Tipps für gestresste Kletterer
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10 SOS-Tipps für gestresste Kletterer

Stefanie | 23. August 2016
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Stress. Fast schon ein normales Phänomen, oder? So normal, dass wir es manchmal gar nicht bewusst merken. Beim Klettern können wir das gar nicht brauchen. Unsere Muskulatur ist dann nämlich verspannt und der Kopf auch nicht frei. Wenn du gestresste Kletterer (vielleicht sogar sehr gut) kennst, werden dir diese 10 Tipps von Stefanie helfen, wieder mehr beim Klettern herauszuholen.
Aus dem Kühlschrank kriegen wir die Torte nur raus, wenn wir sie vorher hineingegeben haben. Wenn wir Gurkensuppe in den Kühlschrank geben, können wir nicht erwarten, dass die Torte rauskommt.

Klingt logisch, oder?

Und doch vergessen wir dieses Prinzip so oft bei uns selber!

Wenn wir nämlich gestresst sind, sind wir im Kampf-oder-Flucht-Modus. Kein guter Zustand, um beim Klettern Spaß zu haben. Und wir werden dann auch niemals so gut klettern, wie wenn wir in einem körperlichen und mentalen Top-Zustand sind.

Denk mal an ein Erlebnis beim Klettern, als du dich gestresst gefühlt hast (z.B. wegen Sturzangst, Tag war ereignisreich und schwierig, Zoff mit Freund/Freundin …). Ging da was?

Und jetzt denk mal an einen Klettertag, an dem du Energie hattest, dich richtig gut gefühlt hast, entspannt warst. Wie war das?

Ein Unterschied wie Himmel und Erde, oder?

Phänomen Stress

Ich stell mir an dieser Stelle immer ein Wasserrohr vor, das mit Dreck entweder leicht oder ziemlich verstopft ist, je nachdem, wie ich mich gerade fühle. Der Wasserstrahl wird nie mit voller Kraft durch das Rohr gehen! Am Ende wird das Wasser nie mit der Kraft ankommen, wie wenn das Rohr frei wäre.

Jetzt auf uns übertragen: Wir werden nie mit maximaler Kraft, Energie und Entschiedenheit klettern, wenn wir gestresst sind. Es geht einfach nicht. Selbst wenn wir es nicht bewusst wahrnehmen.

Jetzt muss natürlich nicht jeder Klettertag auf 100%, Leistung und Weiterkommen ausgerichtet sein. Es darf ja auch weniger sein. Aber sich selbst im Weg stehen … das muss echt nicht sein, oder?

Stress setzt sich im Körper fest

Auch das ist nichts Neues: Stress und andere negative Emotionen setzen sich im Körper fest.

Merken wir vielleicht in der Magengegend, wenn es etwas extremer ist. Vielleicht auch nur im Rücken oder im Nacken. Eine Verspannung in der Schulter. Wir spüren es nicht immer, aber auch der Rest unserer Muskulatur wird dadurch beeinflusst. Das Traurige ist: Für viele ist dieses Gefühl so normal geworden, dass sie es nicht anders kennen.

Die Sache ist: Uns ist allen klar, dass Stress schlecht ist, bei konstantem Druck wie ein Selbstmord auf Raten ist und dass wir mehr Entspannung brauchen.

Es verstehen und dann zu handeln sind aber zwei unterschiedliche Paar Schuhe.

Vielleicht geben dir die 10 Tipps einen Impuls, das eine oder andere auszuprobieren?

10 SOS-Tipps für gestresste Kletterer

Einige Tipps sind natürlich Universaltipps und auch für Nicht-Kletterer anwendbar. Für Kletterer sind sie aus meiner Sicht aber noch wertvoller. Weil wir nämlich die Wirkung an der Wand sofort spüren können.

Wenn’s gerade akut ist:

#1: Fast zu leicht und doch schwer: Atmen!
#2: PMR (progressive Muskelentspannung) und Yoga
#3: klettern, laufen, Sport

#1: Sich auf den Atem zu konzentrieren und die Atmung zu vertiefen ist eine der wirkungsvollsten Techniken, um innerhalb von Sekunden runterzukommen. Klingt fast zu einfach, hab ich selber auch jahrelang gedacht. Aber es funktioniert. Und das ist das, was zählt.

So kannst du die Technik umsetzen: Atme 3 Sekunden ein, 5 Sekunden (oder etwas länger) aus. Durch die längere Ausatmung setzt du den Entspannungs-Trigger im Nervensystem. Nimm wahr, wie der Oberkörper sich bei der Einatmung weitet und wieder leicht in sich zusammensinkt, wenn du ausatmest. Eine andere Möglichkeit ist die Wechselatmung, die du vielleicht kennst. Sie schafft innerhalb von Sekunden einen Ausgleich und wirkt auch bei Schlangenphobie (hab ich selbst ausprobiert).

#2: PMR und Yoga sind ebenfalls zwei Wundermittel. Sie wirken, weil wir Spannung aus dem Körper wirklich rauslassen. “Die PMR ist unglaublich”, hat meine Freundin Nicole mir vor kurzem gesagt. Sie wendet sie regelmäßig 3 Mal pro Woche an und sagt, dass sich ihre Kopfschmerzen und Migräne stark reduziert haben.

So kannst du die Technik umsetzen: Die PMR probierst du am besten mit einem Audio-File aus, zumindest am Anfang. So wirst du geführt und kannst die Technik leichter umsetzen. Setz dir hierfür ein paar Blocker in deinem Kalender, am besten am selben Ort und wo du ungestört bist. Und zum Yoga: Such dir einen Kurs, oder falls du bei uns im Online-Yoga noch nicht dabei bist, meld dich an und setz dir auch hier ein mehrere Blocker pro Woche. Danach wirst du dich wie ein anderer Mensch fühlen.

