Rückblick: 3 wichtige Lektionen von meinen Misserfolgen beim Klettern
Stefanie | 18. Dezember 2016
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Wie reagierst du bei Misserfolgen beim Klettern? Fängst du das Fluchen an? Lässt du dich runterziehen? Ignorierst du sie? Lernst du daraus? Ich teile hier 3 wichtige Lektionen aus meinen Misserfolgen.
Carlos und ich machen immer eine Rückschau zu Jahresende. Was hat dieses Jahr funktioniert, was nicht? Was haben wir daraus gelernt? Wie können wir es besser machen?
Diesmal habe ich die Rückschau auch fürs Klettern gemacht.
Hier möchte ich dir von dem Teil mit den Misserfolgen erzählen. Ich könnte dir natürlich auch erzählen, was alles super geklappt hat. Aber ich glaube, dass wir oft aus Fehlern viel mehr lernen können.
Was sind Misserfolge beim Klettern überhaupt?
Welche waren meine Misserfolge beim Klettern dieses Jahr und überhaupt bisher? Gute Frage!
Das Wort "Misserfolg" lässt sich auf verschiedene Arten interpretieren. Was für den einen ein Misserfolg ist, ist für den anderen Kletterer gar keiner.
Bedeutet Misserfolg beim Klettern für dich ...
- ... die Route nicht durchzusteigen?
- ... die Route "nur" im Top zu schaffen?
- ... dich nach dem Klippen erschöpft ins Seil zu setzen?
- ... wieder an der Schlüsselstelle zu stürzen?
- ... dass überhaupt nichts klappt?
- ... nicht einmal zum ersten Haken zu kommen?
- ... die Route abbrechen zu müssen?
- ... dich zu verletzen?
- ... ein sch$*!§ Gefühl beim Klettern zu haben?
Meine Misserfolge beim Klettern
Misserfolg beim Klettern geht für mich in die Richtung, dass etwas nicht so geklappt hat, wie erwartet.
Das passiert aber oft auch ohne dass es gleich ein Misserfolg ist.
In meinem Fall sehe ich zwei Tendenzen, denen ich einen "Misserfolgs-Stempel" geben würde.
Tendenz #1: nichts geht.
Tage, an denen wirklich gar nichts geht, sind für mich selten. Zwei Situationen sind mir in Erinnerung geblieben.
Einmal dieses Jahr in der Boulderhalle und 2014, am zweiten Tag auf Mallorca, nachdem wir uns die Nacht davor in den Bergen verfahren und 2 Stunden ausgehungert unser Haus gesucht haben.
In beiden Situationen hat nichts geklappt, was normalerweise gehen würde. Nach einem üblen Pendelsturz an einem Überhang hatte ich die Nase voll und war so frustriert, dass ich am nächsten Tag nicht mal mit zum Klettern gegangen bin. Schöner Urlaub ...
Tendenz #2: abgebrochen.
Hier sind mir drei Situationen in Erinnerung geblieben, von denen ich eine aber nicht unter Misserfolg, sondern unter "richtig gehandelt" einordne.
Wir waren am Wilden Kaiser und haben die Tour mit 7 Seillängen schon nach der ersten Seillänge abgebrochen. Die zweite Seillänge hatte eine breite Spalte, der nächste Haken vermutlich drei Meter über uns. Ein Sturz wäre hier gefährlich. Wir hatten nicht das geeignete Material dabei, um eine Zwischensicherung zu legen.
Schade um den Klettertag. Aber lieber so als umgekehrt. An dem Tag sind mehrere Hubschrauber zur Wand geflogen. Leider kein Einzelfall, meinte die Kellnerin im Wirtshaus in der Nähe.
Bei den anderen zwei Situationen hingegen habe ich keine wirkliche Gefahr gesehen. Aber mein Kopf hat so zugemacht, dass ich völlig blockiert war und mich nicht in der Lage gesehen habe, die Blockade zu durchbrechen.
Als ich noch nicht so lange geklettert bin, war ich mit einigen Freunden im Klettergebiet "Las Chilas" in Zentralchile, Nähe Santiago. Einer unserer Freunde ist die erste Route vorgestiegen, die relativ lang und durchaus fordernd ist. Nach dem vierten Haken kam er an einen Punkt, an dem sein Kopf blockierte. Er kam runter und hat gefragt, ob ich die Route klettern wollte.
Warum nicht, dachte ich.
Ich bin im Nachstieg los geklettert und würde ab dem vierten Haken vorsteigen. So der Plan. Tatsächlich bin ich im Vorstieg dann aber nur einen Haken weitergeklettert. Mehr ging nicht. Ich wurde so nervös, dass ich viel Kraft und Zeit verloren habe. Also bin ich wieder runter.
Ätzendes Gefühl, wegen dem Kopf abzubrechen. Auch wenn du unten bist, der Frust bleibt erstmal.
Das ist mir noch mal im Klettergebiet "La Pedriza", Nähe Madrid, passiert. Ich bin eine Seillänge vorgestiegen, bis zum 3. Haken. Dann hat mein Kopf dicht gemacht.
