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(Zwangs-) Kletterpause: Wie ich mich fit halte

Nima Ashoff | 7. April 2020
9 Kommentare

Gerade heißt es Kletterpause, wenn du nicht gerade einen kleinen Boulderraum oder Mini-Fels im Garten hast.

Erinnerst du dich an deine letzte Kletterpause? Das Gefühl, wenn du wieder klettern gehst, kann ganz schön schwierig sein, stimmt's? So, als ob du fast wieder von vorne anfängst. Auch wenn anderer Sport nicht wie Klettern ist, es hilft ungemein, aktiv zu bleiben.

Hier erzähle ich dir, was ich mache, um mich in der momentanen Kletterpause fit zu halten.

Einmal nicht aufgepasst und zack – Arm gebrochen!

Nicht meiner, sondern der meines Freundes. Für ihn ist mindestens für die nächsten sechs Monaten Kletterpause angesagt. Für mich zwangsläufig aber auch, da wir zusammen in einem Wohnmobil leben und reisen.

Komplett auf Sport zu verzichten, kommt für mich allerdings nicht in Frage. Erstens bewege ich mich einfach zu gerne und zweitens brauche ich den Sport auch, um mental ausgeglichen zu sein.

Zuerst mache ich einen kurzen Abstecher in meine sportliche Vergangenheit, bevor ich dir erzähle, wie ich mich in Form halte.

Sport war für mich zu Schulzeiten ein Gräuel.

Geräteturnen, Volley- oder Basketball oder Gymnastik waren einfach nicht meine Welt, entsprechend unmotiviert habe ich mitgemacht und genauso schlecht waren meine Noten. Deshalb dachte ich jahrelang, ich sei unsportlich, was totaler Quatsch ist. Ich habe damals einfach noch nicht die Sportart gefunden, die mir gefällt.

So halte ich mich während einer Kletterpause fit

Laufen macht den Kopf frei

Mit Ende zwanzig habe ich dann das Laufen für mich entdeckt und habe sogar zweimal an einem Halbmarathon teilgenommen. Bis heute ist das Laufen für mich ein fester Bestandteil meiner sportlichen Aktivitäten.

Gerade jetzt, in einer längeren Kletterpause, kann ich mich dadurch verausgaben und bekomme den Kopf frei. Während ich beim Klettern sehr fokussiert und konzentriert bin, kann ich beim Laufen meine Gedanken fließen lassen. Oft bekomme ich dabei die besten Ideen.

Was ich ebenfalls am Joggen mag, ist es, mich selber herauszufordern. An manchen Tagen trabe ich gemütlich vor mich hin, an anderen setze ich mir ein knackiges Ziel. Mal laufe ich weiter, mal schneller. Wenn ich es tatsächlich schaffe, freue ich mich natürlich riesig!

Ähnlich wie beim Klettern gehört für mich beim Laufen ein gewisser Biss und der Wille, dranzubleiben, dazu.

Die Kraft darf nicht fehlen

Einen weiteren Ausgleich stellen für mich Kräftigungsübungen dar. Mit einem Theraband trainiere ich die Oberarme und Schultern. Das macht mir zwar nicht ganz so viel Spaß, ist aber effektiv.

Kletterpause-Kräftigungsübung
Manchmal ist es ein bisschen frisch im "Outdoor-Studio"! Dafür hat die Kulisse eine entspannende Wirkung. Hier ein Bild von der Kräftigungsübung, die auch für die Schultern ein guter Stabilisator ist.

Herausforderung Liegestützen

Für die Schulter- und Brustmuskeln folgen dann ein paar Liegestütze. Bis vor zwei Jahren habe ich keine einzige hinbekommen und bin auf den Boden gefallen wie ein nasser Sack.

Deshalb habe ich damals mit einer ganz einfachen Version angefangen, bei der ich mich an einer Wand abgestützt habe. Auch eine Parkbank ist zum anfänglichen Üben praktisch.

