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„Ich habe gerade keine Zeit zum Klettern, weil …“

Stefanie | 18. Oktober 2015
12 Kommentare

Mal ganz ehrlich, hast du diesen Satz auch schon so oft gesagt? Ich jedenfalls kenne ihn sehr gut und finde, dass dieser Satz furchtbar nervt. Umgekehrt kann er aber auch ein Ansporn sein. Nämlich für Veränderung und dafür, die eigenen Prios auf den Prüfstand zu stellen. Meine Gedanken zur DNX-Konferenz in Berlin, Kletterer-Lifestyle und Zeitorganisation.

“I choose Freedom!” Ein treffender Slogan, der auch mit dem Klettern sehr viel gemeinsam hat, dachte ich letzte Woche, als wir auf der DNX-Konferenz in Berlin einen Workshop gegeben haben.

Für diejenigen, die das kryptische Wort “DNX” zum ersten Mal lesen: Die DNX ist eine Bewegung, die von Marcus und Feli aus Berlin ins Leben gerufen wurde und sich mit den Themen Reisen und ortsunabhängiges Arbeiten beschäftigt. Ist euch vielleicht unter dem etwas merkwürdigen Ausdruck “Digitale Nomaden” bekannt, was bei zahlreichen Bloggern ein etwas kontroverses Thema ist und durchaus auch kritische Reaktionen hervorruft.

Wie auch immer dein Lifestyle aussieht und was auch immer dir wichtig ist – es ist einen Gedanken wert, sich mal auf das Thema einzulassen, wenn du denkst, du hättest zu wenig Zeit fürs Klettern.

Arbeiten ... aber mit mehr Unabhängigkeit

Frau beim Klettern
Keine Genusslöcher, ein völlig anderer Fels mit eigenen Herausforderungen an der Roca Oceánica, Chile. Dafür bin ich unglaublich glücklich an diesem Ort bouldern zu können!

Wenn jemand mich fragen würde, was die Leute gemeinsam haben, die auf solch eine Konferenz gehen, würde ich sagen: Sie haben alle Lust – oder besser gesagt Hunger – auf mehr Unabhängigkeit:

An diese Punkte denke ich auch immer wieder, wenn ich von einem Freund höre: “Mist, schon wieder Montag. Wir waren am Wochenende am Fels und das Wetter war genial. Ich freue mich schon auf das nächste Wochenende. Aber jetzt musst ich erstmal wieder arbeiten.”

Nicht, dass jetzt ein falsches Bild entsteht: Ich glaube, es geht nicht darum, sich vor Arbeit zu drücken und nur zu reisen und zu klettern.

Ich bin fest davon überzeugt, dass jeder eine Aufgabe braucht. Und da gehört Arbeit definitiv dazu, mal vom Einkommen abgesehen, um sich den Lebensunterhalt leisten zu können.

Worum es hier geht, ist die Überlegung, ob wir dem, was uns wichtig ist, genügend Zeit einräumen. Und wenn das nicht der Fall ist, haben wir es in der Hand, es zu ändern und flexibler zu gestalten.

"Ein etwas krasser Lebensstil ... und doch irgendwie cool"

Road
Kein Mensch weit und breit auf der Rückfahrt von einem Klettergebiet in der Wüste. Die Weite und Einöde sind nicht jedermanns Sache, ich finde sie herrlich.

Mit Nima, die auf der DNX ebenfalls einen Workshop gehalten hatte und die auch bei uns bloggt, haben wir uns dazu etwas länger unterhalten.

Wenn du die Storys auf unserem Blog schon eine Weile verfolgt, weißt du, dass Nima seit einigen Wochen in einem Wohnmobil lebt, im Moment in Spanien unterwegs ist und Klettergebiete vor der Tür hat.

“Wow. Sie schimpft nicht nur, dass sie so wenig Zeit hat zum Klettern und gerne mehr machen würde. Sie macht es. Sie lässt den Worten Taten folgen”, dachte ich für mich, als ich vor ein paar zum ersten Mal von ihren Plänen gelesen hatte.

Die Zelte komplett abbrechen? Käme für mich nicht in Frage. Dafür liebe ich Franken, die Felsen (an denen wir ruhig mehr Zeit verbringen könnten) und die malerische Umgebung viel zu

Was mich aber sehr reizt, ist der Gedanke, mehr das zu machen, was uns fasziniert: Klettern und Reisen über einen längeren Zeitraum, und dabei unseren Projekten weiterhin genügend Zeit zu widmen. In der richtigen Mischung. Den Alltag mal kräftig umkrempeln und andere Erfahrungen sammeln.

