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Klettertraining: Auch für Genusskletterer?

Stefanie | 7. Februar 2016
24 Kommentare

Klettertraining hat für viele so einen Beigeschmack von harter Arbeit für hartgesonnene Kletterer, bei der Faktoren wie Spaß fehlen. Bist du auch mehr die Genusskletterer? Super! Ich auch. Lies hier, warum ein Klettertraining für dich vielleicht doch interessant sein könnte.

Klettern soll Spaß machen. Das ist eins meiner wichtigsten Ziele fürs Klettern.

Spaß – wie auch immer das jeder für sich definiert – als primäres Ziel haben viele Kletterer als Antwort auf Artikel wie “Egal ob Vorstieg oder im Top. Die Route ändert sich nicht.” oder “Klettern trotz Angst. Warum kletterst du eigentlich?” ebenfalls genannt.

Klettertraining fiel für mich nie wirklich in die Kategorie “Spaß”. Bisher. Mittlerweile bin ich fest davon überzeugt, dass ein Zusatztraining als ergänzenden Ausgleich auch uns Genusskletterern mehr Spaß beim Klettern und so viele Vorteile gibt, auf die wir echt nicht verzichten sollten.

Wann macht Klettern am meisten Spaß?

Am meisten macht Klettern Spaß, wenn’s läuft, oder? Wenn wir eine Route mit einer Leichtigkeit und Konzentration klettern, ohne uns wie ein formloser Kartoffelsack die Wand hochzuwiefen.

Und Route ist auch nicht gleich Route. Denk mal an deine Gefühle nachdem du eine leichte Route geklettert bist, die dich überhaupt nicht gefordert hat. Was kommt nach dem Klettern auf? Vielleicht etwas wie ein “War ganz nett.”

Wie sieht’s dagegen aus, wenn du dir eine Route wirklich erarbeitet habt? Also mehrmals geklettert, die Crux knackst und sie schließlich in einem Fluss kletterst? Das ist ein echt gigantisches Gefühl!

Ein völlig anderes Erlebnis, weil wir gefordert werden, uns vielleicht auch mental überwinden und das Gefühl haben, wieder stärker geworden zu sein. Ich weiß nicht mehr, wer es mal in einem Kommentar geschrieben hat, aber ich fand den Ausdruck richtig passend:

Ein gigantisches Erfolgserlebnis mit Suchtpotenzial.

Klettertraining = mehr Spaß beim Klettern

Boulderside-Training
Als wir unserem Freund Walo bei einem Boulderkurs zugeschaut haben, waren wir erstaunt. Fast die Hälfte der Stunde bestand nämlich aus Übungen für mehr Kraft, Ausdauer, Koordination und Beweglichkeit - ohne zu bouldern.

Ohne ein Zusatztraining, Klettertraining, oder wie auch immer ihr es nennen möchtet, verzichten wir auf zu viele Vorteile, die uns beim Klettern wiederum mehr Spaß und ein noch schöneres Erlebnis bringen.

Walo-springen1
Wie im Sportunterricht früher! Walo hat ein Zirkeltraining aufgebaut und zeigt die Übungen.

Warum? Weil wir mit einem Klettertraining einen bestimmten Aspekt gezielt trainieren können.

Aspekte gibt es viele, zum Beispiel:

Gehört auch Stürzen dazu? Finde ich schon. Es geht ja darum, einen Aspekt zu verbessern oder zu verfeinern.

Stärken stärken oder Schwächen ausmerzen?

Arbeite ich an meinen Stärken oder doch lieber an meinen Schwächen?

Gute Frage, stimmt’s? Dazu gibt es unglaublich viele Ansichten. Was besser funktioniert, muss jeder für sich selbst entscheiden. Aber ich glaube, es lohnt sich, sich dazu die folgenden Fragen zu stellen:

An etwas zu arbeiten, was zum Beispiel aus anatomischen Gründen nie funktionieren wird, macht keinen Sinn. Umgekehrt macht es Sinn, an einer Schwäche zu arbeiten, wenn ein bestimmter Zeiteinsatz uns eine große Verbesserung beim Klettern bringt (Pareto-Prinzip, ich liebe das!).

