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Felsen, Brezen, Bier – Ein Chilene im Frankenjura

Carlos Fischer | 24. August 2014
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“Was für eine schöne Gegend und was für tolle Felsen – hier will ich bleiben!” Das dachte sich unser Team-Mitglied Carlos, als er für einen Deutschlandbesuch seinen Jahresurlaub von ganzen 15 (!) Tagen genommen hatte und über 14000 Kilometer gereist war. Hier ein Streifblick, wie Carlos sein Vorhaben realisiert hat und was er heute darüber denkt.

Zum ersten Mal hatte ich vom Frankenjura gehört, als ich die Biographie von Wolfgang Güllich las.

Ich hatte durch meine Urgroßmutter, die Deutsche war, schon immer einen stärkeren Bezug zu Deutschland gehabt. Deshalb hatte ich an einem Goethe-Institut in meiner Heimatstadt Viña del Mar in Chile Deutschkurse genommen.

Meine erste Reise nach Deutschland war ein sehr besonderes Erlebnis. Die Kletterei im Frankenjura ist echt ein Traum. Das fränkische Bier und die Brezen, einfach herrlich. Und mir war klar: Ich komme zurück und will hier in Deutschland leben. Die einzigen Voraussetzungen: Ich wollte in der Nähe vom Frankenjura wohnen und genügend Zeit haben zum Klettern.

Endlich im Frankenjura, aber ...

Die für mich logischste Lösung lautete, dass ich studieren musste, und zwar so nahe wie möglich an den Felsen. Schließlich bin ich am äußersten Rand, in der wunderschönen Oberpfalz an einer Hochschule gelandet.

Doch nach der ersten Freude über die Aufnahme folgte die Ernüchterung. Leider hatte mir niemand verraten, dass in Bayern kein Hochdeutsch gesprochen wird. Meine ganzen Investitionen in die teuren Deutschkurse am Goetheinstitut haben mir kaum etwas gebracht! Die Vorlesungen in Oberpfälzisch zu verstehen, hatte mich viel Kraft gekostet. Selbst heute würde ich wahrscheinlich die Leute nicht komplett verstehen.

 

082414_Deutsche-Präpositionen
Wie bei Memorie: So habe ich die deutschen Präpositionen gelernt. Kämpfen für, gegen, mit, ...

 

Mit dem Fahrrad zum Fels

Aber das Wichtigste war, dass ich zwei Klettergebiete mit dem Fahrrad erreichen konnte und dort jedes Wochenende verbrachte.

In Chile hätte ich mir das nie vorgestellt! Dort ist ein Zustieg von einer Stunde für viele Gebiete typisch. Hier sind viele Orte so schnell erreichbar. Je nachdem, wo man wohnt, ist man in wenigen Stunden schon in einem anderen Land mit einer anderen Sprache und einer anderen Kultur.

Als wir mal im Schwarzwald waren, sind wir mit dem Fahrrad nach Frankreich gefahren, was auch sehr aufregend war. Das Fahrrad ist hier zu einem wichtigen Transportmittel für mich geworden, auch mit Schnee und Eis bin ich mit dem Fahrrad unterwegs.

 

082414_Radfahren-mit-Schnee
Am Anfang war ich so begeistert vom Fahrradfahren, dass selbst tiefer Schnee und Kälte mich nicht von einer Radtour abhalten konnten.

 

Deutsche Kuriositäten

Was ich sehr lustig fand, ist dass die Leute hier beim Wandern oft Sandalen mit Socken anhaben. Und dass die Dialekte in Deutschland so variieren können! Chile ist über 4000 Kilometer lang, aber der Akzent ist überall sehr ähnlich.

Was hatte mich noch gewundert? Dass Coca-Cola und Fanta gemischt werden zu Spezi, was hier ein ganz normales Getränk ist, das kannte ich vorher nicht. Dafür habe ich die Erfindung der Saftschorle lieben gelernt! Bei meinem ersten Besuch in Chile habe ich die Tradition bei meinen Eltern eingeführt, die jetzt ebenfalls nur noch Saftschorle trinken.

Die Pünktlichkeit gefällt mir ebenfalls sehr gut, ich glaube, das habe ich sehr übernommen.

Mein Fazit

Die deutsche Sprache zu lernen war schwer, vor allem die Vorbereitung auf die Deutschprüfung und noch mehr die oberpfälzischen Vorlesungen. Das hatte mich viele endlose Stunden gekostet, denn ich bin echt kein Sprachtalent.

Trotzdem habe ich mein Masterstudium erfolgreich abgeschlossen, worüber ich sehr froh war. Die ganze Mühe hatte sich aber voll gelohnt, denn die Kletterei in Franken hat alles wieder gut gemacht, auch das fränkische Bier und die Saftschorlen.

 

082414_Carlos-Fischer-Frankenjura

 

Würde ich wieder zurück gehen nach Chile?, fragen mich viele Leute. Ja, aber nur für eine Zeit in Urlaub, sage ich. Meine neue Heimat ist hier. Außerdem gibt es noch zu viele Gebiete und Routen im Frankenjura, die ich erkunden möchte.

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0 Kommentare zu “Felsen, Brezen, Bier – Ein Chilene im Frankenjura”

  1. Wunderbar, dass Deutschland nicht nur aus Meer und Küste, sondern auch aus tollen Klettermöglichkeiten besteht. Denn so ist für jeden etwas dabei: Ob Wasserratte oder Berggemse. Und die Berge müssen wirklich überzeugend sein, wenn man sich dafür sogar durch den Bayrischen Dialekt kämpft. Klettern im Freien: will ich auch mal ausprobieren!

  2. Schön, das eigenen Land mal aus einer fremden Perspektive zu erleben. Ich glaube, wir Deutschen wissen manchmal überhaupt nicht zu schätzen, in was für einem wunderschönen Land wir leben. Für uns sind die kurzen Distanzen und die Fahrradentfernungen so normal und deswegen schon nichts besonderes mehr! Eigentlich schade! Und die sprachlichen Differenzen gehen, glaube ich, uns allen so. Man muss schon in Bayern geboren sein, um diese Sprache zu sprechen! 🙂

  3. Was für ein tolles Erlebnis! Ich würde gerne dort Trekking machen. Ich denke, dass Deutsch kein problem für dich ist 😉 ! Teile uns mehr Bilder!

    Viele Grüße!

  4. Ich finde es sehr schön, dass Du trotz der vielen Steine im Weg Deinen Weg gegangen bist und es Dir so sehr hier in Deutschland gefällt! Die Berge tun sehr viel dazu! Seid wir mehr in Bayern sind, erleben wir auch viele Stunden in den Bergen. Dort kann man den Alltag hinter sich lassen und Geist und Seele etwas Gutes tun. Vielen Dank für Deinen schönen Bericht!
    Viele Grüße an Euch beide & weiter so!

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