Fehler Yoga-Stunde
ClimbingFlex Ilustration

Der größte Fehler, den du als Kletterer in einer Yoga-Stunde machen kannst

Carlos | 23. Oktober 2016
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Warst du schon mal als Kletterer in einer Yoga-Stunde mit lauten Nicht-Kletterern? Genauer gesagt: Nicht-Kletterer, die topfit waren. So dass du ein Gefühl hattest, steif und verkürzt zu sein. In dem Moment bist du vielleicht drauf und dran, einen großen Fehler zu begehen. Um welchen Fehler geht's und wie vermeidest du ihn?

Ich bin nicht der Vorzeige-Yogi. Ganz bestimmt nicht. Flexible Yoga-Flows gehören nicht zu meinem Standard-Übungsprogramm. Aber auch wenn viele meiner Haltungen nicht aussehen wie bei anderen auf Instagram, Yoga hilft mir.

Als Stefanie und ich vor kurzem in Kalifornien waren, waren wir zum Schluss in LA. Das ist die Gelegenheit, in eine Stunde von Andrea Marcum zu gehen, meinte Stefanie. Andrea ist eine Yogalehrerin, die für einen Yoga-Stil mit viel Kraft bekannt ist.

So einen Stil mag ich. Reine Entspannung ist nichts für mich. Und Esoterik noch weniger. Alles hat natürlich seine Berechtigung und spricht andere Leute an. Nur ich kann damit nichts anfangen.

In der Stunde waren um die 30 Teilnehmer, etwa 5 Männer. Fast alle sehr fit, stark und mit einer sehr starken Körperspannung. Ein voller Gegensatz.

Ich habe mich verkürzt gefühlt und genau gemerkt, wo stärkere Muskeln in dieser Stunde vorteilhaft wären. Kurz gesagt: Ich kam schnell an die Grenze, während ein paar Teilnehmer vor mir mit Leichtigkeit alles mitmachten. Puh.

Hattest du auch schon mal so eine Situation?

Es ist frustrierend, wie beim Klettern. Du bist motiviert und willst mehr. Du siehst andere, wie sie das mit Mühelosigkeit meistern. Nur du schaffst es nicht. In diesem Moment cool zu bleiben, finde ich schwierig. Und du?

Wenn du merkst, dass du nicht weiterkommst, kannst du ein anderes Boulder-Problem angehen, beim Klettern runterkommen und in eine andere Route einsteigen. In einer Yoga-Stunde wirst du wahrscheinlich nicht so einfach die Flucht ergreifen.

Der Fehler in einer Yoga-Stunde, der vor allem Kletterern  passiert?

Das Problem in einer Yoga-Stunde ist, dass du möglicherweise eine größere Akzeptanz brauchst. Manchmal auch Frust-Toleranz. Es passiert schnell, auf andere zu schauen. Was sie machen, dann nachzueifern, nicht auf deinen Körper hören.

Das ist nicht das Ziel von Yoga.

Hört sich logisch an, oder? "Geh dein eigenes Tempo, hör nur auf dich, schau nicht auf andere."

Aber hey, manchmal ist das nicht so leicht. Oder es passiert unbewusst. Vor allem bei Kletterern.

Die Sache mit Kletterern ist die: Klettern ist kein gemütlicher Sport, sondern verlangt von uns Einsatz. Wir kommen oft an die Grenze. Körperlich und mental. Ohne Motivation und Einsatz brauchen wir gar nicht in die Route einsteigen, meint auch Nima. Sehe ich auch so.

Auf der Yoga-Matte kann diese ehrgeizige Haltung aber schnell ein großes Problem werden. Wenn dein Ziel auf der Matte lautet „unbedingt die Haltung schaffen“, anstatt „die größtmögliche Wirkung aus der Haltung bekommen“, entsteht Leistungsdruck. Dann zwingst du dich möglicherweise in eine Haltung, ohne auf deinen Körper zu hören.

Der größte Fehler, den du in einer Yoga-Stunde machen kannst, ist dich mit anderen zu vergleichen. Genauer gesagt zuzulassen, dass andere Personen dein Maßstab werden.

