5 Tipps für mehr Mut beim Klettern nach einer Pause
Nima Ashoff | 28. August 2016
4 Kommentare
Nach einer längeren Kletterpause war ich jetzt endlich wieder am Fels. Dabei habe ich deutlich gemerkt, welche Verhaltensweisen mich nach vorne bzw. nach oben bringen und welche mich eher behindern. Das sind meine fünf besten Tipps für mehr Mut beim Klettern nach einer Pause.
„Es ist mir egal, ob wir gerade in einem berühmten Schweizer Bouldergebiet sind. Ich habe gerade einfach keine Lust zum Bouldern“.
Keine Lust zum Bouldern? Und das, obwohl sowohl das Bouldern als auch das Klettern zu meinen Lieblingssportarten zählen?
Ja, genau so ging es mir, als wir vor vier Wochen mit Freunden in Gironico zum Bouldern verabredet waren: Ich hatte keine Lust! Hinter mir lagen vier anstrengende Wochen. Weder mein Kopf noch mein Körper waren gerade auf Herausforderung eingestellt.
Mir eine Kletter-Abstinenz zu verordnen, war für mich deshalb vollkommen in Ordnung. Umso mehr habe ich mich nämlich gefreut, als sich das Kribbeln, die Vorfreude auf den Fels, wieder von alleine eingestellt hat.
Jetzt war ich motiviert, wieder etwas zu tun. Weil ich es wollte und nicht, weil ich mich durch mein Umfeld indirekt unter Druck gesetzt gefühlt habe.
Aber nach eine Kletterpause rutscht mir das Herz am Fels oft tief in die Kletterhose. Ich muss mich erst wieder an die Höhe gewöhnen und Vertrauen in mein Können bekommen.
Diese fünf Tipps helfen mir, um nach einer Pause wieder mit mehr Mut beim Klettern einzusteigen
1. Sehen, fühlen, hören
Wir wissen alle, dass ein breites Bewegungsrepertoire hilfreich beim Klettern ist. Dabei spreche ich nicht nur von der Beweglichkeit, sondern auch von bestimmten Techniken. Ich selber bin allerdings nicht gut darin, mir diese von anderen abzuschauen.
Was mir hingegen hilft, ist, wenn mich jemand in die entsprechende Position führt. So spüre ich direkt, wie sich die Bewegung anfühlen sollte, welche Muskeln ich anspannen oder wie ich mein Gewicht verlagern muss.
Und je besser ich eine Bewegung verstehe, umso mehr Vertrauen bekomme ich in mich.
Finde heraus, auf welchem Weg du am besten lernst, um neue Bewegungen ausprobieren zu können. Geht es über das Sehen, Hören oder Fühlen?
2. Trockenübungen
Passend zum ersten Punkt ist dieser hier: Ich mache Trockenübungen, um eine Bewegung zu verinnerlichen.
Es bringt mir nämlich herzlich wenig, wenn ich mitten in einer herausfordernden Route merke, dass mich das Hooken oder Mantlen total überfordert.
Deshalb suche ich mir im Alltag Möglichkeiten, um solche Techniken zu lernen: Zuerst möglichst einfach und mit vielen Wiederholungen. So prägen sich die Abläufe ein und ich kann sie dann beim Klettern viel einfacher abrufen. Stabile Tische und Mauern eignen sich übrigens gut, um beides zu üben.
3. Selbstanweisungen
Selbstgespräche werden ja gerne belächelt, aber ich zähle auf sie! Mir hilft es sehr weiter, wenn ich mir beim Klettern selber Anweisungen gebe, so wie eine Art Coach.
„Erst einen Tritt suchen – jetzt den Fuß setzen. Nach einem Griff suchen – den Griff halten und dann aufstehen“.
Mal hört es sich auch so an: „Jetzt zugreifen, Gewicht auf den Fuß - und go!“
Selbstanweisungen sind gut geeignet, dass du dich besser konzentrieren kannst.
4. Iss was!
Da ich eh leidenschaftlich gerne esse, kommt mir dieser Punkt sehr entgegen.
Essen ist hilfreich, weil sich das Kauen entspannend auf unser Nervensystem auswirkt.
