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Socaire: Klettern auf 3600 Metern. Wow.

Stefanie | 17. Januar 2016
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Bist du schon einmal im Gebirge irgendwo geklettert? Auch bei guter Absicherung – Klettern in der Höhe ist definitiv eine andere Hausnummer. Mein Fazit zur ungewohnten Höhe im chilenischen Altiplano, Kopfsache, zu den Felsen und zur Kletterei.

Endlich habe ich mich aufgerafft, um unseren Klettertrip in Socaire in einen Artikel zu bringen.

Etwas mehr als einen Monat ist es her, als wir mit dem Jeep im Norden von Chile unterwegs waren und im Klettergebiet von Socaire fünf Tage verbracht haben. Die Kletterei ist aber noch so präsent, als wäre es gestern.

Die Felsen in Socaire liegen in der chilenischen Hochebene auf über 3600 Metern, in einer Felsschlucht. Super schönes Gebiet. Der Wind pfeift hier allerdings kräftig durch.

In der Sonne verbrennt man sich innerhalb von 10 Minuten am Vormittag, wenn man nicht Sonnenschutz Faktor 30, oder besser Faktor 50+ aufträgt. Im Schatten dagegen ist es so kalt, dass man beim Sichern am besten eine Daunenjacke anhat. Krasse Gegensätze!

Hier habe ich mal wieder erfahren, was du vielleicht auch kennst.

Klettern am Heimatfels ist eine Sache, Klettern in einem anderen Gebiet und dazu noch mit anderen geographischen Herausforderungen ist eine vollkommen andere.

Die erste Route in Socaire: verschnaufen

socaire
Brrr! Es ist noch früh am Morgen und ziemlich frisch. Gleich geht's los in die erste Route.

Als ich mich für die erste Route bereitmache, gehen mir Gedanken durch den Kopf.

Die Löcher – oder besser Löchlein? – im Fels sehen nicht so aus, als ob viel reinpasst.
Für die Füße gibt’s abgesehen von den paar Löchlein auch nicht viel …
Ich bin schon lange nicht mehr gefallen. Darauf habe ich hier keine Lust.
Das Atmen fällt mir hier schwer. Auch wenn wir vor paar Tagen viel höher waren – hier Sport zu machen, ist etwas Anderes.

Solche Gedanken sind nicht wirklich vorteilhaft, stimmt‘s?

Ich reiße mich am Riemen und steige ein. Ist eine einfache Route, zumindest laut Schwierigkeitsskala. Aber eben eine andere Art der Kletterei, an die ich mich erst gewöhnen muss.
Der Einstieg gleicht mehr einem Boulderproblem. Beim ersten Haken verschnaufe ich erst einmal. War das anstrengend! Wie soll das nur weitergehen? Sollte doch eine einfache Route sein? Atmen.

Raus aus der Komfortzone

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Ein Foto aus dem Archiv von unserem Freund Andrés Ceballos: Carlos klettert Mortero, 10B, umgerechnet ein 6+/7-?. Ein Grad, den wir normalerweise problemlos klettern. In der Höhe ist das definitiv anders. Die Route mit dem Einstiegsboulder hat mich vollkommen geschafft.

Nach einer Weile wird es besser. Juhu! Hier ist ein Loch, das richtig gut hält. Herrlich!

Oder auch nicht? Ich möchte es nämlich fast nicht mehr loslassen. Ich bin aus dem Fluss raus gekommen. Ins Nachdenken.

Das kostet etwas Überwindung. Raus aus dem Angenehmen. Weiter.

Ich nehme drei tiefe Atemzüge, lasse den großen Griff los und klettere weiter. Als ich oben ankomme, bin ich erleichtert. Geschafft!

Bei der nächsten Route und übernächsten Route läuft es ähnlich. Ich ziehe durch, obwohl sich zwischendurch der Kopf einschaltet:

Der Fels ist wie ein Korallenriff hier! Ruf „Zu!“ Und mach eine Pause …

Verflixt! Das ist etwas, was mich total nervt. Der Kopf, der mich in der Komfortzone halten will. Vergiss es! Ich geh weiter! Und sei es nur ein einziger Zug!

