3 Tipps, wenn du Alpinklettern zum ersten Mal angehst
Stefanie | 3. April 2016
6 Kommentare
Kletterst du hauptsächlich kurze Routen und liebäugelst du mit der Idee, Alpinklettern auszuprobieren? Dann gibt es ein paar Dinge, die du wissen solltest. Ich habe für dieses Thema Volker von Topoguide.de interviewt. Lies hier, welche 3 Tipps er für dich hat, damit deine Tour zum echten Genuss und nicht zu einer unschönen Erfahrung wird.
Als ich zum ersten Mal im spanischen Gebirge eine Mehrseillängen-Tour geklettert bin, gingen mir diese zwei Gedanken durch den Kopf:
- Das ist echt eine andere Welt als Sportklettern in kurzen Routen. Die Höhe macht mich etwas nervös und hier kann man sich ja echt schnell verklettern!
- Das hier ist ein anderes Gefühl. Freier. Verbundener mit diesen Gipfeln.
Sozusagen ein Wechselbad aus Respekt und Nervosität und gleichzeitig Ruhe und Freiheit.
Dass mit Alpinklettern nicht zu spaßen ist, habe ich einmal am Wilden Kaiser gesehen. Es waren ziemlich viele Kletterer unterwegs. Carlos und ich haben dort eine Tour angefangen, bei der zweiten Seillänge aber schon abgebrochen. Wir hatten gemerkt, dass wir für die erste Zwischensicherung Material benötigt hätten, das wir nicht dabei hatten. Unser Material passte nicht in die relativ große Spalte.
Einen Sturz von Carlos wäre an diesem Stand sehr ungünstig gewesen. Die Tour abzubrechen war schade, schien uns aber der einzig sinnvolle Weg.
“Na gut, dann gehen wir halt etwas essen und warten dort auf Chris und Sebastian”, dachten wir und gaben per Walkie-Talkie Bescheid.
Wir saßen dann gemütlich auf der Terrasse und haben die schöne Wand angeschaut, als wir plötzlich einen Hubschrauber gesehen haben, der in Richtung Wand flog. Ich war heilfroh, als Chris Bescheid gab, dass bei ihnen nichts passiert sei. Aber der Hubschrauber flog an diesem Tag mehrmals zu dieser Wand. Die Bedienung meinte achselzuckend, dass das leider normal sei, und dass viele Kletterer wahrscheinlich nicht gut vorbereitet auf die Wand wären.
Deswegen: Alpinklettern ist eine Faszination und wenn du es noch nie gemacht hast, willst du es vielleicht auch ausprobieren. Aber bitte geh wirklich nur vorbereitet an die Wand!
Mit Volker von Topoguide kam ich vor kurzem zum Thema Yoga ins Gespräch. Wenn du auf die Seite gehst, wirst du sehen, dass Volker und Nicole eine unglaubliche Zahl an Touren geklettert sind und dass sie mit ihrer Erfahrung wirklich wissen, wovon sie reden. Deshalb habe ich die Gelegenheit genutzt, Volker gleich ein paar Fragen zum Alpinklettern zu stellen, die ich hier mit dir teilen möchte.
Alpinklettern: Freiheit. Glück. Herausforderung.

Was fasziniert dich am meisten beim alpinen Klettern?
Alpintouren sind für uns gewissermaßen die Königsdisziplin des Kletterns. Hier wird alles vereint, was diesen Sport ausmacht: das Gefühl von Freiheit, von purem Glück. Einfach unvergleichlich!
Du musst gut trainiert sein und alle Klettertechniken beherrschen, wenn du dich der Herausforderung stellst, eine Tour wirklich aus eigener Kraft zu meistern. Hier kann man sich nicht einfach mit einem Clippstick hochmogeln.
Es gilt, über Jahre geduldig Erfahrungen zu sammeln, die nicht zuletzt das gesamte Leben bereichern. Richtig wilde Touren sind noch einmal eine Steigerung und nicht Jedermanns Sache: Je nach Vorbereitung und Situation begegnet man dort seinen tiefsten Ängsten oder man schwebt wie auf Wolke Sieben in einer anderen Dimension des Seins.
Das sind Eindrücke, die sich viel tiefer ins Bewusstsein eingraben als das Glücksgefühl nach dem Durchstieg eines schweren Projekts.
3 Tipps, die deine Tour zum (positiven) Erlebnis machen
Welche 3 Tipps hast du für Sportkletterer, die alpines Klettern ausprobieren möchten?
- Suche dir einen guten Freund, der dich mitnimmt und dir alles zeigt. Wenn der gerade nicht zur Verfügung steht, mache einen Kurs.
- Auch wenn du in schweren Sportklettertouren gut unterwegs bist, fange weit unterhalb deines Limits mit gut gesicherten Touren an. Es warten so viele andere Aufgaben auf dich als die reine Kletterschwierigkeit: Zustieg finden, Einstieg lokalisieren, Routenverlauf erkennen und nicht selten zusätzlich mobil absichern, ja, vielleicht sogar mal einen Standplatz selbst einrichten. Dabei das Wetter richtig einschätzen und anschließend abseilen oder gar abklettern. All das sind Fähigkeiten, die du dir erstmal aneignen musst. Auf unserer Startseite www.topoguide.de findest du eine Tourenliste und einen Artikel für Alpineinsteiger mit vielen weiteren und wichtigen Tipps.
