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[Infografik] 6 Tipps, wenn beim Klettern gerade nichts mehr geht

Stefanie | 22. Mai 2016
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Was tun, wenn beim Klettern gerade nichts mehr geht? Wenn die Route einfach nicht klappen will? Manchmal ist das nicht so schlimm und nervt vielleicht nur ein bisschen. Manchmal kann es einem aber voll den Tag vermiesen. Kennst du das auch? 6 Ideen und eine Erinnerungs-Grafik zum Downloaden für dich, um beim Klettern aus dem Motivationsloch zu kommen.

“Das war mal ein echt genialer Kletter-Tag!”

“Ja, absolut!”

Ich sagte nichts dazu. Wir waren am Wochenende den zweiten Tag klettern, in einem schönen Gebiet bei Córdoba, Spanien. Fred und Tomás, mit denen ich während meiner Spanien-Zeit oft unterwegs war, waren richtig gut drauf und haben das Klettern an dem Tag voll genossen.

Ich überhaupt nicht. Bei mir ging nämlich gar nichts. Eine Route mit Reibungskletterei hatte mir voll Angst gemacht. Wahrscheinlich weil ich immer nah am Sturz dran war, aber nie gestürzt bin.

Die Nervosität hat mich dann voll blockiert. Gleichzeitig hat es mich furchtbar genervt, dass ich mich das so beeinflusste. Und es hat mich noch mehr genervt, dass es bei Fred und Tomás so gut lief. Egoistisch. Aber es war mir in diesem Moment total egal.

Solche frustrierten Momente hatte ich auch davor schon zwei Mal gehabt. Wie ich das gerade schreibe, merke ich, dass ich sie heute so gut wie gar nicht mehr habe. Natürlich gibt’s bei mir auch Tage, an denen nichts geht. An denen ich unter meinem Limit klettere. Aber ich lass mich davon nicht mehr wie früher in einen Emotionsstrudel zwischen Ärger und Frust mitreißen.

Woran liegt’s? An einer Mischung aus mehreren Faktoren, die auch bei dir die eine oder andere Veränderung bewirken können.

Den Zustand beim Klettern verändern

Der eigene Zustand und wie wir ihn verändern können ist etwas, was ich unglaublich spannend finde. Weil er einen so großen Einfluss hat auf alles, was wir machen. Und aufs Klettern.

Was wir oft vergessen: Wenn wir den Zustand auf einzelne Bestandteile reduzieren, werden wir immer nur einen kleinen Teil sehen können.

Manche sehen beim Zustand hauptsächlich den körperlichen Zustand. Andere den emotionalen Zustand. Oder den energetischen Zustand. Letztendlich spielen aber sowohl der körperliche, als auch der emotionale und mentale Zustand eine wichtige Rolle.

Zwei Beispiele:

Klingt nachvollziehbar, oder? Und trotzdem vergessen wir das manchmal.

Genauso vergessen wir oft das hier:

Lass uns jetzt zu 6 pragmatischen Ansätzen kommen, wie wir handeln können, wenn wir merken, dass beim Klettern nichts geht und dass unsere Laune droht, in den Keller zu sinken.

6 Ideen, um den Zustand zu verändern

Falls du zu den Schnelllesern gehörst: Weiter unten gehe ich auf die 6 Punkte ein. Die Zusammenfassung findest du hier in einer Infografik. Du kannst sie als Erinnerung gern runterladen und ausdrucken. Ich hab dir auch 3 Yoga-Haltungen reingepackt, mit denen ich für solche Momente sehr gute Erfahrungen gemacht hab.

Infografik Zustand Klettern bei Leistungstief

 

Idee #1: Pause oder Stärkung gefällig?

Ich bewunder die Kletterer, die pflegeleicht sind und mit wenig Essen auskommen. Ich bin da ein schwieriger Fall. Essen ist wichtig. So, dass ich nicht mit vollem Magen klettere und trotzdem nicht gleich Hunger bekomme.

Auch wenn du denkst, dass du gut zurechtkommst mit dem Essen und Klettern: Ich empfehle dir, dich zu fragen, ob du Treibstoff brauchst, oder vielleicht auch nur eine Pause, wenn du merkst, dass deine Leistung abfällt.

Wenn du wissen willst, welcher "Treibstoff" bei mir am besten funktioniert, schau in die Artikel Ausgerechnet grüne Smoothies! und Was ist das beste Essen fürs Klettern? rein.

Ach ja, und: Frag dich, ob deine Verpflegung fürs Klettern für dich passt. Also ob du dich damit richtig gut fühlst. Und ob du das Gefühl hast, dass dich deine Stärkung wirklich stärkt oder eher runterzieht.

Idee #2: Durchbrich das emotionale Muster

Wenn wir erst mal in einer Negativ-Gedankenschleife drin sind, ist es mit rationalen Argumenten sehr schwer, da wieder rauszukommen.

Kennst du vielleicht auch beim Klettern. Wenn die Angst einmal da ist und groß wird ... gar nicht leicht. Hier ein paar Ansätze, die beim Klettern oder wieder auf dem Boden helfen können:

Zugegeben, manche dieser Ideen hören sich erst mal merkwürdig an. Sind sie teilweise auch. Allerdings sind auch unsere Emotionen in solch einem Moment merkwürdig und brauchen etwas verrücktere Ansätze.