Mein Fazit zum Klettertraining

Ein Klettertraining trägt einen großen Teil dazu bei, dass wir auch als Genusskletterer mehr Spaß beim Klettern haben. Weil wir eine Route mit mehr Leichtigkeit klettern können, weil’s einfach läuft. Weil wir unserem Körper und Kopf mit neuen Routen außerhalb unserer bisherigen Zone neue Reize geben können. Weil wir unsere Möglichkeiten erweitern.

Ob wir an den Schwächen oder an den Stärken arbeiten, muss jeder für sich selbst entscheiden. Wichtig ist, dass es für einen funktioniert.

Ein Klettertraining muss nicht monoton und lang sein, und es muss auch nicht das Etikett “Klettertraining” tragen. Wie kann ein Klettertraining Spaß machen? Wie können wir es am leichtesten umsetzen und wirklich dranbleiben, auch wenn der innere Schweinehund groß ist? Darüber schreibe ich im nächsten Artikel.

Wie stehst du zum Klettertraining? Trainierst du fürs Klettern oder hast du dir dazu bisher gar keine Gedanken gemacht?

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24 Kommentare zu “Klettertraining: Auch für Genusskletterer?

    1. Stimmt, Felix. Ein Klettertraining heißt nicht, dass es zwangsläufig außerhalb des Kletterns stattfindet. Sondern mehr dem Klettern einen stärkeren Fokus auf einen Aspekt geben. Das werden wir ab jetzt ausprobieren.

  1. Das effektivste Klettertraining ist Klettern und Trainieren. Meiner Meinung nach kommt man nicht mehr drum herum wenn man besser werden möchte. Yoga ist super für die Flexibilität und Regenerierung, der Beastmaker wird seinem Namen (bei Beherzigung und Einhaltung eines Trainingsplan) extrem gerecht. Ist schon toll wenn man irgendwann noch kleineres Zeug noch länger bzw. ‚entspannter‘ festhalten kann! Campus Board mit Vorsicht geniessen, aber generell super für koordinierte, explosive Züge an Leisten!

    1. Hey Philip, genau, die Frage ist immer was man sucht … wir kennen aber auch den Frust, wenn man eine Weile nicht mehr klettern war und dann fast wieder von vorne anfangen kann 🙂 oder im weniger extremen Fall, wenn es beim Einsteigen nicht ganz so flutscht wie sonst. Hast du Erfahrungen gemacht in Bezug auf Trainingspläne beim Beastmaker? Wir wollen uns in den nächsten Wochen auch ein Board holen und überlegen, wie man das vernünftig nutzen kann, ohne sich zu verletzen.

    2. Klar, wenn man ein paar Wochen aussetzen muss, geht einiges an Kraft verloren. Aus eigener Erfahrung (8 Wochen Boulderpause aus Zeit u. Motivationsgründen) kann ich aber sagen dass man sein früheres Level schnell wieder erreichen kann. Hauptsache ist ja immer noch dass man Spaß an diesem Sports hat. Den hat man auch bei Tricky 5C Platten oder smoothen 6a Dächern 😉

      Das Training am Beastmaker hat mir persönlich am meisten gebracht von allem was ich versucht habe. Es gibt eine tolle Anleitung auf der Beastmaker Homepage, ziemlich hartes Hangel ABC Training an den verschiedenen Griffarten. Tut weh, macht keinen Spaß, bringt aber enorm viel. Ich selbst konnte nach wenigen Sessions eine Verbesserung spüren und wurde deutlich stärker ( bewege mich im FB 7er Bereich).

      Vorm Benutzen des Boards sollte man nicht allzuhart geklettert haben, die Finger und Arme sollten gut warm sein. Langsam vortasten an den Griffarten, gerade bei den ersten Sessions seine eigenen Fähigkeiten vorsichtig einschätzen und kennenlernen. Nach oben ist immer Luft 😉

    1. Dauert meistens rund 40 Minuten. Besteht aus 4-5 Übungen. Entweder trainiere ich den Rücken, Brust oder Bauchbereiche und in der Pause zwischen den Sets häng ich mich meist ans Campusboard für ein paar Unterarmübungen 🙂

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