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Warum manche Yoga-Haltungen nicht funktionieren

Stefanie | 5. September 2014
5 Kommentare

“Was für eine nervige und unverschämt bewegliche Person neben mir auf der Yoga-Matte!” – Hand aufs Herz, hattest auch du schonmal solch einen Gedanken, als manche Yoga-Haltungen bei dir nicht so geklappt haben, bei anderen Yoga-Praktizierenden dagegen schon? Völlig normal! Stefanies Gedanken dazu könnten dir helfen, eine andere Einstellung zu dieser Herausforderung zu gewinnen.

Ich persönlich glaube, dass solche Gedanken schneller kommen, als man denkt und einem lieb ist. Auch bei mir! Und auch wenn wir uns immer wieder vorsagen, dass wir gedanklich bei uns bleiben sollen. Manchmal geht's einfach nicht.

Zum Trost: Es liegt nicht immer an der Flexibilität. Manche Yoga-Haltungen können gar nicht funktionieren.

Einige "Flexibilitäts-Gründe", warum bestimmte Yoga-Haltungen einfach nicht klappen wollen, kennst du sicher:

Zu wenig Üben bei zu intensivem Sport, der die Muskulatur verkürzt, oder dass mit immer derselben Methode geübt wird und kein neuer Reiz gesetzt wird.

Andere wiederum verfolgen den Ansatz, dass einige Nahrungsmittel die Muskelversteifung fördern, während eine Ernährung mit viel Rohkost die Beweglichkeit unterstützt.

All diese Punkte gehen davon aus, dass der Faktor (Ver-)Spannung  uns in den Yoga-Haltungen begrenzt, also dass zum Beispiel unsere Beinmuskulatur verkürzt ist und wir deshalb in einer stehenden Vorwärtsbeuge nicht weiter nach unten kommen.

Interessanterweise gibt es jedoch weitere, für mich sehr einleuchtende, Erklärungen, von denen ich bei einem kürzlichen Anatomie-Wochenende erfahren habe.

Hättest du gedacht, dass dein Skelett die Yoga-Haltungen maßgeblich beeinflusst?

Ich nicht! Dass das menschliche Skelett ebenso individuell sein kann wie alles andere auch, klingt logisch – dennoch hätte ich nie erwartet, dass die Unterschiede im Knochenbau so groß sein können. Insgesamt sind wir ja doch ziemlich ähnlich. Dachte ich zumindest.

Begrenzungen durch unser Skelett können wir in vielen Haltungen erleben, zum Beispiel:

Knochen können uns in einer Haltung so begrenzen, dass wir nicht weiterkommen, auch wenn wir noch 20 Jahre und jeden Tag 4 Stunden diese Haltung üben. Eine Person mit einem anderen Knochenbau hingegen erlebt diese Begrenzung nicht.

Die Frage lautet also immer:

Werden wir durch Spannung begrenzt, also durch einen muskulären Widerstand, oder durch unsere Knochen, wenn zwei Körperteile aneinander stoßen?

Immer dann, wenn es noch spannt, wie in einer gegrätschten Vorwärtsbeuge, handelt es sich um den Faktor Spannung – und es macht Sinn, daran zu arbeiten. Handelt es sich dagegen um den Faktor Knochen, hilft nur eine Akzeptanz und, falls nötig, Anpassung der Übung.

Wie deine Proportionen sich auf die Haltung auswirken

"Meine Beine sind zu lang und die Arme zu kurz."

Das ist die bekannteste und bequemste Ausrede, dachte ich früher immer.

Aber: Dass da etwas dran ist, können wir sehen, wenn wir zwei ähnlich große Personen nebeneinander stellen. Jeder hat andere Dimensionen, das gilt für die Beinlänge, Armlänge, Länge des Oberkörpers, für die Länge des Halses.

Für manche Yoga-Haltungen ist es günstiger, kurze Beine zu haben (z.B. in Vorwärtsbeugen), für andere Haltungen wiederum ist es praktischer, lange Beine zu haben (z.B. bei Drehungen in Rückenlage) – alles hat also seine Vor- und Nachteile.

Wie bei dem Faktor Knochen werden wir an den Proportionen nicht viel arbeiten können. Was uns bei den Proportionen jedoch am meisten hilft, sind Yoga-Hilfsmittel, wie Blöcke, Gurte, Decken oder Kissen als Erhöhungen im Sitzen. Dadurch wird die Übung in den meisten Fällen viel stabiler ausgeführt, der Atem geht ruhiger und der Effekt der Übung ist größer.

Darüberhinaus sollten wir uns auch immer fragen:

Welche primäre Wirkung der Übung ist erwünscht?

Beim Drehsitz ist die primäre Wirkung die Dehnung und Drehung im Rücken. Die Hand- und Fußhaltung ist sekundär. Ich sollte also zuerst darauf achten, dass die Wirkung für den Rücken erreicht wird, und mich dann erst um die Hände und Füße kümmern.

 

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Beispiel Seitenstreckung: Wenn der Arm zu kurz ist und die Hand nicht auf den Boden kommt, helfen Yoga-Blöcke. So ist es leichter, die Stellung zu halten.

 

Gibt es die "richtige" Yoga-Haltung?

Wir haben bei den Übungen immer Bilder von Yoga-Praktizierenden vor Augen, die uns zeigen, wie die Haltungen eingenommen werden sollen.

Diese als den einzig wahren Weg zu beschreiben, sollten wir uns abschminken, wenn wir mehr Freude und eine größere Wirkung bei den Yoga-Haltungen wahrnehmen möchten.

Ich meine, die richtige Haltung gibt es nicht. Es gibt Orientierungen, doch letztendlich muss jeder für sich die Yoga-Haltung anpassen, wenn es nicht funktioniert – besonders Kletterer. Der Körper gibt die wichtige Rückmeldung, ob die Übung stabil gehalten werden kann, oder ob es zu wackelig ist und der Atem schwer geht. Anstrengung ist dabei in jedem Fall gewünscht – für ebenso wichtig halte ich es jedoch, zu beobachten, bis wohin ich komme, und ab wo ich die Übung für mich anpassen sollte.

Mein Fazit

Wenn du nächstes Mal wieder eine bewegliche Person auf der Matte neben dir hast, die dich mit ihrer Flexibilität nervt, erinner dich daran, dass diese Person vielleicht ein anderes Skelett und andere Proportionen als du hat. Wenn du in einer Übung merkst, dass Körperteile aufeinander stoßen oder die Übung aufgrund deiner physischen Dimensionen nicht weiter geht, pass die Haltung an und probier ruhig die Hilfsmittel aus.

Die einzig wahre Yoga-Haltung gibt es nicht – genauso wie wenig es den einzig richtig gebauten Menschen gibt.

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5 Kommentare zu “Warum manche Yoga-Haltungen nicht funktionieren

  1. Stimmt! Stimmt! Stimmt!
    Ihr trefft es auf den Punkt: Jemand anderen nachahmen oder traurig sein, wenn man mit dem Kopf nicht bis runter auf die Knie kommt, ist Unsinn und die falsche Herangehensweise an Yoga. Jeder sollte sich wohlfühlen und Sport treiben, der Spaß macht und – klar – wenn man selbst weiter kommen will, darf es auch etwas „weh tun“, aber nicht weil andere das vorschreiben, sondern nur, wenn ich das selbst will. Schöner Artikel, aktivierend. Weiter so!

  2. Pingback: Stefanie

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