Klettertraining hat für viele so einen Beigeschmack von harter Arbeit für hartgesonnene Kletterer, bei der Faktoren wie Spaß fehlen. Bist du auch mehr die Genusskletterer? Super! Ich auch. Lies hier, warum ein Klettertraining für dich vielleicht doch interessant sein könnte.
Klettern soll Spaß machen. Das ist eins meiner wichtigsten Ziele fürs Klettern.
Spaß – wie auch immer das jeder für sich definiert – als primäres Ziel haben viele Kletterer als Antwort auf Artikel wie “Egal ob Vorstieg oder im Top. Die Route ändert sich nicht.” oder “Klettern trotz Angst. Warum kletterst du eigentlich?” ebenfalls genannt.
Klettertraining fiel für mich nie wirklich in die Kategorie “Spaß”. Bisher. Mittlerweile bin ich fest davon überzeugt, dass ein Zusatztraining als ergänzenden Ausgleich auch uns Genusskletterern mehr Spaß beim Klettern und so viele Vorteile gibt, auf die wir echt nicht verzichten sollten.
Wann macht Klettern am meisten Spaß?
Am meisten macht Klettern Spaß, wenn’s läuft, oder? Wenn wir eine Route mit einer Leichtigkeit und Konzentration klettern, ohne uns wie ein formloser Kartoffelsack die Wand hochzuwiefen.
Und Route ist auch nicht gleich Route. Denk mal an deine Gefühle nachdem du eine leichte Route geklettert bist, die dich überhaupt nicht gefordert hat. Was kommt nach dem Klettern auf? Vielleicht etwas wie ein “War ganz nett.”
Wie sieht’s dagegen aus, wenn du dir eine Route wirklich erarbeitet habt? Also mehrmals geklettert, die Crux knackst und sie schließlich in einem Fluss kletterst? Das ist ein echt gigantisches Gefühl!
Ein völlig anderes Erlebnis, weil wir gefordert werden, uns vielleicht auch mental überwinden und das Gefühl haben, wieder stärker geworden zu sein. Ich weiß nicht mehr, wer es mal in einem Kommentar geschrieben hat, aber ich fand den Ausdruck richtig passend:
Ein gigantisches Erfolgserlebnis mit Suchtpotenzial.
Klettertraining = mehr Spaß beim Klettern
Ohne ein Zusatztraining, Klettertraining, oder wie auch immer ihr es nennen möchtet, verzichten wir auf zu viele Vorteile, die uns beim Klettern wiederum mehr Spaß und ein noch schöneres Erlebnis bringen.
Warum? Weil wir mit einem Klettertraining einen bestimmten Aspekt gezielt trainieren können.
Aspekte gibt es viele, zum Beispiel:
- Ausdauer
- Kraft
- präzise Fußstellungen und saubere Züge
- dynamisches Klettern
- Technik in Überhängen
- Beweglichkeit für Routen mit weit entfernten Griffen und Tritten
- …
Gehört auch Stürzen dazu? Finde ich schon. Es geht ja darum, einen Aspekt zu verbessern oder zu verfeinern.
Stärken stärken oder Schwächen ausmerzen?
Arbeite ich an meinen Stärken oder doch lieber an meinen Schwächen?
Gute Frage, stimmt’s? Dazu gibt es unglaublich viele Ansichten. Was besser funktioniert, muss jeder für sich selbst entscheiden. Aber ich glaube, es lohnt sich, sich dazu die folgenden Fragen zu stellen:
- Was bremst mich beim Klettern am meisten aus?
- Was würde sich beim Klettern ändern, wenn ich in diesem Bereich ein bisschen weiterkommen würde?
- Was funktioniert beim Klettern richtig gut? Welche sind meine Stärken?
- Was würde sich beim Klettern ändern, wenn ich in diesem Bereich noch besser wäre?
An etwas zu arbeiten, was zum Beispiel aus anatomischen Gründen nie funktionieren wird, macht keinen Sinn. Umgekehrt macht es Sinn, an einer Schwäche zu arbeiten, wenn ein bestimmter Zeiteinsatz uns eine große Verbesserung beim Klettern bringt (Pareto-Prinzip, ich liebe das!).
Mein Fazit zum Klettertraining
Ein Klettertraining trägt einen großen Teil dazu bei, dass wir auch als Genusskletterer mehr Spaß beim Klettern haben. Weil wir eine Route mit mehr Leichtigkeit klettern können, weil’s einfach läuft. Weil wir unserem Körper und Kopf mit neuen Routen außerhalb unserer bisherigen Zone neue Reize geben können. Weil wir unsere Möglichkeiten erweitern.
Ob wir an den Schwächen oder an den Stärken arbeiten, muss jeder für sich selbst entscheiden. Wichtig ist, dass es für einen funktioniert.
Ein Klettertraining muss nicht monoton und lang sein, und es muss auch nicht das Etikett “Klettertraining” tragen. Wie kann ein Klettertraining Spaß machen? Wie können wir es am leichtesten umsetzen und wirklich dranbleiben, auch wenn der innere Schweinehund groß ist? Darüber schreibe ich im nächsten Artikel.
Wie stehst du zum Klettertraining? Trainierst du fürs Klettern oder hast du dir dazu bisher gar keine Gedanken gemacht?
