4 Ideen, um den eigenen Kletterstil zu erweitern
Stefanie | 13. Dezember 2015
9 Kommentare
Das zu klettern, was wir mit unserem Kletterstil am besten können, macht Spaß. Es hält uns aber auch dort, wo wir gerade sind, und bringt uns in neuen Gebieten, zum Beispiel im Urlaub, nicht weiter. Hier gibt's vier Ideen für dich, wie du mit teilweise ungewohnten Techniken deinen Kletterstil erweitern kannst.
“Puh, Reibungskletterei ist echt übel! Jetzt weiß ich jede kleine Kante wirklich zu schätzen und kann auch im löchrigen Kalkstein weniger gute Griffe nutzen.”
Das schoss mir durch den Kopf, nachdem ich das erste Mal im spanischen Sektor La Pedriza geklettert bin.
La Pedriza ist für die vielen Granitfelsblöcke bekannt, für Riss- und Reibungskletterei. Für mich, die am liebsten Routen mit Löchern und Kanten klettert, eine völlig neue Erfahrung. Mein bisheriger Kletterstil hat mich bei La Pedriza nicht weitergebracht. Dafür habe ich gelernt, wie wichtig und bereichernd es ist, den eigenen Kletterstil hin und wieder zu erweitern.
Neben dem Klettern in anderen Gebieten gibt es noch andere Möglichkeiten vor Ort. Hier habe ich für dich vier Tipps, die leicht umzusetzen sind. Sie werden dir helfen, ein paar neue Facetten in deinem Stil zu entdecken und so auch Routen zu klettern, die mit deinem bisherigen Stil vielleicht nur schwer möglich waren.
Runterklettern statt abseilen

Beim Runterklettern sehen wir die Tritte nicht immer und müssen vielleicht andere Bewegungen machen als beim Hochklettern. Das Runterklettern hilft, das Körpergefühl zu verfeinern und den Füßen mehr zu vertrauen.
Such dir für den Anfang am besten in der Halle eine gerade Route mit relativ großen Griffen aus. Du kannst sie entweder nur einmal oder auch mehrmals hoch- und runterklettern.
Das funktioniert übrigens auch sehr gut als Ausdauertraining oder einfach zum Aufwärmen, wenn du mehr in Boulderhallen unterwegs bist.
Mit geschlossenen Augen im Toprope klettern
Mit geschlossenen Augen zu klettern ist eine ziemliche Herausforderung. Schließlich suchen wir immer mit dem Blick nach Griffen, die uns den nächsten Zug ermöglichen. Und jetzt mit geschlossenen Augen klettern??
Es ist eine interessante Erfahrung, die dir helfen kann, deinen Händen und Füßen mehr zu vertrauen und die den Körpersinn ebenfalls verfeinert. Wenn diese Komponenten passen, werden die Gesamtbewegungen beim Klettern mit geöffneten Augen harmonischer.
Such dir dafür eine gerade Route in der Halle aus, die du im Toprope klettern kannst und die viele Griffe hat. Die Griffe sollten groß genug sein, so dass du darauf sicher stehen kannst.
Den Trainingsfokus setzen

Einen Trainingsfokus zu setzen hilft, einen bestimmten Aspekt eures Kletterstils zu verfeinern. Zum Beispiel:
- Dynamisch klettern
- Die Anzahl der Züge verringern
- Fließender klettern
- Die Füße präziser setzen
- Höher anstehen
- Eindrehen
- Beim Klettern bewusster atmen
- Sloper greifen
- Die Koordination in Überhängen
- …
Überleg dir, welchen konkreten Aspekt du gerne verbessern möchtest und such dir dafür eine passende Route aus.
Denk daran:
Der Fokus muss hier kein On-Sight sein. Wähl lieber eine Route, die du schon kennst und kletter sie ggf. auch im Toprope. Damit kannst du dich voll auf dein Ziel konzentrieren.
Ein Kletter-"Idol" imitieren
Wenn ich Outdoor-Klettervideos anschaue, bin ich hin und weg von der meist faszinierenden Landschaft des Gebietes, aber auch von den unglaublichen Zügen und dem Stil der Kletterer.
Auch wenn es weit entfernt scheint – stell dir bei einem Kletterprojekt vor, wie ein Mann oder eine Frau, die du super findest, die Route klettern würde.
- Wie wären die Armbewegungen?
- Wie würde er oder sie die Füße setzen?
- Würde er oder sie schnell oder eher bedächtig klettern?
Der Hintergrund ist folgender: Wenn du diese Bilder in deiner Vorstellung schaffst, ist es wahrscheinlicher, dass deine Bewegungen ebenfalls in diese Richtung gehen. So kannst du beim Klettern vielleicht Züge hinbekommen, die du sonst nie gemacht hättest.
Zusammengefasst
Wenn du weiterkommen oder einfach im Kletterurlaub mehr Routen klettern willst, kommst du um eine kontinuierliche Erweiterung deines Kletterstils nicht herum. Probier aus, welche Ideen für dich am besten funktionieren und wende sie dann über einen längeren Zeitraum an.
Welche Tipps würdest du hinzufügen, um den eigenen Kletterstil zu erweitern und weiterzukommen?
Ist nicht nur was fürs Klettern sondern auch für alles andere. Flexibel sein, ohne sich zu sehr auf was zu versteifen. So bleibt auch der Kopf fit. Vorschlag für den Alltag: Morgens einfach mal rückwärts in Bad laufen, oder auf Händen wer es kann. Mit der anderen Hand die Zähne putzen. Macht viel Spaß… Hat das schon mal jemand ausprobiert?
Hey Astrid Marie die Ideen klingen ja interessant. Morgens muss man sich allerdings daran erinnern, um nicht noch verschlafen der gleichen Routine zu verfallen 🙂
Stimmt, doch meiner Erfahrung nach ist es maximal 7 Tage lang schwierig und wird dann bereits deutlich leichter.
Werden wir ausprobieren 🙂
Coole Ideen. Auch wenn Routinen wichtig sind, würde ich hier noch hinzufügen, die Autopilot-Routinen auch mal zu durchbrechen und sich neue Reize fürs Hirn zu setzen. Vielleicht mal eine andere Aufwärmroutine ausprobieren.
Hey Sarah, gute Idee. Wir haben beim Aufwärmen oftmals ähnliche Routinen, weil es einfach schneller geht und weil sie sich bewährt haben. In einem anderen Klettergebiet kann eine Routine auch Sicherheit geben. Aber beim Aufwärmen mal etwas anderes auszuprobieren kann tatsächlich helfen, sich auch beim Klettern anders zu bewegen.
Manu Wager hört sich spannend an. willst du teilen, was ihr macht?
man muss das Üben was man nicht kann , weil genau dies unser schwächstes Glied ist , welches die Gesamtleistung limitiert . Mehr Kraft bringt z.b auch nix wenn die beweglichkeit die optimale Technik nicht einräumt . Klettern ist die Suche nach Dingen die man nicht kann ,die schwer und unmöglich sind , um in einem Prozess geistig , körperlich und seelisch eine Transformation einzuleiten
Schöne Beschreibung zum Klettern, Viktor! Tatsächlich kann man hier manchmal einen echt großen Sprung machen, wenn man am schwächsten Glied arbeitet, anstatt das, was man zu 97% drauf hat auf 98,2% zu bringen.