Bei der vierten Route bin ich endlich im Fluss. Hier habe ich keine Zeit groß nachzudenken. Sie ist ein bisschen pumpig, hat aber sehr schöne Griffe.

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Sehr idyllisch, die Schlucht. Sogar eine Küche haben ein paar fleißige Kletterer gebaut und Gebetsfähnchen aufgehängt.

Auch hier fällt mir das Atmen etwas schwer. Dafür atme ich so, wie ich gerne immer atmen möchte. So, dass ich im Flow bin. Hier kann man gar nicht anders, sonst sind die Arme sofort dicht. Was für ein Gefühl, oben anzukommen!

Die letzte Route, die wir in Socaire klettern, ist eine Erfahrung, die mir alles abverlangt: Mortero.

Hört sich schon so nach “Killer” an. Ein 10B mit schönen Zügen und absolut machbar, sagt Carlos.

Der Einstieg ist ein für mich etwas krasser Boulder, der mich vollkommen schafft. Auch wenn ich danach eine Weile ausruhe, die Kraft ist alle. Das merke ich, als ich weiterklettere.

Kennst du das, wenn du einen herrlichen Henkel hast, danach greifst und merkst, dass du nicht mehr die Kraft hast und dir die Hand aufgeht?

So ging’s mir. Horror. Das ist das Schlimmste für mich, weil ich mich dann schnell blockiere.

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Wir haben ein paar Aufnahmen für einen Einsteigerkurs gemacht. Selbst hier kam ich schon außer Atem! Zum Glück kamen wir nicht auf die Idee, unsere Kraft & Körperspannungsserie hier aufzunehmen!

Bei solch einer Blockade hilft bei mir nur eins: Stürzen. Und zwar mehr als einmal.

Ich steh mit der Hüfte über einer Expressschlinge und rufe Carlos zu: “Ich will stürzen! Gib mir Seil!”

Nach vier langen Stürzen ringe ich mich durch und komme nach einigen Pausen endlich am Umlenker an. Boah. Diese Route hat mich echt alles an Kraft, Angst und Nerven gekostet. Aber sie tat gut. Ich bin wieder über den eigenen Schatten gesprungen.

Ich bin weit entfernt von meinem Limit geklettert. Heute habe ich mich nicht weiter getraut. Ich bin am Anfang mit Hemmungen geklettert.

Lessons Learned

Trotzdem habe ich die Kletterei genossen. Weil ich etwas für mich mitgenommen habe. Es waren Routen, an die ich mich mit diesen Gedanken erinnern werde:

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Nicht nur den Tag sondern auch die Nacht in einem Klettergebiet zu verbringen, ist einfach genial, finde ich. Der Sternenhimmel in Socaire ist unglaublich, die Stille und durch die Felsen fühlt man sich hier einfach geborgen.

Und:

Noch ein paar Reisetipps zu Klettern in Socaire

Socaire bietet herrliche Routen, wenn man sich einmal daran gewöhnt hat. Wenn sich der Kopf einschaltet, hilft die Gewohnheit, trotzdem einen Schritt weiter zu gehen. Raus aus dem Bekannten, rein ins Unbekannte.

Wenn du mal vorhast, in Socaire zu klettern, hier noch ein paar organisatorische Tipps: Miete am besten ein Auto in Calama, der nächst größeren Stadt. Dort kaufst du am besten auch deinen Wasser- und Essensvorat.

Achte darauf, dich vorher an die Höhe zu gewöhnen. In der Umgebung gibt es ein paar herrliche Lagunen oder die Geysiere El Tatio, beides auf über 4000 Metern. Nimm dir ausreichend Zeit für’s Klettergebiet, idealerweise mindestens 3 Tage. Man kann in der Schlucht bequem zelten.

Ging es dir auch schon mal so? Bist du auch schon mal in der Höhe oder bei Wind, Regen, oder anderen unbekannten Verhältnissen geklettert?

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