Konzentrierter klettern Roman beim Aufwärmboulder Buttermilks
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Konzentrierter klettern. 3 Ideen für mehr Energie und weniger Chaos im Kopf.

Stefanie | 11. November 2019
2 Kommentare

Konzentrierter klettern, mich nur auf den nächsten Zug fokussieren. Das würde mir jetzt helfen, meine Emotionen beim Klettern in den Griff zu bekommen!

Das war mein Gedanke vor langer Zeit, als ich mal im kalten Frühjahr draußen war. Die Finger kalt und ich hatte kaum ein Gefühl am Fels. Echt übel, weil ich in solchen Momenten viel zu stark greife, die Finger ruck-zuck müde werden und ich denke, dass mir gleich die Kraft ausgeht.

Konzentrierter klettern - ein Ding der Unmöglichkeit mit Emotionen

In so einem Moment kommen die Emotionen ins Spiel.

Und die Konzentration? Praktisch nicht mehr vorhanden.

Der Fokus liegt nicht mehr auf dem Klettern, sondern darauf, dass ich meine Finger nicht mehr spüre und gleich fallen werde. Weit weg vom Flow-Erlebnis, so ein Klettern. Und damit ist es für mich mehr Stress als Spaß.

Warum überhaupt konzentrierter klettern?

Manchmal gibt's Routen, da brauchst du nicht viel Konzentration beim Klettern. Gerade leichte Routen lassen sich auch "einfach so" klettern. Manche unterhalten sich noch dabei.

Aber auch in leichten Routen macht mehr Konzentration einen Unterschied:

  1. Konzentrierter klettern bedeutet mehr Präzision und Qualität in deinen Bewegungszügen
  2. Dein Körper merkt sich jeden Bewegungszug - auch die hastigen, unsauberen Züge
  3. Du kommst schneller in den Flow, wenn du dich konzentrieren kannst.

Und in schwierigen Routen stellt sich die Frage gar nicht erst - ohne Konzentration geht gar nichts.

Hier möchte ich dir 3 Ideen mitgeben, die dir helfen werden, deine mentale Energie zu steigern, so dass du konzentrierter klettern kannst.

Es sind 3 Ideen, von denen ich denke, dass sie oft unterschätzt werden. Genauso wie das Thema "Konzentration" überhaupt.

Klettern mit unseren Freunden Chris "Frühstück" und Sebastian in Arco. Ohne eine starke Konzentration werde ich in Routen mit mehreren Seillängen viel schneller nervös. Anhaltende Nervosität ist für mich definitiv ein Faktor, der den Kletterspaß schnell ruiniert.

3 Ideen, um konzentrierter zu klettern

Hier sind sie auf einen Blick:

  1. Schaff Ruhe-Inseln und Loslass-Ritual
  2. Fokus durch Atmung
  3. Ordnung im Außen erleichtert Ordnung im Innen

#1: Schaff Ruhe-Inseln und Loslass-Rituale

Das Ziel der Ruhe-Inseln heißt wirklich abschalten.

Ich liebe Pausen, in denen ich eine Kraftübung mache oder mit Bewegung wieder in Schwung komme. Am Trainingsboard, mit den Minibarren oder ein paar Sonnengrüße auf der Yoga-Matte.

Ruhe-Inseln können aber auch anders aussehen:

Ein anderes Bild für die Konzentration ist für mich dieser Wasserfall im Valle de los Cóndores, ein Klettergebiet Richtung chilenische Anden. Es zeigt mir, wie viel Kraft entsteht, wenn ich meine Gedanken nicht dauernd umherschweifen lasse, sondern gezielt in eine Richtung bringe.

Loslass-Rituale oder -gewohnheiten sind ebenso wichtig. Ansonsten schleppst du alles, was unbewusst in dir weiterarbeitet, mit dir herum. Das brauchst du echt nicht.

Ideen für Loslass-Rituale für mehr Klarheit:

#2: Fokus durch Atmung

Als Carlos und ich eine Zeit lang im Stimmtraining waren, haben wir dort viele Atemübungen zum Aufwärmen gemacht. Die Wirkung der Atemübungen war unglaublich.

Da habe ich wieder gemerkt, dass die Atmung eine der kraftvollsten Möglichkeiten ist, um

Oft atmen wir viel zu flach! Das passiert auch mir, obwohl ich in den Yoga-Stunden immer darüber spreche, wie wichtig es ist, tiefer zu atmen.

Eine tiefe Atmung hat in kürzester Zeit Auswirkungen auf deinen Körper. Probiere es gleich aus:

Setz dich aufrecht hin, nimm die Schultern zurück und nimm 10 bewusste, tiefe Atemzüge. Atme etwas länger aus als ein.

Wie fühlst du dich? Was hat sich verändert?

Idee #3: Ordnung im Außen erleichtert Ordnung im Innen

Unterschätz nicht, was das ganze Krimskrams, das herumliegt oder repariert werden will, für Aufmerksamkeit von dir auf sich zieht. Oder wenn du etwas verzweifelt suchst, wie ich früher.

Ordnung war früher nie meins. Kreatives Chaos im kleinen Rahmen trifft eher zu.