Idee #3: Geh eine Stufe zurück oder lass es gut sein

Okay, nehmen wir an, es geht bei deinem Projekt gerade nichts, auch wenn du heute schon drei Ansätze gestartet hast.

Nicht jeder Tag ist gleich. 100 Prozent zu geben heißt nicht, dass das Ergebnis jedes Mal gleich aussieht. Manchmal bedeuten 100 Prozent heute vielleicht 80 Prozent an einem anderen Tag.

Entscheide, ob du es dann lieber für heute sein lassen möchtest und deine Kletterfreunde unterstützt.

Oder ob du die Schwierigkeit anpassen möchtest und so trotzdem noch ein Erfolgserlebnis schaffst. Die Schwierigkeit anpassen heißt zum Beispiel:

Ich selbst habe mit beiden Optionen gute Erfahrungen gemacht. Aufhören, wenn ich merke, dass ich körperlich nicht mehr viel geben kann, es so akzeptieren und trotzdem eine gute Zeit haben.

Wenn ich dagegen merke, dass es mehr eine Kopfsache ist, fahre ich besser mit der zweiten Option.

Ganz wichtig: Nicht jeder Kletterpartner hat dafür Verständnis, weil er es vielleicht auch einfach nicht kennt. Lass dich davon nicht verunsichern. Gerade in einer größeren Gruppe hilft es in so einem Fall auch, jemanden anders zu fragen, ob ihr zusammen klettern könnt.

Idee #4: Nutz eine Bewegung, ein Lied, einen Geruch, um deine Stimmung sofort zu verändern

Die Rede ist von einem Anker. Falls du Verenas Artikel letzte Woche darüber noch nicht gelesen hast, empfehle ich ihn dir sehr. Dort liest du, wie du einen Anker setzt und Verena gibt dir noch 3 hilfreiche Tipps zum Ankern.

Mein eigenes Fazit dazu: Ein Anker ist 100 Mal wirksamer als sich positive Affirmationen einzureden.

Oder anders gesagt: Ein beruhigender, positiver Gedanke nach dem Motto "es ist doch alles gut" bringt fast gar nichts, wenn wir dazu nicht unsere Körperhaltung verändern und das emotionale Muster durchbrechen.

Eine Bewegung, ein Lied, ein Geruch können in Sekunden die eigene Stimmung verändern. Je mehr wir das üben, desto schneller.

Deswegen bin ich auch ein Freund von stärkenden Yoga-Haltungen, wie zum Beispiel den Krieger-Haltungen.

Je öfter wir solche Haltungen üben, desto stärker speichern wir sowohl die körperliche als auch die mentale Wirkung in unseren Zellen ab. Mehr zu diesem Thema findest du im Yoga-3x3 für Kletterer, falls du es noch nicht gelesen hast.

Wichtig beim Anker ist wirklich in die Umsetzung zu kommen und ihn oft zu setzen. Reines Denken ist wie sich vorstellen klettern zu gehen, es aber nicht zu machen.

Idee #5: Lernerfahrung statt Leistung

Wenn wir uns nur darüber definieren, eine Tour zu flashen, werden wir ziemlich schnell Gefahr laufen, in ein tiefes Motivationsloch zu fallen.

Nicht falsch verstehen: Eine Route gleich durchsteigen oder auch ein Projekt endlich zu schaffen ist super und ein toller Erfolg. Die Frage ist, wie wir damit umgehen, wenn's nicht so läuft wie erwartet.

Manche Kletterer fangen an, heftig zu fluchen, gegen die Wand zu hauen und lassen sich richtig gehen. Macht's das besser? Vielleicht hilft es, Druck rauszulassen. Sich davon aber weiter runter ziehen zu lassen sicher nicht!

Wenn's nicht so läuft wie erwartet, lenk den Fokus weg von reiner Leistung und überleg dir, was du in dieser oder einer anderen Route lernen kannst.

Lenk den Fokus um auf andere Absichten, zum Beispiel:

Idee #6: Was würdest du zu einem Freund sagen?

Manchmal sind wir mit uns selbst viel härter als mit einem Freund.

Wenn du zum Schimpfen mit dir selbst neigst oder einfach düstere Gedanken hast, wechsel mal die Perspektive. Überleg dir, was du zu einem Freund sagen würdest, wenn er diese Gedanken beim Klettern hätte.

Ein Tipp: Fühlt sich etwas merkwürdig an, aber vielleicht hilft's dir, wenn du diese Tipps für deinen Freund tatsächlich aufschreibst. So werden diese Tipps viel realer und greifbarer, als wenn sie nur im Kopf bleiben.

Mein Fazit

Das Ereignis, dass es gerade beim Klettern nicht läuft (oder auch jeder andere Misserfolg), ist ein neutrales Ereignis. Wir sind es, die dem Ereignis die Bedeutung geben.

Ich finde es sehr unrealistisch, das Bild eines weisen Yogis anzustreben, der sich nicht aufregt und immer glücklich ist.

Aber: Wir können viel verändern, wenn wir in solchen Situationen bewusster sind. Sprich, beobachten, was gerade passiert. Und anstatt uns von der düsteren Laune mitreißen zu lassen, gezielt eingreifen und gegensteuern.

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