Wie sicher ist Online-Yoga?
Stefanie | 19. Juli 2015
8 Kommentare
Yoga 24 Stunden, 7 Tage die Woche. Als Kletterer sehr praktisch, wenn man nicht an feste Studiozeiten gebunden ist. Und: Es hilft einem sehr, sich weiterzuentwickeln, anstatt ausschließlich für sich zu üben. Andererseits ist kein Lehrer da, der einen korrigiert. Kann das gefährlich sein? Wie sicher ist Online-Yoga? Meine Gedanken zu kritischen Punkte beim Online-Yoga … und beim Studio-Yoga.
“Hm, was kommt denn jetzt? Ihr bietet doch selber Online-Yoga an!” denkst du dir vielleicht jetzt.
Die Idee zu diesem Artikel kam mir durch einen Kommentar von Pamela auf Nimas Artikel “Mein neues Abenteuer: Yoga für Anfänger”. Danke, Pamela! Du hast einen wichtigen Punkt angebracht, der mir gar nicht mehr bewusst war – und der sehr, sehr wichtig ist.
Lass uns deshalb mal den Punkt Sicherheit beim Online-Yoga genauer betrachten.
Welche Gefahr gibt's bei Online-Yoga?

Aus meiner Sicht liegt die Gefahr bei Online-Yoga darin, dass man Yoga-Übungen macht, die für einen persönlich ungeeignet sind und die eigenen Bedürfnisse hinten anstellt. Das ist besonders dann der Fall, wenn wir:
- gesundheitliche Probleme haben, die mehr Aufmerksamkeit benötigen
- unsere Bedürfnisse sehr speziell sind
- (noch) nicht körperlich und mental bereit sind für die Anforderungen dieser Übung
Es ist keiner anwesend, der einem die Übung “verbietet” und eine Alternative anbietet.
Die Verletzungsgefahr ist ebenfalls groß, wenn wir nicht präsent sind, sondern mit den Gedanken völlig woanders und unserem Körper nicht zuhören.
Und ein ganz wichtiger Punkt, vor allem für Sportler: Wenn wir mit falschem Ehrgeiz an die Sache gehen, die Körpersignale ignorieren und denken, dass wir sportlich und stark sind, das müsse doch funktionieren – dann passieren Verletzungen besonders schnell.
Kann das auch im Yogakurs passieren?

Korrekturen eines erfahrenen Yogalehrers können hier sehr wertvoll sein – wenn die Gruppe klein genug ist, so dass er noch auf jeden Teilnehmer eingehen kann. Allerdings wird Yoga im Studio oft mit einer Garantie in Verbindung gebracht, dass nichts passieren. Die Garantie gibt es aber nicht.
Denn ein Lehrer kann auch nur beobachten, was er sieht und kann eine Situation anders einschätzen, als es der Fall ist. Der Lehrer wird sich nie in einen Teilnehmer hineinfühlen können. Im schlimmsten Fall kann eine Korrektur Schmerzen bereiten bis einen Schaden anrichten, wenn der Lehrer es gut meint und versucht, einen Teilnehmer in die Übung zu drücken.
Das habe ich einmal selbst erlebt, als ich in einer Stunde mitmachte und wir meine “Lieblingsübung”, den Pflug, machten. Und gerade in dieser Übung, bei der ich sehr vorsichtig bin, hatte der Lehrer mich etwas zu schnell noch mehr in die Übung gezogen, was echt wehtat. Das ist für mich nicht Sinn der Sache!
Deshalb ist es so wichtig, dass der Lehrer das Feingefühl hat um zu wissen, wie weit der Schüler mit seiner Hilfe gehen kann – und dass der Schüler natürlich seine Rückmeldung gibt.
Denn wie gesagt, ein Lehrer kann nur beobachten und vermuten, aber nie fühlen, wie sich die Haltung und Hilfestellung tatsächlich anfühlen.

