14 Tipps fürs Klettern mit Kindern
Stefanie | 24. Juli 2016
2 Kommentare
Plötzlich Klettern mit eigenen Kindern – das ist neu! Jetzt sind die Kinder langsam in dem Alter, in dem sie nicht nur mehr in der Babyschaukel zuschauen, sondern selber anfassen wollen, meint der Kletterer Daniel zu uns. Ich hab Daniel nach seinen wichtigsten Tipps zum Klettern mit Kindern befragt, damit das Klettern sicher ist und Spaß macht.
Klettern mit Kindern. Definitiv anders. Vor zwei Wochen war ich mit meiner Freundin Geli und ihren Freunden Thomas und Uli klettern. Mit dabei waren auch Nora und Niklas, die Kinder von Thomas und Uli, 6 bzw. 10 Jahre alt.
Was ich am interessantesten fand: Die Kinder hatten Spaß am Klettern, haben sich aber auch genug beim Spielen ausgetobt, während Thomas und Uli 8er und 9er Routen geklettert sind. Dass das geht?! Ich dachte früher immer, dass man mit Kindern den Fokus beim Klettern stark verändert und sicher nicht die Konzentration für schwierige Routen hat.
Vor kurzem hat uns Daniel Brünion angeschrieben, der von seinem kletterbegeisterten Sohn (5) ein Klettervideo gemacht hat, das du vielleicht auch schon gesehen hast. Falls nicht, hier ist es: https://vimeo.com/171055738 (2:30 Min)
Ich habe Daniel gefragt, was aus seiner Sicht wichtige Punkte sind, um Kinder sicher und mit Spaß ans Klettern heranzuführen.
Und was mich auch noch sehr interessiert hat: Wie kommt er selber damit klar, jetzt weniger zu klettern?
Hier liest du, was er darauf geantwortet hat.
"Klettern mit Kindern ist eine echte Umstellung"
Man nimmt sich selbst zurück, aber fördert umso mehr die Kleinen. Am Anfang ist es echt eine große Umstellung!
Mit dem Alter kommt dann dieses neue Gefühl: Was ich nicht mehr mache, macht mein Kind, und das bestätigt es auch selbst.
Und doch gebe ich zu: Ich klettere als Kletter-Papa heute besser als damals.
Denn die Kinder inspirieren. Sie gehen mit einem völlig anderen Blickwinkel dran und lösen manche Probleme auch ganz anders.
Und: Es ist keine Zeit mehr für Angst, Frust oder gar reizloses Training.
Beim Klettern mit der Familie ist ein Kletter-Tag in der Halle oder am Fels kurz. Damit die ganze Familie klettern kann, nimmt jeder sich zurück. Mittlerweile kann ich als Papa leider nicht mehr mit meiner Familie trainieren, denn ich bin nur noch am Sichern! Mein Sohn ist heute 5 und fordert das Klettern noch viel mehr.
Damit ich als Kletter-Papa zum Training komme, fahre ich wie viele Freunde erst abends in die Halle, z.B. von 20:00 bis 23:00 Uhr – genauso macht es auch die Kletter-Mama.
3 Tipps zur Heranführung ans Klettern
Tipp 1 für 0-2 Jahre: Spielen 100%
- Unsere 3 Kinder haben alle in frühesten Jahren angefangen – seitdem sie krabbeln können!
- Spielerisch haben sie an Griffen ausprobiert im Kinderbereich und haben uns gefordert, ihnen beim Hochklettern tatkräftig zu helfen und zu „spotten“.
Tipp 2 für 3-4 Jahre: Spielen 90%
- Buntes Klettern an
- Bouldern und in Routen im Toprope,
mit Kletterschuhen und
Ganz-Körpergurt.
Hier geht's drum,
- das Selbstvertrauen aufzubauen,
- für Risiken zu sensibilisieren (Höhe/Fallen),
- aber trotzdem noch spielerisch ranzugehen. Spiele im Toprope wie „Hochhüpfen wie ein Frosch“ oder „große Pendel“ bringen Spaß, auch selber spielen lassen mit anderen Kindern
Tipp 3 für 5-6 Jahre: Spielen 60%
Jetzt kommt mehr das Klettern, auch wenn Spiele weiterhin wichtig sind:
- Kinder-Boulder,
- Routen klettern (Toprope wegen der Sicherheit),
- gemeinsame Kletterspiele, z.B. Flüchten vor Krokodilen am Boden,
- gemeinsames Traversieren (Kind nimmt auch Elternteil als Griff),
- gemeinsam am Fels klettern
5 Tipps zum Seilklettern
- Ein Elternteil ist immer in der Nähe, z.B. Sicherung aus Wandmitte am Fixpunkt
- Kritische 1. Überwindungen am besten gemeinsam mit einem Elternteil machen, z.B. am Ende der Route ins Seil setzen
- Am Anfang klettern mit Helm, das Kind soll lernen, die Drehung des eigenen Körpers am Seil abzufangen (Verletzungsgefahr)
- Vorstieg: Clippen zuhause spielerisch üben, dann in einfach Routen routinieren. Erklär dem Kind dabei alle Gefahren und bring ihm sicheres Klettern bei (Partnercheck, Clippositionen, Clip nicht überstreckt, Reaktionen beim Fallen, Seilposition beim Klettern, und vieles mehr!) – das lernt ein Kind unglaublich gut und schnell.
