Klettern auf Mallorca, im „17. Bundesland“
Carlos Fischer | 31. März 2019
9 Kommentare
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Sonne satt, Wärme, klasse Felsen mit schönen Routen, so stellte ich mir das Klettern auf Mallorca vor. Vor allem freute ich mich auch auf einen Urlaub, wo ich mich in meiner Muttersprache zurecht finden konnte, denn eigentlich bin ich ein Sprachenmuffel.
Doch dass ich dort mehr Deutsch als Spanisch sprechen und hören würde, und mehr Deutsche als andere Nationen sehen würde, hatte ich nicht erwartet. Ein paar Eindrücke von dem Klettern auf Mallorca und ein paar amüsante Erlebnisse auf der Insel möchte ich hier mit dir teilen.
Wie wäre es mit Mallorca?
Mallorca hatte uns bisher immer etwas abgeschreckt von den Ballermann-Geschichten.
Dann hatte aber unser Freund Luis aus Madrid die Insel vorgeschlagen: “Habt ihr Lust auf einen Kletterurlaub? Wir könnten nach Ibiza oder Mallorca.”
Okay, warum nicht, dachten wir.
Schließlich sollte es noch andere schöne und versteckte Ecken auf der Insel geben, ohne laute Party-Touristen.
Unsere Freunde Chris, Kora und ihr Freund Michael waren ebenfalls begeistert und organisierten ein Berghaus mit Meeresblick und großer Terrasse im Nordwesten der Insel bei Sóller.
Unterschätzt: die Lage der Unterkunft
Gleich ein Tipp vorab, wenn du einen Trip nach Mallorca planst: Bevor du eine Unterkunft buchst, schau dir die Karte der Insel an.
- Welche Kletter-Spots willst du kennenlernen?
- Wo willst du hauptsächlich unterwegs sein?
Einen schnellen Überblick zum Klettern auf Mallorca, Wandern, Biken mit jeweiligen Sektoren bekommst du zum Beispiel bei idealo. Dort gibt's auch Tipps zu Unterkünften.
Wir sind das etwas planlos angegangen. Wir wussten, dass wir im Norden der Insel bleiben wollten, dann waren wir aber doch mehr in anderen Gegenden unterwegs.
Das ist an sich kein Problem, aber die Lage war etwas unpraktisch, um in den Süden oder Osten der Insel zu kommen. Denn der kurze Tunnel auf dem Weg kostete jedes Mal 5 Euro Mautgebühr, was sich schnell aufsummierte.
Die Alternative: Ein umständlicher Umweg von fünf Kilometern über Passstraßen. Dafür haben wir ein besonderes Haus als Unterkunft, mit großer Terrasse und Blick aufs Meer, fern abgelegen in den Bergen, trösteten wir uns.
Dass es wirklich abgelegen war, haben wir gleich in der ersten Nacht gemerkt: Wir haben uns verfahren und mit einem riesen Hunger zwei Stunden lang den richtigen Weg gesucht. Immerhin waren die Aussicht und die Gewitter sehenswert.

Klettern auf Mallorca: ein richtiger Genuss
Die vielen Wanderwege und die bergige Landschaft sind wirklich fantastisch, ebenso das Klettern auf Mallorca.
Puig de Garrafa, S’Estret, Port de Sóller, Sa Creveta, Cala Magraner – jeder Sektor, den wir besucht haben, hat seine eigene Besonderheit. Meistens gut abgesicherte Routen, manche malerisch direkt am Meer, mit einer klassen Aussicht.

Am besten haben mir die Routen bei Port de Sóller gefallen. Riesen Henkel, lange Routen, pumpig und schön. In diesem Sektor klettert man morgens im Schatten, mittags kommt langsam die Sonne.
Auch wenn das Wetter meistens gut ist in Mallorca, sollte man je nach Jahreszeit auf Regen gefasst sein. Uns hat im Mai zwei Mal der Regen erwischt, trotz guter Wettervorhersage. Genauso kann es jedoch umgekehrt vorkommen.