Gegen übermäßigen Ehrgeiz und Gruppenzwang kommt allerdings auch ein Lehrer kaum an, wenn er freie Wahl lässt, meine ich. Es sei denn, man sagt speziell zu einem Teilnehmer, eine andere Variante sei besser für ihn.
Ich selbst beobachte in meinen Stunden oft, dass einige Teilnehmer sich und vielleicht auch den anderen etwas beweisen möchten und mit Ach und Krach die schwierigere Variante probieren.
Wenn du mit mir Yoga machst, weißt du, dass ich sehr dafür bin, sich zu fordern und was auszuprobieren.
Sobald wir jedoch merken, dass der Atem stockt, dass wir die Übung nicht stabil halten können, oder dass die Übung uns in dieser Form überhaupt nicht gut tut, sollten wir die Übung unbedingt anpassen. So lautet die Empfehlung. Letztlich liegt es aber einzig und allein am Teilnehmer, das selbst zu entscheiden.
Mein Fazit zum Online-Yoga
Ich selbst habe 2005 mit einem Yogakurs angefangen und bin dann zum Online-Yoga gekommen, das mich durch die Flexibilität sehr angesprochen hat, denn ich wollte mehr als nur einmal in der Woche Yoga machen und Zeit für andere Aktivitäten haben. Die persönliche Story dahinter erzähle ich euch mal in einem anderen Artikel.
Zurück zur Sicherheit beim Online-Yoga. Wann macht Online-Yoga aus meiner Sicht keinen Sinn?
Wenn die Online-Kurse nicht zu den speziellen Bedürfnisse passen und wenn es gesundheitliche Probleme gibt. Dann sollte ein qualifizierter Lehrer besser individuell mit euch arbeiten, am besten im therapeutischen Yoga oder Vini Yoga. Denn dann sind meistens Alternativen gefragt, die euch nur ein Lehrer im direkten Austausch geben kann.
Für alle gesunden Kletterer denke ich, dass, genau wie in einem normalen Yoga-Kurs auch, zwei Punkte wichtig sind:
Punkt 1: Präsent sein und dem Körper zuhören.
Punkt 2: Sich erlauben, sich zu fordern – ebenso wie es sich erlauben, einen Gang zurückzuschalten oder die Übung anzupassen. Manchmal ist weniger mehr.
Wenn wir das berücksichtigen, ist Online-Yoga aus meiner Sicht eine hervorragende Möglichkeit, sich orts- und zeitunabhängig etwas Gutes zu tun, was sich beim Klettern zeigen wird.
Was denkst du dazu? Hast auch du Bedenken oder Anregungen zum Online-Yoga oder zur Yoga-Praxis für sich?
Das ist eine gute Idee, den Laptop neben den Übungsplatz zu stellen. Darauf bin ich noch gar nicht gekommen. Somit habe ich das Bild auf Augenhöhe und kann die Übungen direkt mitmachen. Genial. Danke für das Foto!!! Das macht das Szenario so schön plastisch.
Hey Astrid Marie, bei der „idealen“ Höhe muss man manchmal ein bisschen herumexperimentieren. Für manche Übungen wie Standhaltungen ist ein Couchtisch praktisch, für Übungen am Boden (Bretthaltungen, Rückbeugen, Sitzhaltungen) macht es vielleicht mehr Sinn, den Laptop schräg am Boden zu platzieren. Oder wenn du einen großen Fernseher hast, ist das natürlich auch eine praktische Option 🙂 Weiterhin viel Spaß!
Vielen Dank für die Zusatzinformationen! Sehr hilfreich
Überhaupt finde ich diese Seite sehr schön gestaltet! !!
Vielen dank für dein Feedback, Astrid Marie 🙂
Guter Artikel. Die Frage habe ich mir auch schon öfter gestellt. Schliesslich sehe ich mich selber nicht (wer hat schon einen großen, bodentiefen Spiegel an der richtigen Stelle!) und es kann auch keiner meine Übungen kontrollieren.
Im 1. Moment fühlt es sich vielleicht komisch an, aber man kann ja einfach mal die Telefonkamera, etc. mitlaufen lassen während der Yoga-Session. Im Anschluss daran anschauen und sich selbst analysieren, ob Körperspannung, richtige Stellung etc. ausreichend vorhanden war. Das Körpergefühl lässt sich damit ganz gut schulen, wenn man ältere und neuere Aufnahmen miteinander regelmäßig abgleicht.
Schöne Idee, An Di! Vor allem der Vorher-Nachher-Vergleich kann auch motivieren.
Nicole Christine Läbe stimmt, es gibt einige Übungen, da ist es sicher besser, wenn jemand zuschaut und korrigiert. Mindestens genauso wichtig, wenn nicht noch wichtiger, ist jedoch sich selbst zuzuhören, sowohl in der eigenen Praxis als auch in einem Kurs.
Fordern ist erlaubt und erwünscht, Schmerzen nicht. Und das kann auch ein Yogalehrer nur sehen, wenn man die entsprechende Rückmeldung gibt. Deshalb: Bei aller „Weisheit“ des Lehrers immer noch selbst beobachten 🙂