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Der Griff in den Chalkbag: Hilft’s tatsächlich?

Stefanie | 29. März 2015
13 Kommentare

“Ohne Chalk kann ich nicht klettern!” Hand auf’s Herz – geht’s dir auch so? Manchmal hilft es tatsächlich, wenn’s warm ist, die Griffe etwas schmierig und die Hände immer wieder abrutschen. Manchmal hilft vielleicht jedoch noch mehr die Überzeugung, die wir mit dem Griff in den Chalkbag verbinden.

Die Hände in den Chalkbag tauchen, abklopfen, wieder in den Chalkbag tauchen, nochmal abklopfen, dann weiterklettern.

Als ich mit dem Klettern erst angefangen hatte und einen Kletterer beobachtete, habe ich das nicht verstanden. Wo ist denn da der Sinn des Chalks? Und braucht man wirklich so viel Chalk?
Damit wir uns richtig verstehen – auch wenn ich selbst kaum Chalk verwende, habe ich nichts gegen Chalk und bin nicht auf Diskussionen zum Für und Wider aus.

Was mich interessiert, ist die persönliche Einstellung – oder sogar Überzeugung – dazu, die vielleicht noch viel stärker wirkt, als das Chalk selbst.

Der Chalkbag, der treue Begleiter

“Wie, du hast deinen Chalbag nicht dabei? Das würde mir nie passieren! Ich habe meinen immer dabei…”, sagte einmal ein Kletterer zu mir, den ich am Fels gerade kennengelernt hatte, und zog dabei ein sehr erstauntes Gesicht.

Er fuhr fort: “Ohne geht’s bei mir fast nicht. Chalken beruhigt einfach, es gibt mir die Gewissheit, dass meine Finger Halt haben werden. So kann ich besser klettern, gerade nach einem Sturz hilft diese Pause sehr.”

Einen besseren Halt für die Finger gibt’s sicherlich, gerade wenn’s warm ist oder wenn die Griffe sehr fein sind – dann verwende ich auch meistens Chalk.

Sehr interessant fand ich jedoch seine Aussage, dass es ungemein beruhigt, die Hände in den Chalkbag zu tauchen. Dass solch eine unbewusste Gewohnheit uns innere Sicherheit vermitteln kann, mit der Gewissheit “Ich habe Chalk – also werden die Finger Halt haben”. Und dass man damit vielleicht tatsächlich ruhiger klettert.

 

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Vor dem Klettern noch einmal die Hände in den Chalkbag tauchen - und los geht's.

 

Die Macht der Gewohnheit

Viele Athleten haben, besonders vor Wettkämpfen, ebenfalls ihre Gewohnheiten, die ihnen Sicherheit vermitteln: Wie sie sich die Schuhe zubinden, wie sie zum Platz schreiten, was sie noch einmal machen und sicher auch was sie zu sich selbst sagen, bevor es losgeht.
Diese Gewohnheit zeigt, dass alles wie immer ist, dass es klappen wird. Gleiche Gewohnheit, gleiches Ergebnis.
Gewohnheiten haben wir, die nicht an Wettkämpfen teilnehmen, auch. Die meisten Gewohnheiten verlaufen dabei unbewusst, also ohne dass wir es uns aktiv überlegen. Vielleicht gibt es jedoch Gewohnheiten, die wir uns aktiv aneignen können und die uns helfen werden, konzentrierter und mit mehr Einsatz zu klettern.

Wenn du mein Buch Das Yoga-3×3 für Kletterer gelesen hast, wirst du wissen, dass ich überzeugt davon bin, dass unsere Körperhaltung einen entscheidenden Einfluss auf unsere Stimmung und Energie hat.

