Kletterer vs. Kletterinnen: Was ist anders beim Yoga?
Stefanie | 13. März 2016
2 Kommentare
Auch wenn es sich jetzt sehr pauschal anhört: Männer und Frauen klettern unterschiedlich. Wie ist das beim Yoga? Was ist anders? Wie du als Kletterer oder Kletterin dein Yoga besser an deine Bedürfnisse anpassen kannst.
Wenn ich Kletterer und Kletterinnen beobachte, bin ich oft fasziniert, wenn Männer mit Leichtigkeit klettern und Frauen stark klettern.
Geht's dir auch so? Es kommt sicher vielen von uns ungewöhnlich vor. Weil wir davon ausgehen, dass es eher die Männer sind, die stark klettern und die Frauen die Beweglichkeit drauf haben, während die Kraft bei Frauen eine Herausforderung ist.
Dass der Körperbau bei Kletterern und Kletterinnen unterschiedlich ist, ist klar.
Auch, dass gewisse Muskeln und das Gewebe unterschiedlich sind. Insofern klingt es erst einmal logisch, dass Männer eher Schwierigkeiten mit der Beweglichkeit und Frauen mit der Kraft haben.
Aber: Bis zu einem gewissen Maß können wir daran etwas ändern. Hier zeige ich dir, wie Yoga dir dabei helfen kann, wenn du es an deine Bedürfnisse anpasst und wie sich Yoga für Kletterer und für Kletterinnen unterscheiden kann.
"Was ist meine Herausforderung beim Klettern?"
Diese Frage steht ganz am Anfang und ist unglaublich wichtig, wenn du wirklich gezielt an etwas arbeiten möchtest. Auch wenn du kein klares Bedürfnis identifizierst, wird dir Yoga natürlich helfen. Aber eben nicht so, wie wenn du die Klarheit hast, was dir fehlt und was du vermehrt üben möchtest.
Für Kletterer und für Kletterinnen gibt es viele Antworten, die sich überschneiden, wie zum Beispiel Ausdauer. Davon mal abgesehen: Bei vielen Kletterern sehe ich, dass
- hohe Tritte,
- präzise Fußarbeit und
- Klettern mit Leichtigkeit
eine Herausforderung sind, während es nicht bei allen, aber bei vielen Kletterinnen
- Kraft,
- Stabilität und
- Körperspannung
sind, die sie daran hindern, schwierigere Routen zu klettern. Versteh's richtig, es kann auch umgekehrt sein. Es sind eben Tendenzen, die ich oft beobachtet habe.
Mit deiner Herausforderung kannst du für deine eigene Yoga-Praxis also den Fokus setzen. Überleg dir, was dich beim Klettern sehr unterstützen würde, wenn du regelmäßig daran arbeitest.
Tipps zu Yoga für Kletterer

Wenn wir bei dem pauschalen Bild von oben bleiben keine individuellen Stärken/Schwächen und auch keine gesundheitlichen Beschwerden berücksichtigen, empfehle ich Kletterern vor allem:
- den Bauch und die Beine zu stärken für mehr Kontrolle bei hohen Tritten
- an der Hüftflexibilität zu arbeiten
- den unteren Rücken stärken, für ein Gleichgewicht zwischen der oberen und der unteren Muskulatur
- dem Rundrücken vorzubeugen
- die Beweglichkeit im Oberkörper und Rücken verbessern
- das Gleichgewicht und die Koordination zu verfeinern.
Ein paar hilfreiche Yoga-Übungen dafür sind:
- Bauchübungen, z.B. das Boot
- Standhaltungen, z.B. der Krieger II
- Übungen für mehr Hüftflexibilität, z.B. der Tempelsitz
- Übungen auf dem Bauch, in denen der Rücken arbeitet, z.B. die Kobra
- Rückbeugen, z.B. die Kobra oder der Fisch
- Drehhaltungen, z.B. der Drehsitz
- eine dynamische Gleichgewichtssequenz, z.B. der tanzende Shiva.
Natürlich gibt’s auch hier die eine oder andere Übung, die dir vielleicht weniger zusagt. Geht mir genauso. Probier deshalb am besten aus, wie du mit den Übungen zurechtkommst und find dabei heraus, was am besten für dich funktioniert.
Und Yoga für Kletterinnen?

Yoga für Kletterinnen finde ich noch spannender.
Vielleicht geht es dir wie mir, nämlich dass die oben genannten Themen wie Kraft, Stabilität und Körperspannung ein wichtiger Bereich sind, und gleichzeitig dass du nicht hyperflexibel bist. Muss man auch nicht sein! Auch wenn es zugegebenermaßen toll aussieht, wenn jemand einen Spagat hinlegt oder mit der Nase an die Knie oder gar an die Schienbeine kommt – ich habe mittlerweile folgende Überzeugung:
Eine gewisse Beweglichkeit ist beim Klettern unglaublich hilfreich. Zuviel Beweglichkeit bedeutet jedoch oft ein Stabilitätsproblem.

