Kletterer-Detox
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Kletterer-Detox: 7 Dinge, die du dir beim Klettern nicht mehr antun solltest.

Stefanie | 14. August 2016
9 Kommentare

Hast du dir schon mal eine "Not-To-Do"-Liste geschrieben? Oder gedacht? Kann echt befreiend sein! Lass uns heute einen mentalen Kletterer-Detox machen. Hier liest du, welche 7 energieraubenden Dinge du dir beim Klettern nicht mehr antun solltest.

"Bist du dir selbst dein bester Freund oder dein ärgster Feind, oder etwas dazwischen?" schreibt Tim von myMONK in seinem Artikel 28 Dinge, die du dir ab heute nicht mehr antun solltest.

Gute Frage! Und so wie im restlichen Leben, so beim Klettern ...

Carlos und ich saßen heute bei einem Tee zusammen und haben überlegt: Wie sieht das beim Klettern aus?

Was sind Phrasen, die wir immer wieder abspulen, Erwartungshaltungen und Denkweisen, die beim Klettern Energie rauben, die Laune so richtig in den Keller bringen?

Und wie viel besser fühlt sich das Klettern an, wenn wir das alles einfach sein lassen?

Kletterer-Detox: Das hier brauchst du nicht mehr

#1: dich mit anderen vergleichen

Schwierig, oder? Direkt oder indirekt vergleichen wir uns doch mit anderen:

Warum schafft der diesen Zug ganz leicht, während ich mich zum 5. Mal abmühe und es immer noch nicht hinkriege?

Es bringt nichts.

In einigen Fällen kann es vielleicht ein Ansporn sein. Ich denke aber, dass wir uns damit in den meisten Fällen eher zu viel Druck machen und unsere Energie verschwenden.

Richte den Fokus auf dich. Auf deine Stärken. Auf das, was du lernen willst. Und such Lösungen, die für dich passen.

#2: sagen "ich versuch's ..."

"Was ist daran so falsch?" denkst du jetzt vielleicht.

Das kommt auf die Interpretation an. Vielleicht hat "versuchen" für dich die gleiche Bedeutung wie "machen".

Für mich ist es nicht das Gleiche.

"Versuchen" heißt für mich, ich schau mal, wie weit ich komme und wenn ich auf ein Problem stoße, hör ich auf. An sich nicht schlimm.

Aber es bedeutet eben, von vornherein mit dieser Einstellung "ich wollte es ja nur mal versuchen" an die Route zu gehen, statt mit der Einstellung das Bestmögliche zu geben.

Verwechsle das bitte nicht mit sich selbst den Druck machen, es schaffen zu müssen. Sieh es mehr als sich zu erlauben, die volle Kraft und Energie einzusetzen.

Worte haben eine unglaublich starke Wirkung. Sowohl was wir hören, als auch was wir zu uns selbst sagen. Im Alltag fällt das nicht so stark auf. In einer Situation außerhalb deiner Komfortzone mit Sicherheit.

Denk mal an eine Route an deinem Limit. Macht es einen Unterschied, ob dein Kopf sagt

Auf jeden Fall, oder?

Beobachte mal, welchen Unterschied es bei dir macht, wenn du dir sagst "Ich geh's an", "Ich mach's" oder einen anderen Ausdruck, der bei dir einen "Power-Knopf" drückt.

#3: schimpfen "der Griff ist schlecht!"

Auch so eine Eigenart, die ich kenne. Du auch?

Was ist das Problem, wenn du schimpfst, dass der Griff schlecht ist, du zu klein oder zu groß bist, nur ein Finger und keine drei in das Fingerloch passen?

Es sind Totschlag-Argumente, bei denen Schluss ist. Der Kopf macht zu. Die Wahrscheinlichkeit, hier eine Lösung zu finden, geht gegen Null.

Was tun?

Spezifizier deine Aussage: "Der Griff ist 3 Millimeter groß und ich rutsche schnell ab" verändert deinen Fokus. Diese Beschreibung bringt dich dazu, offen zu bleiben und Lösungen zu suchen.

Keine Frage, manchmal ändert eine Beschreibung auch nichts daran.

Gerade schwierige Routen haben einfach schwierige Züge, die andere Techniken erfordern. Von vornherein aber zu sagen "der Griff ist schlecht" fegt jede Möglichkeit vom Tisch, sich den Zug ernsthaft zu erarbeiten.

#4: erwarten, dass allein die Kletterschuhe dich zum besseren Kletterer machen

Machen Kletterschuhe einen Unterschied beim Klettern? Definitiv.

Aber: Kletterschuhe allein werden dich nicht in den nächsthöheren Schwierigkeitsgrad befördern. Mach deine Leistung nicht ausschließlich von äußeren Umständen abhängig.