Nachdem ich schon unglaublich viel Zeit mit Suchen von Dokumenten und anderen Sachen verbracht habe, weiß ich, was das bei mir für einen Stress ausgelöst hat. Völlig unnötig.

Frag dich, wo es äußerlich Sachen gibt, die dich stören (falls es welche gibt):

Konzentrierter klettern Roman beim Aufwärmboulder Buttermilks
Aufwärmboulder bei den Buttermilks, Bishop. Vom einen "Nichts" zum nächsten "Nichts" - ohne Konzentration liegt man am Boden. Roman, den wir am Campingplatz kennengelernt haben, meistert das Beweglichkeitsproblem. Alle Achtung!

Auch wenn du es vielleicht nicht merkst: Alles, was am Tag passiert ist und was dich generell so beschäftigt, nimmst du immer mit. Auch zum Klettern. Das Unterbewusstsein arbeitet weiter, wenn dich etwas beschäftigt.

"Wie überlastet du bist, merkst du erst, wenn du das Gefühl von vollkommener Entspannung kennenlernst"

Ich war fast erschrocken, wie gelassen und energiegeladen ich mich nach unserer 8-tägigen Patagonien-Wanderung im Dezember gefühlt habe. Wie schon jahrelang nicht mehr.

Und das trotz der heftigen körperlichen Anstrengung.

Dafür kein Computer, kein Internet, nur Natur.

Entschleunigen. Nicht nur einen Gang, sondern gefühlte 10 Gänge herunterzuschalten.

Was hilft?

Das war für mich ein Alarmsignal, dieses Gefühl unbedingt mehr in den Alltag zu holen.

Die Lösung ist nämlich nicht auf den Jahresurlaub zu warten, um sich völlig k.o. eine Auszeit irgendwo im Nirgendwo zu nehmen. Das Leben findet jeden Tag statt.

Es bringt auch nichts, dagegen anzukämpfen, die Geschwindigkeit und die Anzahl der Informationen zu verteufeln.

Finde lieber Frieden mit dem Chaos, mit der Schnelllebigkeit und der Infoflut.

Und: Finde einen Weg, wie du wirklich abschaltest und deine Konzentration schärfst.

Zusammengefasst

Konzentrierter klettern erhöht den Spaßfaktor beim Klettern (und sicher auch die Leistung), weil du dich weniger aus der Ruhe bringen lässt.

Die Konzentration zu schärfen ist nicht ohne, weil unser heutiger Lebensstil von Unterbrechungen und zahlreichen Informationen geprägt ist, die überall und jederzeit verfügbar sind und auf einen nahezu einprasseln.

Die glückselige Insel voller Frieden ist für mich realitätsfern.

Es geht mehr darum, im Sturm die Ruhe zu finden. Sich die Ruhe zu nehmen. Sich die Zeit zu nehmen, den Fokus zu schärfen.

Schaff dir Ruhe-Inseln, in denen du alles andere ausblendest. Schaff Loslass-Rituale, damit du nicht alles mit dir herumschleppst.

Nutze deine Atmung, um mit ihrer Hilfe deinen Fokus neu auszurichten und dich stärker, präsenter, bewusster zu fühlen.

Reduzier das äußere Chaos.

Hat dir das Thema gefallen? Ich würde mich freuen, wenn du von dir erzählst.

Was machst du, um mehr mentale Energie zu haben und um konzentrierter zu klettern?

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2 Kommentare zu “Konzentrierter klettern. 3 Ideen für mehr Energie und weniger Chaos im Kopf.

  1. Diesen Cut vor allem in den Pausen (Idee #1) und zwischen mehreren Aktivitäten am Tag finde ich auch wichtig. Ich merke, dass mir eine Pause mit körperlicher Aktivität auch sehr hilft abzuschalten. Kraft-Pause ist auch mein Favorit 🙂 Wenn ich mich voll auf die Übungen am Trainingsboard in der Pause konzentriere, macht es auch viel mehr Spaß als mit den Gedanken noch ganz woanders zu sein. Insgesamt ist dieses Voll-Dabei-Sein etwas, was die Qualität erhöht. Auch beim Klettern.

    Ich finde auch die mentale Vorbereitung und Einstimmung wichtig zum Drumherum, also gar nicht auf eine schwere Route. Ich meine mehr Vorfreude, mit wem ich mich gleich treffe usw. Wenn ich mit den Gedanken noch woanders bin, wenn ich beim Klettern ankomme, bin ich noch nicht so präsent in der ersten Route und kletter anders.
    Mein Schwachpunkt beim Klettern ist das Essen. Wenn ich Hunger bekomme, kann ich mich gar nicht mehr konzentrieren. Also sorge ich dafür, dass es nicht so weit kommt, ich fülle mmer vorher genug auf.

    1. Guter Punkt mit der Einstimmung und dem daraus entstehenden stärkeren im Jetzt und Hier sein. Ich mache den Cut, aber weniger die Einstimmung. Werde ich mal ausprobieren. Den Schwachpunkt mit dem Essen kann ich voll nachempfinden 😀

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