In Puig de sa Garrafa sah es ebenfalls erst grau aus, die Felsen waren teilweise auch etwas nass und rutschig, so dass wir auf scharfkantige Routen auswichen, die Chris “Korallenriff” nannte.
Gegen Mittag wurde es immer wärmer und sonniger, perfekt zum Klettern. Dieses scheinbare unsichere Wetter hatte den Vorteil, dass außer uns niemand am Fels war, im Gegensatz zu Cala Magraner an der Küste, wo man für die Routen fast anstehen musste.

Die deutsche Seite von Mallorca
Einen ersten Eindruck von der deutschen Seite von Mallorca bekam ich, als wir am ersten Tag einen Freund besuchten, der sich in einem Club bei S’Arenal aufhielt – in der Nähe des berühmten Ballermanns, zu dem wir eigentlich auf keinen Fall hin wollten.
Erst später gegen Nachmittag dämmerte uns, dass wir versehentlich doch dort gelandet waren. Auf seine eigene Art war es dann auch sehenswert.
Nur gut, dass die meisten Verkäufer und Party-Leute mich für einen uninteressanten Spanier hielten und sich stattdessen auf die Leute stürzten, die mehr nach Touristen aussahen. Ich fand es sehr erstaunlich, wie viel Deutsch einige Afrikaner konnten, die probierten, einer Mannschaft von Touristen in deutscher Sprache die kitschigen Uhren anzudrehen.
Im Norden bei Sóller gab es mehr Touristen von unserer Sorte, die wegen dem Klettern, Wandern, Biken auf Mallorca waren.
Einmal regnete es unerwartet in Strömen und wir waren auf dem Heimweg, als wir ein völlig durchnässtes Paar am Weg sahen. Ich hielt an und ließ das Fenster herunter. Der Mann fragte in seinem besten Denglisch, ob wir sie mitnehmen könnten.
“Na klar”, antwortete ich noch in Englisch. Sobald sie im Auto saßen, fragte ich auf Deutsch, wo sie jetzt unterwegs gewesen seien. Sie waren sehr verblüfft, das hatten sie nicht erwartet, von einem Ausländer auf Deutsch angesprochen zu werden.
Das Schönste: die Erfrischung nach dem Klettern
Strandurlaube sind nicht mein Ding. Nach dem Klettern, vor allem wenn es heiß ist, gibt es jedoch nichts Besseres, als eine Erfrischung im Wasser. Ein großer Pluspunkt für das Klettern auf Mallorca und nicht irgendwo im Landesinneren.
Die Sonne brannte, als wir unsere Ausrüstung zusammen packten und zum Strand von Port Sóller fuhren. Dort tummelten sich nur wenige Leute im Wasser, das noch recht kühl war.

Mir macht kaltes Wasser nichts aus, weil ich als Kind immer im kalten Pazifik geschwommen bin, der bei uns in Zentralchile eine Temperatur von etwa 15° im Sommer hat.
Dagegen empfand ich das Wasser hier als sehr angenehm. Chris hingegen brauchte länger, um sich zu überwinden, nahm schließlich Anlauf, und warf sich mit einem lauten Platscher ins Wasser.
“Das finde ich ja gaaanz furchtbar”, rief eine deutsche Frau entsetzt, die gemütlich an uns vorbeischwimmen wollte und deren Haare nun völlig nass waren.
“Ja, der Typ hat keine Manieren”, sagte ich und deutete in Chris’ Richtung.
“Was denn, simma hier im Thermalbad, oder was”, maulte Chris im stärksten Schwäbisch. “Ich musste mich reinschmeiße, sonsch wär ich nie rein!”
Ob die Frau das gehört hatte? Ich fand es jedenfalls sehr witzig, dass man hier davon ausgehen konnte, dass man acht von zehn Leuten auf Deutsch ansprechen konnte.
Mein Fazit zu Mallorca
Das Klettern auf Mallorca hatte meine Erwartungen übertroffen. Den Rest der Insel hatte ich mir nicht ganz so vorgestellt, wie ich es erlebt hatte.