Die Pedriza ist bekannt für ihre Reibungskletterei. Auch wenn die Füße meistens irgendwie Halt finden ... du schleichst von einem Nichts zum nächsten Nichts. Eine sehr gute Schule für die Feinheiten beim Klettern. Nach so einer Route beschwere ich mich nicht mehr über mittelmäßige Kanten oder Löcher. Hauptsache, es gibt etwas!!
In diesem Moment ging aber gar nichts mehr. Ich bin runter und später im Nachstieg problemlos über die Stelle geklettert.
Ich war nicht darüber frustriert, "es nicht im Vorstieg geschafft zu haben". Sondern darüber, dass ich mich nicht überwinden konnte. Dass ich mich so blockiert habe, dass nur noch das Aufhören als Option schien.
Lektion 1: Sorg für einen Top-Zustand.
Der Zustand spielt eine entscheidende Rolle:
- körperlich
- mental
- emotional
Wenn gar nichts geht, dann stimmt meistens eine körperliche, mentale oder emotionale Komponente nicht.
Ein Misserfolg, der sich durch alle Routen zieht, ist für mich ein Stopzeichen,
- dass ich nicht auf meinen Energiehaushalt geachtet habe
- dass in meinem Körper und im Kopf zu viel Stress ist, den ich noch nicht losgelassen habe
- dass ich etwas ändern muss
Frag dich, wie es dir geht:
- Wie sind die Quantität und Qualität von deinem Schlaf?
- Konsumierst du Lebensmittel, die dir Energie geben?
- Fühlst du dich in Top-Form oder ausgelaugt?
- Hast du einen Laser-Fokus oder lässt du dich leicht ablenken?
- Bist du mit deinen Beziehungen und allgemein mit deinem Lifestyle glücklich?
Lektion 2: Dir fehlt noch ein Puzzle-Teil.
Ich bin oft an einen Punkt gekommen, an dem ich einfach nicht weiterkam. Auch wenn ich in einem noch so optimalen Zustand war.
Früher habe ich mich in so einer Situation unter Druck gesetzt, weil ich es unbedingt schaffen wollte. Manchmal habe ich das Fluchen angefangen. Das hilft für den Moment.
Was aber die Situation für mich verändert hat, war etwas anderes.
Es war der Wechsel von dem Gedanken "Verdammt, ich bin einfach kein Muskelprotz" hin zu "Ich bin noch nicht stark genug und ändere das".
Der Zauber liegt in dem Wort "noch". Du hast diese Fähigkeit noch nicht. Das heißt nicht, dass es so bleiben muss.
Wenn es dir wichtig ist, wirst du daran etwas ändern. Oder du änderst deine Haltung und kletterst glücklich Routen, bei denen du diese Fähigkeit nicht brauchst. Was ja auch völlig okay ist.
Lektion 3: Hör auf dich, verzögere aber den Impuls.
Gerade, wenn du das Gefühl hast, dass dich dein Kopf zurückhält, ist die Balance wichtig.
Hör auf dich, begib dich nicht in eine völlige Schocksituation, von der du dich lange erholen musst. Spring aber nicht sofort in die Komfortzone zurück, sobald es unangenehm wird.
Hol dir unangenehme Situationen scheibchenweise in deine Komfortzone rein.
Für mich wäre es damals besser gewesen, den Impuls "zu!" weiter hinauszuzögern. Vielleicht zwei, drei Mini-Stürze zu machen anstatt der halbherzigen Versuche knapp über dem Haken und dann wieder herunterzuklettern.
Ich glaube, es ist okay, die Grenze zu ziehen und die Route abzubrechen. Aber eben nicht sofort, sondern erst, wenn ich mich der unangenehmen Situation ausgesetzt habe. Und dann verringert sich vielleicht die Angst und du schaffst es doch noch.
Fazit
Misserfolge beim Klettern sind ein spannendes Thema, das zu wenig wirkliche Beachtung hat, finde ich.
Es gibt immer einen Punkt, an dem wir landen und nicht weiterkommen.
Vielleicht ist es einfach die Route, die nicht passt. Manchmal ist es wegen der Bedingungen, an denen wir wirklich nichts ändern können.
Manchmal können wir aber sehr wohl etwas daran ändern, wenn wir nicht nur schimpfen, sondern uns fragen, was konkret uns gerade zurückhält. Und dann ins Handeln gehen, wenn es uns wichtig genug ist.
Dann liegt es vielleicht aber auch daran, dass du nicht den erwarteten Output bekommst, weil dein Input von deinem körperlichen, mentalen und emotionalen Zustand nicht optimal ist. Wo musst du mehr auf dich achten?
Ein Misserfolg, der mit dem Kopf zu tun hat, ist für mich ein Zeichen, dass du an deiner jetzigen Grenze angekommen bist. Dass du kurz davor stehst, wieder ein Stück mehr zu wachsen. Setz dich dieser Erfahrung aus, aber hör auf dich.
Hast du schon mal deine Misserfolge beim Klettern analysiert? Welche wertvollen Lektionen haben sich für dich daraus ergeben?