Das erklärt, wieso manche Menschen unter Stress Fingernägel kauen, aber dazu möchte ich dir nicht raten.
Nimm stattdessen lieber einen Kaugummi oder etwas anderes, auf dem du in den Kletterpausen herumnagen und deine Aufregung abbauen kannst.
5. Singen
Ebenfalls aus der Reihe „ungewöhnlich, aber nützlich“ ist dieser Punkt: Singen!

Sobald ich unter Stress gerate, fange ich an zu summen oder leise ein Lied zu singen.
Leise deshalb, weil ich keine begnadete Sängerin bin und nicht möchte, dass andere vor Schreck aus der Route fallen.
Der Vorteil vom Singen oder Summen ist einfach: Du atmest länger aus und signalisierst deinem Körper dadurch Entspannung. Singen und Angsthaben passen nicht zusammen, das ist sehr praktisch.
Fazit
Nicht nur beim Klettern, sondern auch in anderen Lebensbereichen gehe ich gerne ungewöhnliche Wege. Wenn Singen und Kauen dazu beitragen, dass ich mehr Mut beim Klettern bekomme, dann probiere ich das gerne aus.
Inzwischen habe ich diese Tipps fest in meinen Kletteralltag integriert. Und wenn meine Nerven wegen eines speckigen Griffs mal wieder blank liegen, kann ein „Don't worry, be happy“ jedenfalls nicht schaden.
Was hilft dir, um beim Klettern nach einer Pause wieder mehr Mut zu bekommen?
Hola Nima, mir ging es vor paar Wochen so. Ich war ein paar Wochen im chilenischen Winter und war dort nur ein paar Mal boulderm. Anfang August kamen ein paar Freunde zu Besuch und wir waren in der fränkischen Schweiz. Ich glaube, ich habe die Pause noch nie so stark gespürt!! Eine Schlüsselstelle, die ich sonst ohne viel nachzudenken geklettert wäre, hat mich voll rausgebracht.
Ich habe mich auf jeden einzelnen Zug konzentriert. Es war immer noch schwierig. Aber es hat mir geholfen, dabei zu bleiben. Danach bin ich an dem Tag nur leichte Routen geklettert. Für mich war eins wichtig: mir klarmachen, dass ich nicht auf dem Level einsteige, was ich bei regelmäßigem Training zum Aufwärmen mache.
Hey Carlos,
das ist tatsächlich ein sehr wichtiger Punkt: Sich bewusst machen, dass man erstmal auf einem leichteren Level einsteigt. Oft ist unser Ehrgeiz so hoch, dass es an unserem Ego kratzt, nicht so stark wie vorher zu sein. Aber wenn man es richtig – nämlich gelassen – angeht, macht man schnell wieder Fortschritte 🙂
Liebe Grüße
Nima
Eindeutig 2 Sachen: 1. mit leichten Routen wieder anfangen und 2. die Erwartungshaltung zurückschrauben bzw. darauf vertrauen, dass ich schnell wieder reinfinden werde. Das mit den Trockenübungen finde ich super. Hilft mir auch beim Bouldern, da visualisiere ich vorher bei einem Problem die Bewegungen und dann komme ich viel weniger ins Stocken.
Die Selbstanweisungen habe ich auch schon oft angewendet, vor allem in längeren Routen. Es hört sich beim Lesen vielleicht etwas merkwürdig („zu einfach“) an, wirkt aber. Und nur das entscheidet, finde ich. Lieber einfach und wirklich machen anstatt komplizierte Techniken suchen und sie dann doch nicht anwenden.
Hey Stefanie,
stimmt, die Selbstanweisungen sind auf den ersten Blick, oder beim ersten Hören, etwas eigenartig. Andererseits höre ich ja auch auf einen Trainer, wenn der mir sagt, was ich tun soll. Es hilft ungemein, das grübelnde Gehirn in manchen Momenten auszuschalten und ihm einfach zu sagen, was es tun soll. Ein simpler Trick, um sich selber zu überlisten 🙂
Genauso sieht es mit den Trockenübungen aus. Das einzige, was hier wichtig ist, ist: Machen!
Liebe Grüße
Nima