Liegestütze im Knien sind ebenfalls wesentlich einfacher als in der ausgestreckten Position. Um zuerst einmal Kraft aufzubauen, haben mir diese Varianten echt geholfen, heute klappen sie auch in der normalen Version.

Planking

Die letzte Übung, die zu meinem Standardrepertoire gehört, ist das sogenannte Planking.

Was so einfach aussieht, hat mir am Anfang schon nach einer halben Minuten den Schweiß auf die Stirn getrieben!

Genau wie beim Laufen kommt es auch hier auf Durchhaltevermögen an.

Kletterpause-Planking draußen
Sieht nicht so nach Anstrengung aus, stimmt's? Das Planking ist eins der besten Beispiele, wie sehr du dich verbessern kannst, wenn du in kleinen Schritten weitergehst und dranbleibst.

Meistens stelle ich mir als Ansporn die Stoppuhr und mache

Seit ich damit angefangen habe, hat sich meine Körperspannung deutlich verbessert.

kraft und koerperspannung Play Button
Kraft & Körperspannung Teil 1: Los geht’s!

Video-Tipp für die Kletterpause

Willst du wissen, wie du in einer Kletterpause deine Kraft halten oder sogar steigern kannst? Kraft ist wichtig, aber nicht alleine entscheidend, um stärker zu klettern. Dieses Aufbautraining wird dir zeigen, wie du nicht nur ganzheitlich Kraft aufbaust, sondern deinen Krafteinsatz auch optimierst.

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Mehr die Ausnahme: Schwimmen

Zum guten Schluss springe ich, wenn sich die Gelegenheit ergibt, zum Schwimmen noch eine Runde ins Meer. Mit festem Boden unter den Füßen fühle ich mich jedoch deutlich wohler.

Weitere Ideen für die Kletterpause

Die Herausforderungen beim Wiedereinstieg können sehr unterschiedlich ausfallen, je nachdem was allgemein dein größtes Problem ist.

Hier siehst du in einer Infografik eine Zusammenfassung zu den Herausforderungen und einige Aktivitäten für deinen Körper und Kopf, die dir dabei helfen.

Kletterpause und trotzdem fit

Fazit

Eine Kletterpause heißt nicht automatisch kompletter Stillstand. Es macht natürlich einen Unterschied, wenn du mehr kletterst - allein schon für den Kopf. Aber es ist überraschend, wie stark die Wirkung ist, wenn du in der Kletterpause regelmäßig etwas anderes machst.

Ja, das Klettern und Bouldern fehlt mir zurzeit, aber es ist, wie es ist. Da die Temperaturen hier in Südeuropa eh gerade rapide in die Höhe schnellen, ist es mit der Kletterpause zu dieser Jahreszeit nicht ganz so schlimm.

Und wenn alles gut geht, können mein Freund und ich im nächsten Herbst wieder loslegen.

Wie hältst du dich während einer Kletterpause fit?

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9 Kommentare zu “(Zwangs-) Kletterpause: Wie ich mich fit halte

  1. Hallo Nima, schade was mit deinem Freund passiert ist, aber manchmal kann man diese „Gelegenheiten“ für andere Sachen ausnutzen oder um zu reflektieren, dass es etwas fehlt. Ich mache seit ca. 2 Wochen eine Kletterpause, weil Stef beim Fahrradfahren sich verletzt hat. Deswegen mache ich jetzt regelmäßig Kraft-Übungen mit dem Trainingsboard und den Minibarren. Ich denke das hilft mir ein bisschen die Kondition zu halten.

    1. „aber manchmal kann man diese „Gelegenheiten“ für andere Sachen ausnutzen oder um zu reflektieren, dass es etwas fehlt“ ja, so wahr, um zumindest auch etwas Positives da rauszuziehen. Ich habe definitiv entschleunigt, entrümpelt und mir überlegt, wie ich meine Zeit eigentlich nutze.