#3: klettern, laufen oder ganz allgemein Sport helfen, Dampf abzulassen. Ist so ähnlich wie bei der PMR und Yoga, wo du den Stress aus dem Körper rausbringst. Nur eben aktiver, was bei Stress manchmal mehr hilft als ruhiges Yoga. Yoga hilft dir nach dem Sport auch sehr gut, wieder schneller in die Erholungsphase zu kommen.

Zur Umsetzung: Stell deine Sportgewohnheiten auf Prüfstand. Passt es? Oder brauchst du vielleicht mehr? Wenn du nicht mehrmals die Woche klettern gehst, überleg welche Kombi dir guttun würde. Klettern, biken, Yoga?
Und um es gar nicht erst so weit kommen zu lassen:

#4: Setz den Rhythmus für den Tag
#5: Entscheide, was dir wirklich wichtig ist
#6: Kletterzeit = heilige Zeit
#7: Gib falsche Erwartungshaltungen auf
#8: Pfeif auf Perfektionismus
#9: Setz das Naturprinzip “Aktivität-Ruhephase” konsequent um
#10: Schließ den Tag gut ab

#4: Morgens schon den Rhythmus für den Tag zu setzen ist entscheidend. Wie sieht dein Morgen aus? Entspannt, vielleicht mit etwas Sport und einer Stärkung? Oder schnell den Kaffee runterspülen und zur Arbeit hetzen?

#5: Prioritäten setzen finde ich immer wichtiger, weil heute alles so schnell ist und wir uns immer schneller entscheiden müssen. Viele Einladungen zu Events und Feiern, die Steuer, putzen, klettern, … Wir können uns aber nicht zerreißen und alles gleichzeitig machen. Ist alles, was auf deiner To Do Liste steht, wirklich wichtig? Kommt deine Gesundheit da auch drin vor? Oder der Sport?

#6: Kletterzeit ist heilig. Oder auch die Zeit beim Sport und auf der Matte. Nicht verhandelbar. Wenn du dir für diese großen Brocken zuerst Zeit schaffst, wird sich für andere Aktivitäten immer noch Zeit finden. Umgekehrt aber meistens nicht. Und dann kommt schnell Stress auf, weil wir uns fremdgesteuert fühlen und “nicht zum Klettern kommen”, obwohl wir es so wollen.

#7: Falsche Erwartungshaltungen sind auch so ein Stressfaktor. Wenn wir erwarten, das Projekt zu schaffen oder heute nur schwer zu klettern. Und dann merken, dass gar nichts geht. Mach mal einen Check, wo du beim Klettern und auch im Alltag mit der To Do Liste vielleicht zu hohe Erwartungen setzt. Wie könntest du deine Erwartungshaltung verändern und damit entspannter sein?

#8: Pfeif auf Perfektionismus! Perfektionismus schafft Druck und damit Stress. Muss die Route oder der Boulder immer gleich beim ersten Mal klappen? Klar ist es schön und ein super Gefühl. Aber sich deswegen fertig zu machen, wenn’s nicht beim ersten Mal klappt – lohnt sich das?

#9: Das Naturprinzip “Aktivität-Ruhephase” ist unglaublich wichtig, damit sich der Körper und der Kopf erholen können. Trotzdem machen wir die “Ruhephase” zu einer Phase, in der unser Kopf und Nervensystem weiter gefordert werden, z. B. mit Freizeitstress oder wir ballern uns weiter mit Informationen zu.

Eine sehr wirksame Möglichkeit zur konsequenten Umsetzung beim Arbeiten ist das Arbeiten mit der Pomodoro-Technik. Also in Intervallen. Beim Klettern kannst du es umsetzen, indem du dir bewusst Zeit für Pausen zwischen Routen nimmst, anstatt, mal überspitzt gesagt, von einer Route in die andere zu springen. Eine weitere sehr wirksame Möglichkeit ist der nächste und letzte Tipp:

#10: Schließ den Tag gut ab. So schaffst du die besten Voraussetzungen für einen erholsamen Schlaf, in dem die Muskeln und das Nervensystem wieder auftanken können. Find heraus, was dir am Abend wirklich gut tut. Nach dem Klettern in der Halle liebe ich eine heiße Dusche und ein alkoholfreies Weizen. Oder eine Yoga-Einheit mit dehnenden und erholenden Elementen am Abend. Noch etwas Inspirierendes lesen. Wie sieht das bei dir aus?

Zusammengefasst

Viele Tipps hören sich leicht an und sind logisch. Ich habe mal einen Spruch gehört, der da lautet: “Common Sense is not Common Practice”. Das, was naheliegt, wird nicht immer auch gelebt. Ich weiß, den Schalter von heute auf morgen umlegen, geht nicht so einfach.

 

Viele denken, dass ich als Yogalehrerin der entspannteste Mensch auf Erden sein müsste. Weit gefehlt! Leute, die reden können ohne wirklich was zu sagen, Zeitfresser, Chaos oder alles auf den letzten Drücker erledigen stören mich unglaublich. Aber mittlerweile weiß ich besser, wie ich damit umgehen kann. Das ist es vielleicht, was die meisten sehen. Aber tatsächlich ist Stress ein Thema, an dem ich auch immer wieder arbeite. Weil ich eben mehr Energie haben und das Klettern voll genießen will.
“Welchen der Tipps möchtest du zuerst ausprobieren? Hast du Tipps, die du hier ergänzen würdest?"

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