Wenn du also sehr beweglich bist, empfehle ich dir unbedingt, an der Stabilität im Rumpf, in den Armen und Beinen zu arbeiten. Im Yogaunterricht sehe ich oft flexible Frauen, die alle Beweglichkeitsübungen besser hinbekommen als die anderen Teilnehmer.
Bei allen Übungen, die mehr Kraft und Kontrolle erfordern, wird es bei ihnen allerdings problematisch. Und dann ist die Verletzungsgefahr höher, wenn man nicht aufpasst und die Übungen nicht anpasst.
Ganz allgemein denke ich, dass folgende Yoga-Bereiche für Kletterinnen interessant sind und fürs Klettern sehr helfen:
- Kraftübungen, die anfangs nicht zu fordernd sind und mit der Zeit intensiver werden: z.B. “Yogi-Push-Ups”, also Liegestützen mit einem Knie auf dem Boden, während das andere Bein in der Luft weg gestreckt ist.
- Übungen für mehr Körperspannung, darunter besonders Übungen für eine stärkere Bauchmuskulatur: z.B. eine Variante vom Boot
- Übungen für mehr Körperkontrolle: z.B. die Bretthaltung oder die Variante auf den Unterarmen (nur sinnvoll, wenn ihr keine Schulterprobleme habt) mit einer Flasche oder einem Block zwischen den Knien
- bei Bedarf Dehnungen für mehr Beweglichkeit im Oberkörper und in den Beinen: z.B. Drehsitze, Vorwärtsbeugen
Diese Übungen machen aus meiner Sicht am meisten Sinn, wenn du zuhause (also nicht in Verbindung mit dem Klettern) und regelmäßig daran arbeitest.
Mir persönlich hat der Fokus auf mehr Kraft, Stabilität und Körperspannung sehr geholfen, stärker zu klettern.
Früher war ich ein zierliches Pflänzchen und mir ging ruckzuck die Kraft aus. Gerade dann helfen Stabilität und Körperspannung sehr, um kraftsparender zu klettern. Kraft sehe ich hier als wichtigen Schlüsselfaktor, um in den Routen mehr Ausdauer zu haben und um kontrollierter (und verletzungsfreier) zu klettern.
Zusammengefasst
Die Übungsempfehlungen bedeuten nicht, dass du andere Übungen nicht mehr machen kannst. Ich glaube, es ist wichtig zu unterscheiden zwischen dem, welche Übungen dir Spaß machen (auch das gehört dazu) und welche Übungen eine Herausforderung sind und dich beim Klettern weiterbringen.
Und vor oder nach dem Klettern ist der Körper anders als zuhause. Die Zielsetzung ist eine andere, nämlich den Körper aufzuwärmen bzw. ihm einen Ausgleich zu geben. Auch hier ist natürlich jeder Körper anders und braucht vielleicht etwas anderes vor und nach dem Klettern.
Insgesamt sehe ich vor und nach dem Klettern aber nicht solch einen großen Unterschied, weil die Bedürfnisse durchs Klettern ähnlicher sind, als wenn es darum geht, gezielt an etwas zu arbeiten.
Was denkst du zu den Herausforderungen beim Klettern und wie Yoga für Kletterer und Kletterinnen einen Unterschied machen könnte?
Liebe Stefanie und lieber Carlos ,
Eure Arbeit mit Yoga und Klettern ist unglaublich toll !!
Meine Hauptherausforderung ist , schmerzfrei zu klettern (Schulter, Füsse /Fersen/) – ja wirklich !
relativ angstfrei zu sein …. ich muss kein Weltmeister sein aber glücklich …
ich mache regelmässig meine Übungen zuhause , mit bändern, Supertubes (perform-better-de) Yoga (anusara) …und möchte so lange wie möglich
diese Sport in der Natur geniessen. Zur Zeit klettere ich leichter um mich nicht in den Gelenken zu vernichten .
Hoffe es geht wieder mal anders aber ich wertschätze Eure Arbeit ungemein.
herzliche Grüsse, alexander
Lieber Alexander!
Danke für den lieben Kommentar!
Schmerzfrei klettern ist ein wichtiges Thema, das man meistens erst dann auf dem Schirm hat, wenn es mal nicht der Fall ist. Ich hoffe, die Übungen helfen? Manchmal hilft es auch, sich eine zweite Meinung zu holen. Der Idealfall, wenn auch manchmal schwer zu finden, ist dass der Therapeut ebenfalls klettert.
Eine schöne Woche für dich,
Stefanie