Die Deutschen mal von einer anderen Seite zu erleben fand ich spannend, ebenso wie sehr eine spanische Insel sich auf den deutschen Tourismus eingestellt hat.
Ich finde, dass in Bezug auf die Landschaft nicht zuviel versprochen wurde: ein fantastischer Kontrast von Bergen zu Meer, die Felsen und Wanderwege geben der Insel ein besonderes Etwas.
Praktisch ist auch, dass man mit dem Auto zu den Sektoren sehr gut und schnell hinkommt. Nächstes Mal würde ich trotzdem die Unterkunft noch besser planen, um die Summe an Mautgebühren zu vermeiden.
Falls du auf der Suche nach einem passenden Rucksack zum Klettern bist, der auch für Trips praktisch ist, kann ich dir den ROC 35 empfehlen. Hier haben wir darüber geschrieben, warum wir ihn so gut finden und wie wir ihn packen.
Und du, warst du schonmal auf Mallorca, zum Klettern, Biken oder einfach nur Badeurlaub? Wie sind deine Erfahrungen?
Auf jeden Fall eine Reise wert! Auch zur Erweiterung des eigenen Horizonts in bezug auf die Landsleute 🙂 Mallorca finde ich sehr schön, mehr als gedacht. Nur etwas überlaufen.
Mallorca ist ein Traum zum Klettern. Port de Soller kann ich auch nur empfehlen. Wie von dir beschrieben, große Henkel und Löcher, kraftaufwendig und bis Mittag schattig. Die Schwierigkeitsgrade sind in diesem Gebiet auch eher auf den Kraftaufwand als auf technische Ansprüche gelegt. Die für mich schönsten Gebiete der Insel findet man im Osten der Insel – cala Magraner und Tjuana ( cala Santanyi ) hier ist es auch bis ca 13 Uhr schattig. Beide direkt am Meer gelegen und gut abgesichert.
La Creveta ist der zustieg etwas kniffelig.
Cala santanyi ist auch zum DWS zu empfehlen und nicht nur wegen Es Pontas. Cala Varques ist auch traumhaft, allerdings der populärste DWS Spot der Insel.
Cala Santanyi hatten wir zum DWS auch kurz überlegt, dann haben wir uns aber für andere Sektoren entschieden. In Cala Magraner hat uns leider der Regen erwischt, dann sind wenigstens die Massen ebenfalls gegangen und die Routen waren frei, nur etwas zu nass 🙂
In jedem Fall danke für die Tipps, Christian
Da seid ihr mir ein Stück voraus – Mallorca steht bei uns erst im nächsten Jahr auf dem Plan! Bin schon total gespannt, das hört sich wirklich sehr gut an!
Hallo Nima, ich kann es Dir nur empfehlen. Jezt hast Du einige Ideen zu den Sektoren.
Wir hatten diesen Kletterführer: Mallorca: Sport Climbing and Deep Water Soloing (Rockfax Climbing Guide)
Freuen uns, wenn du dann bei uns vorbeischaust 😉
Hi Dinko, Mallorca lohnt sich auf jeden Fall wieder. Erstmal stehen aber andere Ziele an. Haben schon so viel Tolles von Kalymnos gehört, macht richtig Lust zum Entdecken und Genießen. Wobei Mallorca den Sprachvorteil hat. 😉
Mir hat Cala Magraner von der Umgebung sehr gefallen, direkt an der Küste. Von der Kletterei fand ich Port de Soller schöner, oder Puig de sa Garrafa hat paar tolle Sternchenrouten.
Hier findet man die Routen, auch wenn der Guide beim Klettern sehr viel praktischer ist: http://www.rockfax.com/databases/results_area.html?id=1014
schöner Artikel:) Wir waren Ende September und Anfang Oktober auf Mallorca mit Camping-, Wander-, Schwimm- und Kletter-Equipment. Nur leider sind wir wenig geklettert, da das Wetter nicht mitgespielt hat.