Outdoor-Yoga mit Hindernissen
Nima Ashoff | 11. Oktober 2015
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Seit drei Wochen lebe ich in einem zum Wohnmobil ausgebauten Oldtimerbus. Heute geb ich dirEinblicke in mein mobiles Leben und mit welchen Hindernissen ich es beim Outdoor-Yoga zu tun habe.
Endlich ist der lang ersehnte Tag da, an dem wir aus der Wohnung aus- und in unseren Bus Horst einziehen: Ab heute findet mein Leben auf Rädern statt.
Wie ist es dazu gekommen?
Vor drei Jahren habe ich für 15 Monate in Spanien gelebt und seitdem war klar, dass ich wieder dort hinziehen möchte. Um das ganze Land ausgiebig erkunden zu können, kam meinem Freund und mir die Idee, in ein Wohnmobil zu ziehen. So sind wir komplett ortsunabhängig und arbeiten über das Internet – ideal!
Dieses mobile Leben bietet weniger Komfort als eine Wohnung, dafür mehr örtlicher Freiheit und Flexibilität.
Es erfordert von mir allerdings auch mehr Anpassungsfähigkeit, denn unser Alltag wird deutlich stärker vom Wetter bestimmt.
Während ich in unserer Wohnung einen festen Rhythmus für das Yoga etabliert habe, muss ich mich davon jetzt verabschieden.
Meine Yoga-Zeiten werden ab sofort von den Wetterbedingungen und unseren Aufenthaltsorten mitbestimmt.
Outdoor-Yoga auf dem Werkstattgelände

Erster Anlaufpunkt nach unserem Auszug: Ein Werkstattgelände im Allgäu!
Steve, mein Freund, muss noch einige Dinge am Bus richten, bevor wir in Richtung Spanien aufbrechen können.
Horst hält uns außerdem mit unerwarteten Defekten auf Trab und verzögert unsere Abreise nach Spanien um ganze zehn Tage.
Eine Zeit, die wir zwischen kaputten Autos und alten Reifen in einem Gewerbegebiet verbringen.
Hör mal wer da hämmert
In dieser Phase, die emotional ziemlich aufwühlend ist, stellt das Yoga für mich einen Fixpunkt dar. Hier kann ich abschalten, den Kopf freibekommen, etwas für meinen Körper tun und ein wenig Energie tanken.
Fokussieren lernen
Von meiner gewohnten Yoga-Routine bin ich allerdings meilenweit entfernt.
Zeit für Yoga ist dann, wenn meine Hilfe am Bus gerade nicht gebraucht wird oder ich nicht als Baumarkt-Kurier einspringen muss.
Nachmittags um drei Uhr stehe ich bei 30 Grad im Schatten mit meiner Yoga-Matte suchend da: Wo finde ich hier bloß ein ruhiges Plätzchen zum Üben?
Zwei defekte Autos bieten mir Sichtschutz und der Platz reicht auch aus.
In den nächsten 20 Minuten lerne ich die Bedeutung von Fokussieren viel intensiver kennen, als ich es in der Ruhe meiner Wohnung jemals hätte erfahren können.
Da rauscht ein LKW mit 60 Sachen an mir vorbei, woanders kreischt eine Säge, aus der Werkstatt dröhnt ein metallisches Hämmern.
Auf den Atem konzentrieren – die Bewegungen bewusst wahrnehmen – Gedanken fließen lassen.
Entgegen meiner Erwartung fühle ich mich nach den 20 Minuten erfrischt und deutlich erholt: Werkstatt-Yoga hat geklappt!
Üben ohne Anleitung

Das einzige, worauf ich verzichten muss, ist die Video-Anleitung. Zum ersten Mal stelle ich mir die Übungen selber zusammen und stehe vor diesen Fragen:
- Wie fange ich am besten an?
- Welche Übungen fallen mir ein?
- Wie gestalte ich die Übergänge?
Der Krieger, der Sonnengruß, der Baum.
Drei Positionen, die ich im Kopf habe, sind der Krieger, der Sonnengruß und der Baum.
Den Sonnengruß empfinde ich als angenehmen Einstieg und komme nach ein paar Wiederholungen langsam im Yoga an.
Der Katzenbuckel und der Hund sind mir inzwischen auch vertraut, auch sie lassen sich problemlos einbauen.
Den Baum mag ich gerne, um mich zu fokussieren und er klappt selbst auf dem Bus.

Dann noch die Standwaage, das Dreieck, der Tempelsitz und das Boot.
Ich bin überrascht, wie viele Übungen ich doch schon auswendig kenne.
Ob die Übergänge nun ideal gestaltet sind, ist mir im Augenblick nicht wichtig. Hauptsache, ich mache überhaupt etwas.
Bewusst lege ich auch meine Uhr beiseite und mache so lange Yoga, wie ich dazu Lust habe. Mir ist es wichtig, aus dem Denken heraus- und ins Fühlen reinzukommen.
Es ist, wie es ist
Nimm die Dinge, wie sie sind – das habe ich in den ersten Wochen meines mobilen Lebens lernen dürfen.
Das regelmäßige Yoga fehlt mir im Augenblick, aber es lässt sich nicht erzwingen.
Jetzt, nach vier Wochen, sind wir endlich in Spanien angekommen. Die Sonne scheint und dem Outdoor-Yoga stehen nun hoffentlich weniger Hürden im Weg.
Zwischendurch hole ich mir nun wieder Inspiration durch die Video-Anleitung, möchte aber mehr ins freie Üben kommen.
Wie gestaltest du den Übergang vom angeleiteten Yoga in die eigene Praxis?
Was wir nach dem Klettern machen ist auch Yoga ohne Anleitung. Nach dem Klettern finde ich dass man meistens recht schnell merkt, was der Körper braucht. Im Alltag ist das nicht immer so leicht. Aber für z.B. eine Morgen- oder Nachmittagsroutine finde ich es am hilfreichsten, einfach merkbare Übungen in überschaubarer Anzahl zu machen. Die kann man auch immer wieder machen, z.B. Baum, Standwaare, Dreieck.
Da kann ich Dir nur zustimmen, Nima. Der regelmäßige Ort und Zeit für Yoga ist tatsächlich auch das, was mir im Wohnmobil am meisten fehlt.
Dabei sind es nicht einmal die Übungsfolgen, die mir schwer fallen, sondern den ruhigen Platz zu finden.
Für die Übungen habe ich im Vorfeld unserer Entscheidung, die Wohnung aufzulösen, mit meiner Yogalehrerin ein paar Sequenzen zusammengestellt. Sie sind in meinem „Yogabuch“ mit verschiedenen Mantren zusammengefasst. Bevor ich beginne, lasse ich mich dort inspirieren – und weiche je nach Gusto davon ab.
Weiter erfolgreiches Outdoor-Yoga und hoffentlich bis bald mal.
Stefanie