Jetzt zum Praktischen. Was kannst du dagegen tun?

3 Ideen, wie du diesen Fehler vermeidest

Vielleicht passiert es dir nie, dass du dich in einer Yoga-Stunde mit anderen vergleichst. Vielleicht aber doch, und du hast es nicht gemerkt. Verlass dich lieber nicht darauf, dass du die Möglichkeit komplett ausschließen kannst.

Ich hab lieber was an der Hand, was ich anwenden kann, für den Fall, dass es mir doch auffällt.

Was hilft mir?

#1 Fokussier dich auf den Atem

Hört sich nicht so spannend an. Ist aber sehr wirksam.

Die Atmung zeigt dir, ob du die tatsächliche Wirkung aus der Haltung bekommst oder ob du die Haltung verändern solltest.

Es ist wie beim Klettern. Ohne Atmung geht nichts. Zumindest nicht so viel, wie wenn du tiefer atmest und mehr Sauerstoff nutzt.

Anhand deiner Atmung merkst du, ob du noch mit 100 Prozent dabei bist oder nur noch mit 60 oder 20 Prozent. Das ist dein Signal für eine Pause oder Anpassung von der Haltung.

Was ist die Schwierigkeit dabei?

Die Konzentration nicht nur in zwei oder drei Haltungen auf die Atmung zu richten. Sondern wirklich dauerhaft in der Stunde.

Es wird immer wieder passieren, dass deine Aufmerksamkeit weg driftet. Aber mach dir keine Sorgen deswegen. Wir sind nicht perfekt. Ich seh es als Lernprozess. Mit der Zeit wird sich deine Konzentrationsfähigkeit unglaublich steigern.

#2 Einstellung: Der Experte deines Körpers bist du.

Andrea hat in der Stunde etwas gesagt, was bei mir hängen geblieben ist und Teil meiner Einstellung geworden ist.

"Ich als Yogalehrerin kann nur eine Orientierung geben. Der Experte deines Körpers bist du. Du entscheidest."

Du entscheidest, wie weit du wirklich gehen willst. Manchmal macht es Spaß, eine fordernde Haltung auszuprobieren. Manchmal macht sie aber keinen Sinn.

Mit dieser Aussage meint Andrea, dass ein Yogalehrer deinen Körper nie besser kennen kann als du.

Mach dir auch klar, dass du dich nicht mit anderen vergleichen kannst. Es bringt nichts.

Am meisten bringt es dir, dich mit dir selbst zu "vergleichen":

#3 Mach auch Haltungen, die Spaß machen

Immer den bequemen Weg zu gehen, bringt dich nicht weiter. Das heißt aber nicht, dass wir nur die Haltungen machen müssen, die uns schwerfallen.

Wir brauchen Erfolge und Spaß. Weil Erfolg wiederum Erfolg nährt.

Und weil es ohne Spaß auf Dauer sehr anstrengend auf der Matte wird. Dann sagt unser Kopf früher oder später, dass er keine Lust mehr hat und wir hören auf.

Welche Haltungen sind Haltungen, die du magst und die gut klappen?

Schau mal, ob du auch solche Haltungen übst. Vielleicht ist es Zeit, die Spaß-Komponente im Yoga zu erhöhen.

Fazit

Als Kletterer sind wir es gewohnt, unser Können in einer Route zu testen. Und unsere Grenze auszuweiten. Andere Kletterer zu beobachten kann zusätzlich motivieren.

Im Yoga ist das aber meistens nicht hilfreich. Du bist du. Wenn du anfängst, das Können von anderen als Maßstab zu nehmen, wirst du im besten Fall nicht die volle Wirkung von der Yoga-Haltung herausbekommen. Im schlimmsten Fall zwingst du dich in eine Haltung, die nichts für dich ist und du verletzt dich.

Konzentrier dich auf deine Atmung. Mach dir klar, dass du der Experte deines Körpers bist. Und mach auch Haltungen, die dir Spaß machen und dir nicht nur deine Grenze zeigen.

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