Arbeite an deiner Kraft, Technik, Beweglichkeit, Ausdauer, und am Gedankenspiel im Kopf.

#5: dich fertig machen, wenn der Zug nicht funktioniert

Hand aufs Herz. Hast du dir schon mal etwas an den Kopf geworfen, was du zu deinem Kletterpartner nie sagen würdest?

Oder eine negative Bestätigung á la "Ich wusste ja, dass ich es nicht schaffen kann! Was war das nur für eine bescheuerte Idee?"

Lass es. Es bringt nichts. Fluchen hilft vielleicht. Negative Selbstgespräche sicher nicht. Du brauchst sie nicht. Reduzier dich nicht darauf, ob du einen Zug oder eine Route schaffst oder nicht.

Klar ist das kein Friede-Freude-Eierkuchen-Gefühl, wenn du merkst, es geht einfach nichts. Es nervt. Wenn du es aber schaffst, dich davon nicht weiter herunterziehen zu lassen, wirst du dir eine Menge Druck wegnehmen und Energie sparen.

#6: deine Erfolge kleiner machen als sie sind

"Ach, das war doch nichts. Hätte fast jeder geschafft ...".

Hmm. Hinterlässt ein fades Gefühl, oder? Auch bei dem, der dich angefeuert hat und der sich für dich freut, dass du die Route geschafft hast.

Auch wenn es dir vielleicht um die Route selbst geht, darum Spaß zu haben und nicht so sehr darum, ob du eine Route beim ersten Mal durchkletterst:

Wie viel mehr Energie hast du, wenn du dich über deine Erfolge beim Klettern freuen kannst?

#7: dich rechtfertigen, weil du gerade lieber im Toprope als im Vorstieg klettern willst

Dazu hatten wir hier auf dem Blog schon viele Diskussionen. Falls du das Gefühl hast, eine Erklärung abliefern zu "müssen", stell dir die folgende Frage:

Ist es dir wichtiger, den Erwartungen anderer zu entsprechen oder Spaß beim Klettern zu haben?

Nichts gegen den Vorstieg und dagegen, aus der Komfortzone zu treten. Aber wenn du merkst, dass du im Vorstieg dich unglaublich stressen wirst und das Klettern gar nicht genießen kannst - was ist so falsch daran, im Toprope zu klettern?

Mach dein Ding und hab Spaß. Manchmal braucht unser Unterbewusstsein Mini-Schritte, um sich mehr zu trauen.

Hast du weitere Gedanken, Erwartungshaltungen oder Sätze, die zum mentalen Kletterer-Detox passen?

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9 Kommentare zu “Kletterer-Detox: 7 Dinge, die du dir beim Klettern nicht mehr antun solltest.

  1. Wenn ich sage, dass der Griff schlecht ist, bewirkt das nicht nur bei mir eine negative Reaktion. Oft auch bei denen, die mit mir klettern. Deshalb denke ich, dass die Laune und Energie von einem selbst auch stark auf die anderen übertragen werden.
    Manchen fällt das aber gar nicht mal auf. Bis es einer ihnen sagt 🙂

    1. Oh ja, das kenne ich auch 🙂 Zum Glück hatte ich bisher nur 1 Fall. Der hat nicht runtergezogen, nur etwas genervt 😉 Guter Punkt, sich zu überlegen, wie die eigene Energie auf andere wirkt.

  2. Schöner Artikel, ich würde noch was hinzufügen: Die Erwartungshaltung, dass es jedes Mal bombig läuft. Ich finde es wichtig, mit einer positiven Erwartungshaltung ranzugehen. Aber ohne Druck, sonst geht bei mir gar nichts. Und manchmal gibt’s einfach Tage, an denen läuft weniger.

    1. Stimmt. Sich Druck machen muss man nicht … manchmal passiert’s aber doch, gerade wenn’s bei den anderen gut läuft. Die Kunst ist es zu erkennen und sich dann davon zu lösen. Danke dir!

  3. Super Artikel. Und übrigens nicht nur für Kletterer. Diese Detox-Liste werde ich auf jeden Fall öfter ansehen und für mich anwenden! Besonders der Punkt über das ständige Vergleichen mit anderen fand ich besonders treffend für mich. Danke für den Hinweis!

  4. Komisch, dass einem das selbst manchmal nicht auffällt. Das mit den Worten finde ich richtig. Das trifft auch auf andere Situationen zu, aber beim Klettern merkt man halt noch mal viel stärker, was das für Auswirkungen hat.

    1. Genau das dachte ich auch, als ich den Artikel bei MyMONK gelesen hatte! Vieles ist selbstverständlich, aber zwischen verstehen bzw. denken und handeln gibt’s halt einen Unterschied. Danke für deinen Kommentar!

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