Klettern als Minimalist kletternder Affe
ClimbingFlex Ilustration

Klettern als Minimalist. Hast du damals auch so angefangen?

Carlos | 20. November 2016
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Erinnerst du dich daran, wie du mit dem Klettern angefangen hast? Warst du gleich voll ausgestattet mit allem Drum und Dran? Oder eine Zeit eher sparsam unterwegs? Ich erzähl dir hier meine Story und meine Gedanken zum Klettern als Minimalist.

In fast 4 Wochen ist schon wieder Weihnachten. Ging dieses Jahr gefühlt schneller als sonst, zumindest bei mir. Und es gibt noch so viel bei Fit4Climbing zu tun.

Auf der anderen Seite freue ich mich auf die kurze Winterpause. Wir werden Weihnachten mit unseren Freunden Dani und Julie in Patagonien verbringen. Trekken. Bouldern. Sternenhimmel bewundern.

Auch wenn wir nach unserem 8-tägigen Trekking mit dem Auto (und nicht nur mit dem Rucksack) unterwegs sein werden, freue ich mich wieder darauf, für ein paar Wochen mit weniger auszukommen. Den Computer zuhause zu lassen.

Als ich hier meine Ausrüstung sortiert habe, kamen Stefanie und ich auf das Thema Minimalismus. Genauer gesagt auf das Thema Klettern, wie viel man braucht und wie eine minimalistische Einstellung dazu passt.

Spannende Gedanken ergaben sich, die ich hier mit dir teilen will. Und mich interessiert, wie du ausrüstungsmäßig mit dem Klettern angefangen hast ... und was du zum Thema Klettern und Minimalismus denkst.

Der Start mit nichts ... und dann mit 6,25 Teilen

Am Anfang bin ich zuerst nur gebouldert. Der Vorteil beim Bouldern ist, dass du fast nichts brauchst. Deswegen denke ich, dass Bouldern mit dem Angebot in den letzten Jahren so einen Boom erfahren hat. Viele Nicht-Kletterer gehen eher mal zum Bouldern mit und finden dann daran Gefallen (oder auch nicht.)

Ich war damals Student und hatte am Anfang nicht mal Schuhe. Bin einfach barfuß gebouldert. Bis die ersten Blasen und Schürfwunden kamen. Autsch.

Dann habe ich mit meinem schwer ersparten Geld die ersten Kletterschuhe und Chalk gekauft. So ging's doch gleich besser.

carlos-walo-bouldern-totoralillo-2007
Ein Foto aus dem Archiv, 2007. Bouldern am Pazifik im kleinen Norden von Chile, Totoralillo. Da hatte ich meine Schuhe erst seit kurzer Zeit und wollte bouldern, was das Zeug hält. Ohne Crash-Pad, dafür mit Walo (auch wenn er den Job etwas zu entspannt macht).

Klettern: Kein Free-Solo-Purist

Ich wollte aber nicht mehr nur bouldern, sondern unbedingt auch klettern. Klettern erfordert aber mehr Ausrüstung, es sei denn du gehörst zu den Free-Solo-Puristen.

Ich definitiv nicht. Also habe ich mir dann einen Gurt und 3 Express-Schlingen zugelegt. Und mit 3 anderen Freunden zusammen ein Seil gekauft.

Mein Freund und ebenfalls Seil-Teilbesitzer Walo hatte damals eine einzige Express-Schlinge. Nur kommt man mit 4 Expressen nicht weit.

Beim Klettern haben wir uns dann immer mit anderen zusammengetan, um die Expressen und die Ausrüstung zum Sichern zu teilen.

Dann hat unser Freund Lucas uns beiden eine Expresse geschenkt.

Endlich mehr Ausrüstung

Irgendwann war ich mit der Uni fertig und bin meinen Job als Umweltingenieur angetreten. Das war für mich der Zeitpunkt, meinem Minimalismus-Dasein "Adíos" zu sagen.