Unser Freund Ed aus UK macht das zum Beispiel. Er arbeitet in Kletterhallen als Coach, Schrauber und nimmt sich immer wieder eine Auszeit von einigen Monaten für einen Rock Trip, in denen er mit seinem Bus in Klettergebieten unterwegs ist.

Passt der Lifestyle? Oder braucht er Veränderung?

Nima hatte in ihrem Workshop etwas gesagt, das ich richtig treffend fand:

“Ihr müsst euch fragen, was ihr tatsächlich wollt. Das muss nicht unbedingt der Trend sein, den alle verfolgen. Das muss nicht die Weltreise sein, wenn ihr es nicht wirklich wollt. Ihr müsst euer eigenes Ding finden.”

Wanderausrüstung
Noch ist es richtig kalt im Klettergebiet von Socaire, Chile. Carlos hat die Kamera aufgestellt, um Timelapse-Aufnahmen vom Sonnenaufgang zu machen und schlummert weiter. Für eine Zeit finde ich es aufregend, auf Dauer brauche ich aber doch etwas mehr Komfort.

Ganz genau. Vielleicht sind dir Familie und Freunde, Ortsverbundenheit wichtig.

Vielleicht macht dir dein Job Spaß und gibt dir das, was du brauchst.

Vielleicht ist es genau das Richtige, unter der Woche in die Kletterhalle zu gehen, ab und zu auf ein verlängertes Wochenende nach Arco zu fahren und im Urlaub zum Klettern an einen wunderschönen Ort zu fliegen. Und dann passt es auch.

Wenn du aber das Gefühl hast, dass der jetzige Lifestyle nicht ganz stimmig ist und du mehr Zeit mit Klettern verbringen würdest, dann ist es Zeit, den Lifestyle zu hinterfragen.

Es ist dein Leben. Und du hast es in der Hand, daran etwas zu ändern!

Es muss nicht gleich eine Entscheidung, als Backpacker in den Klettergebieten der Welt unterwegs zu sein und von unterwegs aus zu arbeiten. Hier zwei praktische Tipps, die du umsetzen kannst:

Kleine Schritte sind sehr viel wirkungsvoller, weil wir die schneller angehen können. Und weil sie uns weniger Angst machen.

Carlos und ich haben einen etwas größeren Schritt gemacht und uns für eine dreimonatige Auszeit entschieden, die wir hauptsächlich in Chile verbringen werden. Von Nord nach Süd klettern, bouldern und trekken. In der Wüste, am Strand, in Wäldern und an Seen.

Unsere Projekte laufen weiter – ich bin gespannt, wie es mit der Selbstdisziplin klappen wird! Und mit der Selbstorganisation. In zehn Tagen geht’s los und es gibt noch eine Menge vorzubereiten. Unsere Eindrücke und Erlebnisse werden wir hier auf jeden Fall mit euch teilen.

Mein Fazit: Manchmal reicht eine kleine Veränderung

Jeder muss für sich entscheiden, was einem wichtig ist. Und dabei hat alles auch seine Berechtigung. Sei es der Kletterer, der in die entlegendsten Gebiete zum Klettern reist und minimalistisch lebt. Oder der Kletterer, der gerne draußen klettert und einen gewissen Komfort schätzt. Oder der Kletterer, in der Halle an interessanten Routen arbeitet und danach gerne ein Bierchen mit den Kletterfreunden teilt.

Ich persönlich habe von allen drei Typen etwas. Worauf ich jetzt aber richtig Lust habe, ist der erste Typ. Nicht auf Dauer. Die drei Monate reichen mir, glaube ich. Ich glaube aber auch, dass wir manchmal schon mit einer kleineren Veränderung mehr Lebensqualität haben können. Es ist mehr wert, einen kleinen Schritt zu machen, als auf den großen Schritt zu warten – denn der Tag “irgendwann” kommt bekanntlich nie.

Was denkst du dazu? Denkst du, es ist gut so wie es ist, oder hättest du lieber mehr Zeit für’s Klettern und Reisen? Ich freue mich auf deine Ideen und Kommentare!

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12 Kommentare zu “„Ich habe gerade keine Zeit zum Klettern, weil …“”

  1. Kennen wir auch noch, Alexander Lösl 🙂 Oder von nichts kommt nichts … und da ist es manchmal besser, bei Sonne am Schreibtisch zu sein. Andererseits ist es wichtig für sich selber den Ausgleich zu finden.

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