10 Kletterer-Persönlichkeitstypen
Stefanie | 13. November 2016
4 Kommentare
Kletterer ist nicht gleich Kletterer. Höchstens für jemanden, der mit Klettern nichts am Hut hat. Welche Persönlichkeitstypen gibt's unter Kletterern? Welchen kennst du, und in welchem erkennst du dich vielleicht wieder?
Vor kurzem bin ich auf den witzigen Artikel Couch Crushers to Widgeteers: 10 Climbing Personality Types Identified über Kletterer-Persönlichkeitstypen von Justin auf The Stone Mind gestoßen.
Mich interessiert das Thema Persönlichkeit, Typ und Eigenarten unglaublich. Einerseits ist es ein bisschen Schubladendenken. Auf der anderen Seite denke ich, dass uns so satirische Gedanken zu Kletterer-Persönlichkeitstypen helfen, wieder mal auf unsere Eigenarten zu schauen. Und auf das, was uns zurückhält.
Bevor ich dir erzähle, bei welchen Typen ich mich selbst gesehen habe, hier die 10 Typen zusammengefasst.
Die 10 Kletterer-Persönlichkeitstypen von The Stone Mind
#1 Couch Crusher
Der Kletterer, der kein Problem mit längeren Kletterpausen und mangelnder Fitness hat. Er bleibt stark und fit, schafft Routen, für die andere hart trainieren müssen.
#2 Elites
Der leistungsorientierte Kletterer, der sich auf sein Training und harte Routen konzentriert. Seine Gespräche mit anderen drehen sich hauptsächlich um Leistung und Verletzungen, die ihn von der Leistung abhalten.
#3 High Rollers
Der vielbeschäftigte Kletterer mit Geld und wenig Zeit. Durch viele Verpflichtungen kommt er zu wenig zum Klettern. Manchmal ist er stark als Investoren für Kletterhallen, Magazine etc. gefragt.
#4 I know everything
Der allwissende Kletterer, der jeden Zug von allen möglichen Routen auswendig kennt, und jedes Klettermagazin liest. Er gibt ungefragt nebensächliche Details, die einen nicht immer weiterbringen.
#5 Original Climbing Gangstas
Der "Original"-Kletterer von der alten Schule, der schon seit Ewigkeiten und ohne Chalk, Bürste etc. klettert.
#6 Purists
Der Kletterer, für den nur manche Formen zum wahren Klettern gehören (alpines Klettern, neue Routen eröffnen). Sportklettern, Hallenklettern und Bouldern gehören in der Regel nicht dazu. Justin meint, er komme allerdings auch in diesen Varianten vor:
- als Sportkletterer, der den Gebrauch von Clip-Sticks verabscheut, oder sogar "unnötige" Dauer-Expressen entfernt
- als Boulderer, für den nur extrem schwere Boulder zum Klettern zählen
- als Free-Solo-Kletterer, der glaubt, dass das Klettern ohne Seil die einzig wahre Freiheit bietet
#7 Self-Worthers
Der Kletterer, der seinen Selbstwert nur über Leistung definiert. Er spricht über seine gekletterten Schwierigkeitsgrade und findet bei Misserfolgen sofort "Gründe" (Ausreden) dafür. An schlechten Tagen bringt er sogar die Ausreden, bevor er das Klettern anfängt.
#8 Soul Climbers
Der süchtige Kletterer, der scheinbar von einem anderen Stern kommt.
#9 Trainers
Der vieltrainierte Kletterer, der über seine körperliche Grenze geht, mit Gewichten klettert und Protein-Shakes trinkt. Sein Fokus liegt mehr auf dem Training als auf dem Klettern selbst.
#10 Widgeteers
Der unglaublich gut ausgestattete Kletterer, der sein halbes Vermögen in Kletter-Ausrüstung steckt. Er beschäftigt sich mehr mit der Ausrüstung als mit den Klettertechniken selbst.
Wen ich am nervigsten finde und wo ich Teile von mir sehe
Am anstrengendsten und eindeutig am nervigsten finde ich die Nr. 2 (Elites) und die Nr. 4 (I know everything).
"Vor kurzem bin ich die Route X geklettert. Kennst du die? Dabei musst du am vierten Haken zuerst in ein 2-Fingerloch überkreuzen, dabei mit einem Fuß auf Reibung stehen und dann dynamisch hoch schnappen."
Solche Kommentare finde ich einfach nur nervig. Reicht es nicht zu analysieren, wenn man beim Klettern ist?
In der Realität meide ich solche Gespräche und umgebe mich lieber mit Kletterern, die entspannt drauf sind, sich auch über den Erfolg von anderen freuen und mit denen man lachen kann.
Bei den Typen kann ich von mir nicht sagen, eindeutig einer der aufgezählten Typen zu sein. Aber ich erkenne mich in Teilen von diesen Typen wieder:
Nr. 3 (High Rollers)
Investor bin ich sicher nicht, aber die Zeit ist definitiv eine Herausforderung. Deswegen klettere ich momentan auch nicht in Routen, die ich vor paar Jahren spielend geschafft habe.
Nr. 5 (Original Climbing Gangstas)
Old-School-Kletterer bin ich sicher nicht. Aber ich denke oft, dass früher Kletterer auch ohne viel Schnickschnack super klettern konnten. Manches finde ich übertrieben, wie wenn jemand glaubt, nur mit einem bestimmten Schuh klettern zu können.
Bestimmte Schuhe, Chalk, Bürsten etc. helfen sicher. Manchmal ist es aber auch nur ein Placebo-Effekt. Ist ja auch nicht schlimm, Hauptsache es hilft. Wenn wir in der Halle bouldern, sagen wir oft "jetzt mit Liquid Chalk wird es halten". Aber es kann auch zum umgekehrten Effekt führen. Nämlich, dass man sein Können viel zu sehr von diesen Accessoires abhängig macht.