Endlich ein eigenes Seil, ohne sich abzusprechen. Eigene Karabiner. Sicherungsgeräte. Andere Schuhe. Den Expressen-Bestand auf 13 Stück angehoben (meine halbe Expresse habe ich Walo überlassen).

Wie viel braucht man zum Klettern wirklich?

Wenn ich heute daran zurück denke, muss ich grinsen, wie primitiv wir mit dem Klettern angefangen haben.

Auf der anderen Seite hatte ich mit meinem Nebenjob im Klettergarten nicht viel verdient. Ganz klar hat es mich oft genervt, beim Klettern so eingeschränkt zu sein. Aber es ging trotzdem. Und wir hatten viel Spaß beim Klettern.

Heute gibt's Unmengen an Ausrüstung und neuer Technologie.

Und wie bei vielen Sachen: Manches ist eine große Hilfe. Manches braucht man wirklich nicht.

Sicherheit vs. Schnickschnack

Ein Freund von mir, Lucho, hat seine Kletterausrüstung seit 10 Jahren oder länger.

Beim Klettern geht's aber auch um Sicherheit. Seil, Expressen, Karabiner kaufe ich nach mehreren Jahren mit viel Einsatz lieber neu. Oder wenn sich Gebrauchsspuren zeigen.

Daniel ist ein anderer Freund von mir. Mit ihm habe ich meine erste Erfahrung im alpinen bzw. "andienen" Klettern gesammelt. Er ist der Kletterer mit der meisten Ausrüstung aus meinem gesamten Bekanntenkreis. Er hat alles, was du dir denken kannst.

Du braucht sicher mehr, wenn du mehr im alpinen Klettern mit Friends und Keilen unterwegs bist, wie er. Andererseits ist da auch viel dabei, was weniger erforderlich ist.

Der Punkt ist der.

Du kannst für deine Kletterausrüstung und schicke Kletterklamotten ein halbes Vermögen ausgeben.

Das Problem ergibt sich für mich dann, wenn du (dafür) so viel arbeitest, dass du ein Zeitproblem hast und nicht mehr so oft klettern kannst, wie du willst.

Mehr Ausgaben bedeutet, dass mehr reinkommen muss.

Ist es das wert?

Nichts gegen Arbeit. Ich habe auch dieses "Problem" mit der Zeit. Seitdem wir ClimbingFlex gegründet haben, gehe ich weniger klettern als früher. Aber es ist okay für mich, weil ich dafür brenne und im Moment nicht mehr 3 Mal pro Woche an die Wand muss.

Für mich geht's darum, die für sich richtige Mischung zu finden. Zwischen dem Klettern (= freie Zeit genießen) und die Brötchen dafür und fürs Leben/Reisen zu verdienen.

Anstatt sich alles Mögliche zu leisten (worauf man auch problemlos verzichten könnte), aber in einer Tretmühle zu landen, mit der man den Konsum finanziert. Manchmal ist es keine Tretmühle, sondern ein Job, der Spaß macht.

Manchmal aber auch nicht. Und dann von Klettertrip zu Klettertrip, von Wochenende zu Wochenende, von Feierabend zu Feierabend wirklich zu leben? Nein danke!

Fazit

Als reiner Minimalist muss man beim Klettern ganz schön hartgesotten sein oder Abstriche machen, um mit so wenig auszukommen. Ein Mindestmaß an Ausrüstung gibt Freiheit. Definitiv. Es macht das Klettern auch sicherer, finde ich.

Dann gibt's aber auch die andere (von mir extrem beschriebene) Seite. Ausrüstung, die du nicht unbedingt brauchst und hast, weil sie "gerade im Angebot" war. Oder 5 Paar teure Kletterhosen, von denen du gar nicht alle anziehst.

Konsum ist okay, solange er sinnvoll ist, meine ich. Was sinnvoll für dich persönlich ist, entscheidest du allein.

Jetzt interessiert mich deine Story. Was hattest du schon, als du mit dem Klettern angefangen hast? Was denkst du zu Minimalismus und Klettern?

 

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