Wenn ich vor dem Einstieg mit hängenden Schultern dastehe, ein Gesicht ziehe “ja ok, ich probier’s dann mal … ich werde aber wahrscheinlich nicht so weit kommen …” – was glaubst du, wie würde ich klettern? Voller Energie und entschieden? Ich glaube nicht.
Selbst, wenn ich mir nicht sicher bin, ob ich die Route schaffe, habe ich gemerkt, dass es sehr viel hilft, vorher eine aufrechte und zuversichtliche Körperhaltung einzunehmen.

 

032915_Yoga-Haltung
Eine stark aufgerichtete Position vor dem Klettern wirkt garantiert anders als mit hängenden Schultern vor dem Einstieg zu stehen.

 

Ideen für hilfreiche Kletter-Gewohnheiten

Spontan fallen mir folgende Möglichkeiten für Gewohnheiten ein, um die Selbstvertrauen oder Konzentration zu steigern und damit das Klettern zu unterstützen:

Ein paar Überzeugungen, die vielleicht helfen:

Vielleicht hast du ebenfalls ein paar Ideen, die du unten teilen möchtest?

 

Fazit zum Chalk und den Gewohnheiten

Mit Gewohnheiten, die uns innere Sicherheit vermitteln, können wir beim Klettern einen großen Unterschied merken. Das kann der Griff in den Chalkbag sein, eine aufrechte Haltung und tiefe Atmung, vielleicht auch eine bestimmte Art, sich die Kletterschuhe anzuziehen, eine Erinnerung an einen früheren Klettererfolg. Das ist natürlich keine Garantie, dass es dann beim Klettern tatsächlich so läuft, wie gewünscht – aber es kann dazu beitragen, die Voraussetzungen dafür zu schaffen.

Was denkst du? Welche Gewohnheiten könnten deiner Meinung nach helfen, sich vor dem Klettern oder Bouldern in einen Zustand mit mehr Selbstvertrauen oder Konzentration zu versetzen?

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13 Kommentare zu “Der Griff in den Chalkbag: Hilft’s tatsächlich?”

  1. Bei mir ist es das Einhalten einer festen Reihenfolge (Gurt anziehen, dann Schuhe, dann Chalkbag an den Gurt und vor jeder Route IMMER den Partnercheck).
    Bei uns gehört es auch fest dazu, dass wir uns bei jeder Route viel Spaß wünschen. Ohne das fehlt mir was…:-)

  2. Chalk hat auch eine sehr pragmatische Daseinsberechtigung am Kalkstein:

    Saurer Handschweiß geht mit dem basischen Kalkstein eine chemische Reaktion ein, die die Struktur des Gesteins verändert. Dadurch werden langristig die Griffe einer Kletterroute glatt und speckig. Magnesia (ebenfalls basisch) neutralisiert den Handschweiß und schützt somit das Gestein. Wenn man also nachhaltig klettern möchte, sollte man an Kalkstein immer Magnesia benutzen, egal wie sehr man schwitzt. Für andere Gesteinsarten, wie z.B. Sandstein, gelten wiederum andere Regeln.

    Was den mentalen Zustand beim Klettern betrifft:

    Manchmal hilft es, zunächst in sich hinein zu hören, ob man denn die Route überhaupt vorsteigen/rotpunkten/klettern will. Und wenn die Antwort „ja“ lautet, dann macht man sich nochmal bewusst, dass man die Route klettern WILL. Damit schafft man sich die Basis für die Willenskraft, also des Wollens, mit der man bereit ist, die notwendige Energie ins Klettern reinzustecken und unterwegs keine Zweifel aufkommen zu lassen.

    1. Hallo Stefan,
      danke für’s Teilen!
      Du hast da einen für mich sehr interessanten Punkt angesprochen: „Will ich es überhaupt?“ Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass der Kopf manchmal sagt „Ja klar! Die anderen klettern die Route auch!“, ich tief im Innersten mich aber vielleicht nicht bereit dafür fühle. Und dann wird’s auch nichts. Wenn man in solch einer Situation ist, wird der Kopf nie gewinnen, weil das Unterbewusstsein viel stärker wirkt.
      Viele Grüße,
      Stefanie

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