Nr. 7 (Self-Worthers)
Nerviges Ego! Ja, ich fühle mich richtig gut, wenn ich eine schwierige Route geschafft habe.
Früher war es für mich oft ein großes Problem, wenn andere eine Route ganz locker geklettert sind und ich mich furchtbar abgemüht habe und nicht von der Stelle kam. Ich habe mich früher stark über Leistung definiert.
Das ist zum Glück besser geworden. Yoga hat da auf jeden Fall auch dazu beigetragen. Heute nervt es mich manchmal auch. Vor allem, wenn jemand laut tönt, dass es "doch ganz einfach ist".
Aber ich komme nicht mehr in den gefrusteten Zustand von früher.
Was du jetzt mit den Kletterer-Persönlichkeitstypen anfangen kannst
Ich habe in meiner Kurzfassung die Typen nicht so amüsant wiedergegeben, wie Justin in der ausführlicheren Variante. Neben der Erheiterung gibt's aber einen Punkt, mit dem du dich auseinandersetzen kannst.
Ich geh mal davon aus, dass neben vielen anderen Gründen Spaß beim Klettern ein wichtiger Faktor für dich ist. Manchmal haben wir aber ein paar Überzeugungen, Gewohnheiten und Eigenarten, die uns zurückhalten. Die uns den Spaß beim Klettern etwas vermiesen.
Du kannst dich jetzt fragen:
In welchen Typen finde ich Facetten von mir wieder? Was nervt mich dabei? Was will ich loswerden?
Diese Überlegung hilft dir, eingefahrene und wenig hilfreiche Marotten bewusst zu machen. Und dann, wenn du möchtest, abzulegen.
Fazit
Ich fand die 10 Persönlichkeitstypen von Justin sehr witzig, weil sie trotz übertriebener Darstellung oft ein Körnchen Wahrheit haben.
Wir brauchen das ja nicht mit einer schwarz-weiß-Brille sehen. Ich denke, jeder ist in seiner Art einzigartig und hat seine Stärken und Ecken. Für mich geht's auch gar nicht darum, sich selbst zu kritisieren, sondern über sich zu schmunzeln und sich über die Eigenarten bewusst zu werden, die uns zurückhalten.
Gibt es Typen, die deiner Meinung nach fehlen? Dann rein damit in die Kommentare 😉
Wo soll ich mich denn verorten?
Ich möchte mich schon verbessern, und klettere auch gerne drei oder vier Mal die Woche. Im meiner Heimathalle projektiere ich alle Routen einer Farbe/Schwierigkeit zu Tode, bevor ich mich dann in die nächsthöhere Farbe bewege. Ich nenne das Defizittraining. 😉 Wenn ich draußen oder in einer fremden Halle unterwegs bin, klettere ich lieber leichter und erfreue mich an schönen Bewegungen. Überhaupt ist es ein tolles Gefühl, wenn man eine Route, die sich zuerst schwer angefühlt hat, durch eine Verbesserung der Technik auf einmal leicht(er) klettern kann. Wenn sich jemand schwer tut, weil er eine Route/einen Zug komplett falsch angeht, gehe ich schon mal auf ihn zu, und gebe ihm einen Tip. Ansonsten halte ich mich aber zurück. Allgemein emfinde ich Klettern und noch viel mehr Bouldern als einen unheimlich kommunikationen Sport. Und die Leute sind im Mittel auch unheimlich lässig und entspannt. Ohne diesen Wohlfühleffekt würde es mir sicher weniger Spaß machen. Und ja, ich bin ganz sicher süchtig. Wenige Tage ohne Klettern/Bouldern führen unweigerlich dazu, dass ich überall nur noch Griffstrukturen sehe und am liebsten die Wände hoch steige… 😉
😀 solange du dich noch nicht an Brücken, Türrahmen etc. hängst …
stimmt, die Kletterer um einen herum haben definitiv einen großen Einfluss auf die Erfahrung! Das ist auch der Grund, warum wir lieber etwas weiter in die Halle fahren, dafür aber oft auch mit supernetten Kletterern ins Gespräch kommen. In anderen Hallen trainiert jeder verbissen vor sich hin 😉 nicht mein Fall!
Bei den Tipps halte ich es ähnlich wie du. Ich selber frage in der Halle aber auch mal nach einem Tipp. Geht beim Bouldern leichter als beim Klettern, finde ich. Da kann man auch einen Zug zusammen ausbouldern.
Der Hyper-Ego-Kletterer: Er klettert im Regelfall 25 Jahre, ist entsprechend auch recht gut unterwegs, würde aber lieber sterben als einen Ratschlag anzunehmen. Wo kämen wir denn da hin?
Kratzt sich lieber am Fels hoch als einen Zug zu nehmen, den ein anderer rausgefunden hat.
Hi Oliver, die Persönlichkeit inkl. Einstellung und Überzeugungen kommt immer mit an die Wand. 😉 bzw. gerade in Grenzsituationen an der Wand kristallisiert sich die viel stärker heraus als im gemütlichen Alltag.
Solche Persönlichkeiten, wie du sie beschreibst, gibt es sicher. Mir persönlich ist das nicht verständlich, ich nehme Tipps meistens dankbar an – nur wenn ich merke, dass der Tippgeber z.B. viel größer ist und sein Tipp für mich nicht funktioniert, nehme ich davon Abstand und suche eine andere Lösung. Aber jeder ist ja anders. 🙂