- Panikmanagement klingt übertrieben, aber ist eigentlich ganz wichtig: Das Kind soll jede spielerische Herausforderung lösen können, eine Panikattacke wäre langfristig katastrophal, z.B. „das Kind traut sich nicht am Top reinzusetzen und schreit ununterbrochen…“
4 einfache Tipp für einen gelungenen Klettertag am Fels
- Wähl ein passendes Gebiet aus: Schöne Natur, ein Spielgrund für die Kinder (Fluss, Bach, See, Wald, Spielplatz), kaum Zustieg, tolle Routen, ungefährliches Areal
- Pack leckeres Essen und Trinken mit ein, der Hunger kommt auf jeden Fall
- Gegebenenfalls macht es Sinn, Spielzeuge mitzunehmen
- Freunde oder noch jemanden aus der Familie mitnehmen: So kann man auch mal in Ruhe sichern und klettern, während jemand auf die Kinder aufpasst oder mit ihnen spielt
Und noch 2 Tipps zur Motivation fürs Klettern
Tipp 1: Find heraus, was deinem Kind beim Klettern, davor und danach am meisten Spaß macht.
Kindern reicht in den Anfängen ein Gummibärchen am Topgriff. Das machen auch „Kind-abgeben“-Kurse immer und immer wieder.
Aber wollen wir Kinder wie einen Esel mit Karotte vor der Nase haben?
In der Regel motiviert sich das Kind beim Klettern anders als die Eltern. Darauf muss man eingehen. Was ist wichtig?
- gemeinsam spielen,
- gemeinsam die Natur erkunden,
- gemeinsam im Bus oder am Feuer kochen,
- draußen schlafen,
- einen Berg besteigen,
- gemeinsam mit Papa ein Abenteuer erleben?
- Grade sind es sehr selten, und es wäre schade, wenn die Eltern nur diese Motivation kennen.
Tipp 2: Erfolge feiern
Und doch freut sich ein Kind riesig, wenn es was Großes geschafft hat, ein Spielzeug aussuchen darf oder sich sein eigenes Getränk/Eis an der Bar bestellen darf – ich denke, den Erfolg mit dieser Belohnung zu feiern macht das Kind zugleich auch selbstständiger und reifer.
Aktuelles aus meinem Leben als Kletter-Papa:
Eine Bekannte riet mir, dass die Klettermotivation aus dem Kind selber kommen sollte. Daraufhin sollte mein Sohn beim nächsten Training selber entscheiden, was er klettern will: Er entschied sich für 2 leichte Routen in seiner Komfortzone. Danach wollte er spielen. 1 Stunde später unterbrach er mein Training, und ließ nicht locker, bis ich ihn in einer Route im Vorstieg in einem für ihn neuen Grad sichere. Tage später kam er zu mir und wollte unbedingt in die Kletterhalle, um die schwere Route wieder zu versuchen.
Mein Sohn kletterte mit 3 seine erste 4b am Fels. Seitdem geht es aufwärts, er fordert das auch ein. Aktuell suchen wir für ihn (nun 5,5 Jahre) eine Förderung durch eine Trainingsgruppe. Das ist (noch) sehr schwer in dem Alter, fündig sind wir jetzt 100km entfernt in Österreich geworden.
Fazit zum Klettern mit Kindern
Das Klettern mit Kindern ist anders, es macht unglaublich viel Spaß und gibt einen tollen Zusammenhalt als Familie.
Wenn du einige organisatorische Punkte beachtest und das Klettern auf die Motivation von deinem Kind anpasst, wirst du sehen, dass es funktioniert.
Also, wir kinderlosen Kletterer brauchen keine Angst haben, dass das Klettern mit Kindern dann gar nicht mehr geht 🙂 Wie sieht's bei dir aus? Hast du Erfahrungen mit Kindern und Klettern?