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Wie mir Sturztraining hilft, mich beim Klettern mehr zu trauen

Nima Ashoff | 8. Januar 2017
3 Kommentare

Seit über einem Jahr rede ich davon, dass ich endlich einmal Sturztraining machen sollte. Genauso lange schiebe ich es auch schon vor mir her. Jedes Mal, wenn mein Freund und ich mit dem Vorsatz an den Fels gehen, das Fallen zu üben, weichen wir in letzter Sekunde wieder von dem Plan ab. Irgendwas hält uns davon ab, uns endlich mit diesem wichtigen Thema zu konfrontieren.

Während ich Angst vor Fallen habe, ist Steves Problem, seinem Sicherungspartner zu vertrauen. Und so kommt es, dass wir weiterhin innerhalb unserer Komfortzone klettern und frustriert sind, weil wir nicht vorankommen. Im Gegenteil. Wir verlieren sogar immer häufiger die Lust am Klettern.

Als wir im griechischen Klettergebiet Leonidio auf den 52-jährigen Gerd und seinen 24-jährigen Sohn treffen, kommen wir auch auf das Stürzen zu sprechen.

Gerd klettert schon über 20 Jahren und gibt Kurse, sein Sohn hat mit 13 zum ersten Mal eine 8a geklettert und absolviert zurzeit eine Ausbildung zum Klettertrainer beim DAV. Beide sind am Fels voll ihn ihrem Element und auch mit der Durchführung von Sturztrainings bestens vertraut.

Kurzentschlossen frage ich sie, ob sie nicht Lust hätten, Steve und mich dabei zu unterstützen.
Zu meiner Freude sage sie zu und so stehen wir zwei Tage später aufgeregt am Fels.

Jetzt gibt es keinen Platz mehr für Ausreden, heute wird gestürzt!

Alleine der Gedanke daran hat mich nachts unruhig schlafen lassen. Als ich nun vor der ausgewählten Übungsroute stehe, bin ich nervös, aber entschlossen. Gerd und Max hängen die 6er Route für uns ein. Sie bietet sich ideal zum Üben an und da ich sie schon mal geklettert bin, weiß ich, was mich erwartet.

Der erste Sturz: Ich erwarte das Schlimmste

Im ersten Schritt geht es darum, dass wir das Stürzen im Nachstieg üben, um ein Gefühl fürs Fallen zu bekommen. Außerdem wäre bei meiner Angst der Schritt viel zu groß, direkt im Vorstieg damit anzufangen.

Am vierten Bolt habe ich eine gute Höhe, um mich das erste Mal bewusst ins Seil fallenzulassen. Einfach den Hintern nach hinten bewegen, als wolle ich mich setzen, die Hände vom Griff lösen und seitlich wegstrecken – los geht’s!

Ich erwarte das Schlimmste, mein Herz rast wie verrückt, aber dann stelle ich erleichtert fest: Es war ja gar nicht schlimm.

Also direkt nochmal und nochmal, bis es mir immer leichter fällt, die Hände vom Fels zu lösen.

Nachdem das gut funktioniert, gehen wir einen Schritt weiter. Jetzt bekomme ich ein wenig Schlappseil – natürlich noch immer im Nachstieg – sodass der Sturz etwas weiter wird.
Wieder rast mein Herz, wieder stelle ich fest, dass es gut klappt.
Nach einer ausgiebigen Pause wiederholen wir das Vorgehen in einer andere Route, die deutlich ausgesetzter ist.

Mir schießt das Adrenalin durch den Körper als ich im Nachstieg ungefähr 3m falle. Auch das wiederhole ich ein paar Mal, bis es sich besser anfühlt, dann ist Schluss für heute.

Sturztraining in den Alltag integrieren

An unserem nächsten Klettertag sind Steve und ich wieder auf uns alleine gestellt. Aber anstatt uns wie gewohnt vorm Sturztraining zu drücken, bauen wir es direkt in die erste Route ein. Ich übe zuerst nochmal im Nachstieg, dann im Vorstieg einer 5b. Erst springe ich direkt an der Exe, beim nächsten Go klettere ich ein Stückchen drüber.

Alles klappt so gut, dass ich einen Schritt weitergehen und mich der kniffligen 5c+ nebenan stellen möchte. Ich kenne sie schon von unserem letzten Besuch in diesem Sektor und weiß, dass es ihre beiden Schlüsselstellen in sich haben.

Entsprechend herausfordernd ist es für mich, diese Route im Vorstieg zu klettern. Hätte ich mich vor wenigen Tagen noch mit Händen und Füßen dagegen gewehrt, klettere ich sie heute ohne Probleme durch – angstfrei!

Fazit

Für uns war es wichtig, das Sturztraining unter Anleitung einer Person zu machen, die absolute Ruhe ausstrahlt und auf diesem Gebiet kompetent ist. So konnten wir uns – trotz der Aufregung – etwas entspannen und haben uns sicher gefühlt. Gerd hat uns beim Sichern beobachtet und wertvolles Feedback gegeben, das wir sofort umsetzen konnten.

Schon die wenigen Sturzübungen haben uns tatsächlich geholfen, Vertrauen in uns selber und den anderen aufzubauen. Ab sofort heißt es beim jedem Klettertag: Lass dich fallen!

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3 Kommentare zu “Wie mir Sturztraining hilft, mich beim Klettern mehr zu trauen

  1. Ich finde es beim Sturztraining wichtig, in kleinen Schritten vorzugehen, wie du es beschreibst. Mich auf Höhe der Exe fallen zu lassen und 3 Meter zu fallen, finde ich nicht so schlimm wie weit über dem Haken zu sein und 3 Meter zu fallen.
    Den Punkt, den du zur Unterstützung schreibst, finde ich auch wichtig. Wenn das Vertrauen nicht da ist, geht das gar nicht. Wenn die Übung nicht da ist (auch beim Sichern eines Sturzes), ist auch das Vertrauen in die Kompetenz nicht da.

    Ich habe Sturztraining immer dann gemacht, wenn ich gemerkt habe, dass ich eine Blockade habe oder nach einer Kletterpause etwas gehemmt klettere. Zwischen den Sturztrainings kann’s also recht lange Pausen geben, aber dranbleiben ist definitiv besser für den Kopf, denke ich.
    Was hat Gerd euch noch für Feedback gegeben?

  2. Hallo Stefanie,
    wir haben zwar erst vor Kurzem mit dem Sturztraining begonnen, aber ich merke schon nach den wenigen Malen, wie sehr es mir an jedem neuen Klettertag hilft.
    Gerd hat mir bzw. uns unter anderem gezeigt, wie wir als Sicherer am besten stehen, um den Sturz möglichst weich abzufangen. Durch die Übungen weiß ich nun, wie es sich anfühlt, wenn Steve stürzt und bin weitaus entspannter als vorher. Früher hatte ich schon fast Angst davor, dass er fällt und es mich aus den Socken haut 😉
    Liebe Grüße
    Nima

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