  2. Die für mich wichtigsten Muskeln sind, neben der Rumpfmuskulatur für eine gute Körperspannung, die Beinmuskeln, um sicher auf jeder Trittform stehen zu können und für konzentriertes, sicheres Weitertreten. Dafür setze ich mich aufs Rennrad, gehe laufen oder auch auf ausgedehnte Spaziergänge, je nach Stimmung.
    Am Besten hilft, auch ohne Radfahren, Laufen oder Spazieren, aber tatsächlich (fast) täglich 30-40 Minuten Yoga mit Wechselbelastungen und intensiven Bein- und Standübungen.
    Das größte Problem ist und bleibt der innere Schweinehund – und im Sommer der Gang zur Eisdiele oder, zuhause, ans Tiefkühlfach, in dem es immer einen Pott mit Eis gibt 🙂

    1. Hey Jens, freue mich immer von dir zu lesen und v.a. dass deine Yoga-Praxis so lebendig ist. Super! Nach Pausen zwischendurch bin ich auch wieder zur täglichen Praxis zurückgekehrt, meist 15 – 30 oder 40 Minuten (je nach Tag) und meistens am Morgen. Durch das Fahrrad-„Erlebnis“ musste ich leider auch beim Yoga pausieren. Ich kann’s kaum erwarten, wieder (achtsam) anzufangen. Den Schweinehund kenne ich auch sehr gut :-)!! Deswegen finde ich Yoga oder Sport am Morgen so praktisch. Ich starte damit ganz anders in den Tag und habe ein gutes Gefühl statt das schlechte Gewissen am Abend.

  3. @Jens: Haha, mit solchen Herausforderungen wir einem lockendem Eis habe ich natürlich auch zu kämpfen 🙂

    @Carlos: Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie das erste Mal am Fels nach einer so langen (unfreiwilligen) Pause sein wird.

    Liebe Grüße
    Nima

    1. Beim ersten Mal am Fels bin ich auch gespannt. Ich finde es so schade, weil nach unserem Pedriza-Urlaub hatte ich das Gefühl, eine große mentale Grenze durchbrochen zu haben. Das wollte ich so lange wie möglich behalten und in „unangenehme“ Routen rein. Das Gefühl war für Routen mit langen Abständen gerade beim ersten Haken im Frankenjura sehr hilfreich. Aber ändern kann ich’s auch nicht. Ich glaube, wenn das Vertrauen bzw. genauer gesagt die wirklich gemachte Erfahrung gedanklich frisch bleiben, kann man sie dann wieder beim ersten Mal am Fels einfacher abrufen.

  4. Hallo Nima, ich kämpfe zurzeit mit einer Fingerverletzung und die Zwangspause ist auch mehr als schwer zu ertragen 🙁 Als Ausgleich mache ich viel Yoga, Mobility bzw. Stabi-Übungen und Ausdauersport und hoffe, dass ich nach der Pause wieder gut durchstarten kann.

  5. Im Moment bin ich auch in kleiner Zwangs-Kletterpause. Ich kenne aber auch die Kletterpausen, in denen viel los war und ich mir nicht die Zeit fürs Klettern genommen habe. Radfahren hat mir in Bezug auf Ausdauer sehr geholfen, ich denke aber auch dass Laufen eine sehr gute Komponente ist, weil es für den Kopf entspannter ist.
    Yoga definitiv! Ich habe eine Zeit intensiv den Fokus auf die Körperspannung und etwas auf die Arme gelegt. Als ich dann wieder Bouldern war, war ich überrascht, wie gut die Bewegungszüge auch in Überhängen funktioniert haben. Fürs Klettern braucht man sicher auch mehr den Ausdauer-Faktor, die Konzentration und saubere Fußarbeit. Deswegen finde ich hier von der Yoga-Seite auch Gleichgewichtshaltungen sehr wertvoll.

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