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Besser klettern durch positives Denken?

Nima Ashoff | 20. März 2016
17 Kommentare

Immer wieder liest man davon, dass man positiv denken soll und dass unsere Gedanken unser Handeln bestimmen. Was ist aber, wenn es mit dem positiven Denken einfach nicht klappen will?

„Oh nein, hoffentlich kommt die jetzt nicht mit so Motivationssprüchen um die Ecke, wie man sie aus den gängigen Social Media Kanälen kennt.“

Keine Angst, damit verschone ich dich.

Warum?
Weil sie zwar schön zu lesen, aber leider nur bedingt praktikabel sind.

Wenn es nämlich um das positive Denken geht, lässt sich in unserem Gehirn nicht einfach ein Schalter von schlecht auf gut umlegen.
Wäre es so leicht, hätten wir alle keine Sorgen mehr und wären immer glücklich. Und wir würden alle angstfrei klettern, das wäre eine super Sache.

Dennoch sind wir unseren Gedanken nicht hilflos ausgeliefert.
Wir können positives Denken trainieren, allerdings braucht es dafür einiges an Übung.

Wie uns positives Denken beim Klettern hilft

Als ziemlicher Kletter-Angsthase weiß ich, wie sehr mein Denken meine Handlungen beeinflusst. Wenn ich mir in einer Route ständig vor Augen halte, dass ich gleich den Halt verliere, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass genau das passiert.
Viel hilfreicher ist es mir zu sagen, dass der Fuß gut sitzt oder ich den Griff halten kann.

Hänge ich allerdings gerade an der Wand und mein Angst-Modus steigt, ist es um mein positives Denken schlecht bestellt. Jetzt muss ich erst einmal zusehen, dass ich mich beruhige: Durch bewusstes Atmen, durch Singen, durch eine Pause oder durch alles zusammen.

In-der-Route
Positives Denken, wenn der Kopf schon in der Negativschleife drin ist? Dann hilft es auch nicht mehr viel. Der Kopf ist aber wie ein Muskel. Sich bewusst zu machen, wie man sonst so denkt und welchen Fokus man sonst so hat, ist der erste Schritt. Dann ist es in der Route leichter, den Schalter umzulegen.

Kletter-Trockenübungen

Um mich auf solche Momente bestmöglich vorzubereiten, habe ich mir angewöhnt, Trockenübungen zu machen.

So funktioniert es:

Ich nehme mir bewusst eine Auszeit, um meine Ruhe zu haben und mich zu entspannen. Dazu mache ich gerne Übungen aus der Progressiven Muskelentspannung und dem Autogenen Training.

Sobald ich entspannt bin, stelle ich mir die Situation am Fels vor, die mir Angst macht.
Meistens merke ich sofort eine körperliche Reaktion: Mein Herz schlägt schneller oder mein Magen verkrampft sich. Es ist interessant, das bewusst zu wahrzunehmen.

Jetzt male ich mir aber nicht weiter aus, was alles schiefgehen könnte, sondern tauche so konkret wie möglich in die Situation ein:

Dann stelle ich mir vor, wie ich das Problem löse.

Wenn man solche Übungen in einem entspannten Zustand macht, ist unser Gehirn aufnahmefähiger als unter Stress. Wir können auf diesem Weg tatsächlich körperliche Abläufe trainieren, ohne, dass wir uns bewegen.

Natürlich werde ich vom Denken alleine kein Spitzenkletterer, aber diese Trockeübungen sind eine ideale Unterstützung für den Ernstfall.

Den Fokus verschieben

Bei meinen Seminaren nutze ich gerne dieses Rechenbeispiel genutzt, um zu verdeutlichen, wie wir Dinge wahrnehmen:
Was fällt dir an den Ergebnissen auf?

Hast du geantwortet, dass zwei Ergebnisse falsch sind?
Oder war deine Antwort, dass drei Ergebnisse richtig sind?

Normal erhalte ich als Antwort die Anzahl der falschen Ergebnisse.
Und so ist es in vielen anderen Lebensbereichen auch: Wir legen den Fokus auf das, was schiefgehen könnte anstatt auf das, was gut ist.

Dieses Rechenbeispiel lässt sich gut aufs Klettern übertragen:

Aus welchem Blickwinkel betrachte ich eine Route? Halte ich mir ausschließlich vor Augen, an welchen Stellen ich fallen könnte? Oder betrachte ich sie als eine spannende Herausforderung, auf die ich mich freue?

Die Schlüsselstellen werden dadurch nicht einfacher, aber wir gehen mit einer anderen Motivation an sie heran: Mit mehr Zuversicht!

Und je zuversichtlicher wir denken, umso entspannter ist unser Körper und umso besser klappt es mit dem Klettern.

Fazit

Je mehr wir uns dessen bewusst sind, was in unserem Kopf vorgeht, umso besser können wir die Kraft der Gedanken nutzen, um besser oder sicherer zu klettern.

Wie gehst du mit ängstlichen Gedanken beim Klettern um?

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17 Kommentare zu “Besser klettern durch positives Denken?”

  1. Nima, cooler Artikel. Das Schlimmste ist, wenn man schon in der Schleife drin ist und nervös ist. Was mir dann beim Klettern hilft, ist voll in diese Angst reinspringen … also auch ins Seil. Besser ist es aber es gar nicht so weit kommen zu lassen. Da kann man vorher viel machen, die Trockenübung die du beschreibst finde ich sehr interessant und werde das mal ausprobieren.

    1. Bin zur Zeit auf der Suche nach Kletter/Bouldergebieten in der Schweiz und tips fürs Training vorallem für nach dem Klettern.
      Zum aufwärmen helfen Yoga, Ausdauertraining ab und an Krafttraining

    2. Mit Kletter/Bouldergebieten in der Schweiz können wir leider nicht dienen, aber vielleicht wirst du auf Volkers und Nicoles Seite http://www.topoguide.de fündig.
      Zum Thema nach dem Klettern gibt’s im Moment 2 Artikel bei uns im Blog:
      http://www.climbingflex.de/yoga-nach-dem-klettern/
      http://www.climbingflex.de/yoga-nach-dem-klettern-einfache-uebungsfolgen/
      Vielleicht hast du auch weitere Ideen, was wir zu „Nach dem Klettern“ noch schreiben können? Nehmen wir gerne auf!

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