
- Du kannst dich auf deinen Atmen konzentrieren und die Atemzüge zählen. Genieße es gerade Zeit zu haben, in der du gar nichts tun brauchst.
Du kannst dir auch ganz bewusst irgendwelche Details ansehen, die du sonst gar nicht beachtest.
- Wie sieht die Bepflanzung am Straßenrand aus?
- Wie das Muster der Kleidung der Leute um dich herum?
- Welche Gerüche nimmst du wahr?
- Wie fühlt sich dein Körper gerade an?
- Deine Füße, deine Hände, dein Gesicht?
Du könntest diese gewonnene Zeit sogar nutzen, um heimlich Bauchmuskelübungen zu machen?
Der Schlüssel zur Entschleunigung liegt darin, den Druck rauszunehmen bei Dingen, die du nicht ändern kannst. Take it easy!
Tipp Nr. 2: Senke deine Erwartungshaltung
Keine Sorge, du sollst jetzt nicht ziel- oder anspruchslos durchs Leben rennen.
Es geht nicht um Extreme, sondern darum, eine Balance zu finden zwischen schnell und langsam, zwischen gestresst und entspannt.
Eine extrem hohe Erwartungshaltung an dich selber mag dich nach vorne bringen und dich anspornen. Sie kann aber auch zu übermäßigem Druck und Verspannungen führen.
Wie wäre es, beim Klettern einfach mal eine ganz leichte Route zu machen, bei der du nicht kämpfen musst, sondern genießen kannst?
Oder die Erreichbarkeit. Wieso denkst du, jederzeit erreichbar sein zu müssen? Gönne dir einmal in der Woche ganz bewusst eine Auszeit vom Handy und PC, sei es bloß für eine Stunde. Diese gehört dir ganz alleine!
Ansprüche an sich zu stellen und sich zu fordern, ist nichts Schlechtes.
Wenn du mal auf die Bremse trittst, bekommst du jedoch etwas Abstand. Das kann helfen, um Dinge aus einer neuen Perspektive zu betrachten oder neue Ideen zu bekommen.
Nicht nur beim Klettern tut es gut, einfach mal durchzuatmen. Gerade, wenn du wie ich zu den Ängstlichen gehörst, ist es wohltuend, den Druck rauszunehmen. Du musst gar nichts, es soll Spaß machen!
Tipp Nr. 3: Schule deine Sinne
Unsere Sinne sind ein perfektes Instrument, um zu entschleunigen. Ich meditiere zwar auch sehr gerne oder entspanne beim Joggen, aber es geht noch viel leichter. Jedes Mal, wenn du etwas isst oder trinkst, kannst du dies langsam und bewusst machen.
- Wie fühlt sich das Essen auf deiner Zunge an?
- Wie das Prickeln des Mineralwassers, der Schorle oder des Biers nach dem Klettern?
- Wie riecht die Blume, die am Rand des Zustiegs zum Fels so schön blüht?
Auch das sind keine Dinge, die Zeit beanspruchen, außer vielleicht an der Blume zu riechen. Du isst und trinkst sowieso, also nutze dies doch, um es bewusst zu machen.
In dem Augenblick, in dem du dich voll und ganz auf deine Wahrnehmung konzentrierst, bist du mit deinen Gedanken bei genau dieser einer Sache. Nicht beim Stress im Büro, nicht bei der verflixten Route, bei der du nicht weiterkommst.
Du bist im Hier und Jetzt. Vielleicht nur für wenige Sekunden, das ist nicht schlimm. Auch aus wenigen Sekunden ergibt sich etwas Größeres, wenn du sie mehrmals am Tag umsetzt.
Fazit
Du siehst, Entschleunigung braucht kein Extrazeit. Das, was du durch sie gewinnst, ist jede investierte Sekunden wert: mehr Bewusstheit, mehr Ruhe, mehr Genussfähigkeit – nicht nur im Alltag, sondern auch beim Klettern.