- Genieße den Moment, die Freiheit und die wilden Landschaften. Und vergiss am besten die Schwierigkeitszahl. Es wird dein Leben bereichern.

Wissenswertes für deine Verpflegung in der Tour
Was nimmst du zum Essen fürs alpine Klettern mit?
„Klettern ist das Wichtigste im Leben, Essen das Zweitwichtigste“.
Das sagte Kaspar Ochsner mal bei einem Treffen auf der Engelhornhütte. Auch wenn sich jeder die Frage nach seinen Lebensprioritäten selbst beantworten muss, spielt das Essen eindeutig eine wichtige Rolle.
Leider kann man sich auf einer Mehrseillängentour nicht so gut verpflegen wie im Klettergarten. Es sei denn, man hat einen Sherpa, der die Lasten trägt. Anfangs hatten wir immer ein Stück Salami und Knäckebrot dabei. Mittlerweile machen wir nur mehr „kurze“ Touren und da reicht uns ein Snickers oder Mars für den Zuckerhaushalt. Wird es etwas länger, nehmen wir Datteln und Mandeln oder Nüsse mit. Für den Zustieg noch eine Banane oder etwas Brot. Das muss reichen für den Tag. Abends wird dann für den nächsten Tag ordentlich aufgefüllt.
Viel wichtiger dagegen ist der Wasserhaushalt. Je nach Sonneneinstrahlung und Höhe ist mindestens 1 Liter pro Person, je nach Tour sogar 1,5-2 Liter nötig! Trinken sollte man nicht vernachlässigen, weil sonst irgendwann der Muskel „zu macht“ und nichts mehr geht. Da hatten wir in der Anfangszeit durchaus lehrreiche Erlebnisse. Einmal haben wir eine langsame Seilschaft endlich überholt, konnten anschließend aber selbst nur noch auf Reserve im tiefroten Bereich zum Ausstieg kriechen.
Am Zustieg gibt es oft Bäche oder Quellen, die man für Trinkpausen nutzen sollte. Außer in unseren Führern ist das aber leider nirgendwo vermerkt.
Fazit: Ohne Vorbereitung geht es nicht
Im Übrigen sind für eine gute Tourenplanung und reibungslose Durchführung vorab viele detaillierte Infos nötig oder zumindest hilfreich, die leider in den meisten Führern fehlen. Da haben wir angesetzt und hoffentlich ein Lebenswerk für die Nachwelt hinterlassen.
Vielen Dank, dass ihr uns die Möglichkeit gegeben habt, auf eurem tollen Blog mal was über Alpintouren zu berichten!
Hast du Fragen an Volker und Nicole oder Gedanken, Erfahrungen zum Alpinklettern, die du teilen möchtest? Rein damit in die Kommentare!
Kann ich alles absolut bestätigen! Gerade meine erste 200m-Tour geklettert – war „nur“ 5c, aber am des Tages war es trotzdem echt ein Wahnsinns Erlebnis und auch psychisch ziemlich anspruchsvoll.
Super, Felix! Glückwunsch. Ja, ist mit kurzen Routen nicht vergleichbar, man hat ja noch ganz andere Faktoren (z.B. Wetter), was das Ganze beeinflusst. Wie Volker sagt, bei solchen Routen steht nicht der Schwierigkeitsgrad an erster Stelle, und da kann es eine 5c auch sehr in sich haben. Schön jedenfalls, dass es ein so starkes Erlebnis war!
Herzlichen Dank für Eure Mühe
Danke dir für die tollen Antworten!
Kurze Anmerkungen zu der Verpflegungsgeschichte:
1. Schokoriegel schmelzen bei Hitze oft, bin ich von abgekommen.
2. Grundsätzliche Entscheidung: a. ohne Rucksack (bei kurzen Routen, Verpflegung in die Hosentaschen, Wasser und ggfs. Abstiegsschuhe an den Gurt binden), b. mit einem Rucksack (bei mittellangen Routen, der Nachsteiger trägt jeweils den Rucksack) c. mit zwei Rucksäcken (bei langen Routen mit viel Notfallausrüstung, Ersatzkleidung,…).
Hallo Rainer, danke fürs Teilen deiner Erfahrungen! Ich hatte oft Müsli-Riegel dabei, die aber nicht so lange anhalten. Hier macht ein Cliffbar-Riegel vielleicht mehr Sinn, habe ich noch nicht ausprobiert.
Der Hinweis zur Rucksackfrage ist auch hilfreich. Ich habe Touren gemacht, wo wir sowohl ohne als auch mit Rucksack geklettert sind. Die Abstiegsschuhe an den Gurt zu binden klappt auch gut, wenn es nicht gerade klobige Schuhe sind.